Aktualisiert 17.03.2004 09:43

Schliesst Bombardier in Pratteln?

Die Zukunft der Eisenbahnwaggons-Fabrik in Pratteln (BL) ist wieder in der Schwebe: Das Bombardier-Werk mit rund 400 Arbeitsplätzen steht gemäss Zeitungsberichten vor der Schliessung.

Die bevorstehende Schliessung der Waggons-Fabrik in Pratteln per Mitte 2005 meldeten übereinstimmend die «Basler Zeitung» (BaZ) und der «Tages-Anzeiger» (TA). Bombardier, der weltweit grösste Verkehrstechnik-Konzern, setzte auf Mittwochnachmittag 15.00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit seine vorgezogene Bilanzmedienkonferenz in Toronto an. Dabei wurden auch Informationen über die Restrukturierung des Verkehrstechnik-Bereichs in Aussicht gestellt.

In Kanada wurde erwartet, dass dabei auch über die Schliessung mehrerer Bombardier-Werke und einen einschneidenden Stellenabbau in Europa orientiert werde. Allein in Deutschland wird laut deutschen Medienberichten mit der Streichung von rund 1.500 Stellen gerechnet. BaZ und TA gehen davon aus, dass auch das Werk Pratteln geschlossen wird, das vor vier Jahren von Bombardier übernommen worden war. Nicht betroffen sei das Werk in Villeneuve (VD) mit rund 160 Beschäftigten. Die Schweizer Gewerkschaften SMUV, VSAM, syna und SKO setzten ebenfalls auf 15.00 Uhr eine Medienkonferenz an.

Bombardier-Konzernchef Paul Tellier hatte schon früher erklärt, die 35 Bombardier-Werke in 16 europäischen Staaten seien im Schnitt nur zur Hälfte ausgelastet. Ein detaillierter Turn-around-Plan sehe die Schliessung von sechs oder sieben europäischen Werken vor. Zudem sollten die verbleibenden Fabriken einen höheren Spezialisierungsgrad erhalten. Bombardier ist nicht nur im Eisenbahngeschäft tätig, sondern produziert auch Geschäfts- und Regionalflugzeuge und bietet Finanzdienstleistungen an.

Der kanadische Konzern hatte im Sommer 2000 die Bahntechnik-Tochter Adtranz des deutschen DaimlerChrysler-Konzerns nach damaligem Kurs für rund 1,2 Milliarden Franken gekauft. Adtranz, zu der auch das Werk in Pratteln gehörte, war 1996 aus der Zusammenlegung der Bahntechnik der Daimler-Tochter AEG und der Bahnsparte von ABB entstanden. ABB verkaufte seine hälftige Beteiligung 1999 an DaimlerChrysler. Adtranz hatte im Spätherbst 1999 die Schliessung der Produktionswerke in Pratteln und Zürich-Oerlikon mit rund 700 Arbeitsplätzen angekündigt, was in der Schweiz massive Proteste und heftige Kritik ausgelöst hatte. (dapd)

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