Neue Corona-Fälle gemeldet: Schliesst jetzt ein Club nach dem anderen?
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Neue Corona-Fälle gemeldetSchliesst jetzt ein Club nach dem anderen?

Gleich mehrere Zürcher Clubs teilten am Mittwoch mit, dass sie den Betrieb vorübergehend einstellen werden.

von
Céline Krapf
Christian Holzer
Matteo Bonomo
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Wie es beim Zürcher Club Jade auf Anfrage heisst, gibt es nun auch einen bestätigten Fall im Jade.

Wie es beim Zürcher Club Jade auf Anfrage heisst, gibt es nun auch einen bestätigten Fall im Jade.

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«Wir sind in Kontakt mit dem Tracing-Team des Kantons, und die angeforderten Daten wurden übermittelt. Der Club bleibt dieses Wochenende geschlossen.»

«Wir sind in Kontakt mit dem Tracing-Team des Kantons, und die angeforderten Daten wurden übermittelt. Der Club bleibt dieses Wochenende geschlossen.»

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Am Mittwoch vermeldeten auch die beiden Zürcher Clubs Plaza und Mascotte beim Bellevue je einen infizierten Gast.

Am Mittwoch vermeldeten auch die beiden Zürcher Clubs Plaza und Mascotte beim Bellevue je einen infizierten Gast.

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Darum gehts

  • Am Mittwoch vermeldeten gleich mehrere Zürcher Clubs, dass sie aufgrund von Corona-Fällen am Wochenende nicht öffnen werden.
  • Einige Lokale ziehen nach, obwohl sie selber keine Kenntnis von infizierten Gästen haben.
  • Laut einem Zürcher Nightlife-Experten haben die Schliessungen zwei Gründe.

Nach dem ersten Superspreader-Event im Zürcher Club Flamingo, wo es bei einer Party am 21. Juni zu mehreren Ansteckungen kam und danach 300 Personen in Quarantäne mussten, werden immer mehr Corona-Fälle in Clubs und Bars, unter anderem in Spreitenbach AG und Olten SO, registriert.

Am Mittwoch vermeldeten die beiden Zürcher Clubs Plaza und Mascotte beim Bellevue je einen infizierten Gast. Wie es in einer Mitteilung heisst, stellen beide Lokale den Clubbetrieb für dieses Wochenende freiwillig ein. Das Gleiche im Zürcher Club Jade: «Wir haben einen bestätigten Fall. Der Club bleibt dieses Wochenende geschlossen», heisst es auf Anfrage von 20 Minuten.

Andere Clubs folgen dem Beispiel, obwohl sie selber keine Kenntnis von infizierten Gästen haben. So verzichtet unter anderem auch das Kaufleuten dieses Wochenende auf den Clubbetrieb. Ebenso der Club Zukunft im Zürcher Kreis 4.

«Kommt darauf an, wie hoch man das Risiko einschätzt»

Dass die Clubs nun schliessen, hat laut dem Zürcher Nightlife-Experten Alex Flach zwei Gründe. «Zum einen gehen die Clubs, die Corona-Fälle vermelden mussten, ihrer Verantwortung nach und schliessen ihre Türen.» Dass andere Clubs aus Solidarität schliessen, bezweifelt Flach. «Es kommt wohl darauf an, wie hoch man das Risiko einschätzt, den nächsten Superspreader zu beherbergen.»

Zudem sei da auch noch der Druck der Öffentlichkeit, obwohl man sich ja in einem vom Bundesrat genehmigten Rahmen bewege, so Flach. Wie er sagt, wägt nun jeder Club individuell ab, ob er es sich wegen der wirtschaftlich schwierigen Situation aus dem letzten Lockdown leisten kann, freiwillig zu schliessen.

Freiwillige Schliessung nicht für jeden Club tragbar

«Die Clubs machen die Hausaufgaben, deshalb werden die Fälle überhaupt publik im Gegensatz zum ÖV, wo man keine Angaben hat, wie viele Menschen sich anstecken», sagt Marc Blickenstorfer, Präsident der Schweizer Bar- und Clubkommission. Feiern sollte laut ihm trotz Covid-19 möglich sein, denn eine freiwillige Schliessung sei nicht für jeden Club tragbar: «Wir müssen diese Regelungen nun rigide umsetzen und lernen, mit Corona zu leben», sagt Blickenstorfer.

Das Tragen von Masken im Club schätzt er als unrealistisch ein, denn es sei fraglich, ob dies von den Gästen angenommen würde. Der Mitinhaber des Mascotte und weiterer Zürcher Clubs hofft daher auf die Eigenverantwortung der Gesellschaft: «Wir setzen darauf, dass Menschen, die sich unwohl fühlen, zu Hause bleiben.»

Bern will nachziehen

Laut der Berner Bar- und Clubkommission kam es in Bern bisher noch zu keinem Corona-Fall in einem Club. Deshalb sei die Schliessung von Clubs in der Region zurzeit kein Thema. Trotzdem müssten die Clubs die Nachverfolgung von Covid-19-Fällen gewährleisten: «Spätestens seit letztem Wochenende ist jedem klar, dass die Listen korrekt ausgefüllt sein müssen.»

Das funktioniere in Bern aber ganz gut, sagt Max Reichen, Geschäftsführer der Berner Bar- und Clubkommission. «Wir verzeichneten bloss zwei Fälle, bei denen die Angaben nicht korrekt waren.» Die Kulturbranche gebe sich dabei alle Mühe, «auch weil wir sonst zum Sündenbock verkommen».

Zürich hat erste Massnahmen bereits ergriffen. Clubbetreiber müssen die Kontaktangaben der Besucher ab Freitag verifizieren. Berner Clubbetreiber wollen nachziehen. Die neuen Bestimmungen werden voraussichtlich nächste Woche in Kraft treten. «Diese könnten schon bald schweizweit gelten», meint Reichen. «Wenn Zürich und Bern etwas beschliessen, werden viele andere Kantone nachziehen.»

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