Wirtepatent entzogen – Schliessung der Walliserkanne endet am Freitag – Gemeinde sucht jetzt Lösung
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Wirtepatent entzogenSchliessung der Walliserkanne endet am Freitag – Gemeinde sucht jetzt Lösung

Die Walliserkanne in Zermatt ist nicht mehr geschlossen – theoretisch. Derweil wehrt sich die Kapo Wallis gegen die Vorwürfe der Betreiberfamilie.

von
Lucas Orellano
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Die Walliserkanne in Zermatt dürfte am Freitag theoretisch wieder öffnen.

Die Walliserkanne in Zermatt dürfte am Freitag theoretisch wieder öffnen.

20min/News-Scout
Der Kanton hatte die Schliessung bis am 12. November verfügt.

Der Kanton hatte die Schliessung bis am 12. November verfügt.

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Doch die Familie hat ihr Wirtepatent verloren.

Doch die Familie hat ihr Wirtepatent verloren.

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Darum gehts

Im Interview mit der «Weltwoche» legt die Wirtefamilie der Walliserkanne in Zermatt erstmals ihre Sicht der Dinge dar. Das Restaurant hatte in den letzten Wochen und Monaten Bekanntheit erlangt, weil sich die Betreiber geweigert hatten, die Covid-Zertifikatspflicht und die Maskenpflicht durchzusetzen. Gegenüber 20 Minuten wehrt sich die Kapo Wallis gegen die Darstellung in der «Weltwoche». Zudem seien weder das zuständige Sicherheitsdepartement, noch die Kantonspolizei vor der Veröffentlichung des Artikels mit den Vorwürfen konfrontiert worden.

Am 31. Oktober hätten Polizisten in Zivil die Lage in der Walliserkanne zunächst ausgekundschaftet, berichtet einer von ihnen, Ivan Aufdenblatten, gegenüber der «Weltwoche». Zu diesem Zeitpunkt hätte das Lokal längst nicht mehr geöffnet haben dürfen – es war der Sonntag nach der Schliessung des Restaurants, die am 29. Oktober verfügt worden war. Die Polizei hatte Betonblöcke vor dem Eingang deponiert, am Samstag war es deswegen zu einer Kundgebung vor dem Betrieb gekommen.

Betreiber sieht sich in Mafiafilm

Kurze Zeit, nachdem die Zivilbeamten das Restaurant betreten hatten, sei der Einsatz losgegangen: Aufdenblatten, sowie sein Vater und seine Mutter seien gepackt und geschlagen und schliesslich abgeführt worden. «Es lief alles genau so ab, wie wir das sonst in Mafiafilmen sehen», sagt Aufdenblatten, der dabei nach eigenen Angaben verletzt wurde. Zuvor habe die Kantonspolizei das Lokal wochenlang fast rund um die Uhr überwacht.

Er gibt zu, dass er und sein Bruder Patrik mehrfache Abmahnungen wegen Nichtbeachtung der Covid-19-Schutzmassnahmen vonseiten der Gemeinde ignoriert habe. Sie seien nicht ordnungsgemäss zugestellt worden. Ausserdem: «Die Gemeinde in Kooperation mit dem Kanton hat zwar wiederholt eine Schliessung des Lokals verfügt», sagt Patrik Aufdenblatten. «Aber einen schriftlichen, anfechtbaren Entscheid habe ich erst vor ein paar Tage erhalten.»

«Einsatz war verhältnismässig»

Auf Anfrage von 20 Minuten widerspricht die Kantonspolizei Wallis der Version der Familie Aufdenblatten entschieden. Es treffe nicht zu, dass das Lokal überwacht worden sei. «Das Lokal wurde wie alle anderen öffentlichen Betriebe gemäss den Covid-Vorschriften von der Regionalpolizei Zermatt und der Kantonspolizei kontrolliert», sagt Kommunikationschef Markus Rieder.

Ausserdem sei das Aufgebot der Kapo verhältnismässig gewesen. «Bei derartigen Einsätzen ist die Absicht der Kantonspolizei, die Situation so rasch wie möglich unter Kontrolle zu bringen, um die Sicherheit vor Ort gewährleisten zu können», so Rieder weiter. Zur Anzahl Polizistinnen und Polizisten, die im Einsatz waren, nimmt Rieder aus «sicherheitsrelevanten Gründen» keine Stellung.

Schliesslich widerspricht Rieder auch dem Vorwurf Aufdenblattens, er habe erst spät einen schriftlichen, anfechtbaren Entscheid erhalten. «Die Lokalbetreiber wurden vor der Schliessung 14 Mal kontrolliert und auf die geltenden Massnahmen aufmerksam gemacht», sagt Rieder. «Die Schliessungsverfügung wurde rechtzeitig zugestellt.»

Gemeinde sucht Lösung

Per Freitag ist die Schliessung der Walliserkanne eigentlich aufgehoben. Weil Patrik und Ivan Aufdenblatten allerdings ihr Wirtepatent verloren haben, ist unklar, wann sie wieder öffnen können. «Derzeit liegt das Bestreben des Gemeinderates darin, eine Lösung zu finden, damit es in diesem Winter einen offenen Betrieb unter Einhaltung der geltenden Covid-Richtlinien an der Bahnhofstrasse gibt», sagt Gemeindepräsidentin Romy Biner-Hauser auf Anfrage von 20 Minuten. «Alles Weitere ist ein laufender Prozess, der nicht weiter kommentiert wird.»

So berichtete 20 Minuten im September über die Walliserkanne.

20min/clm

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