Kriechende Invasion: «Schlimmste Schnecken-Plage seit 2007»
Aktualisiert

Kriechende Invasion«Schlimmste Schnecken-Plage seit 2007»

Sie bringen dieser Tage so manchen Hobbygärtner zur Verzweiflung: die Schnecken. Es gibt momentan Scharen der Kriechtiere in unseren Gärten.

von
Camille Kündig
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Derzeit gibt es in der Schweiz mehr Schnecken als in anderen Jahren. Grund dafür ist der nasse Frühling. «Dadurch haben viele Schneckeneier überlebt und sind nicht vertrocknet wie in anderen trockeneren Jahren», erklärt Georg Feichtinger vom Strickhof, Fachstelle Pflanzenschutz.

Derzeit gibt es in der Schweiz mehr Schnecken als in anderen Jahren. Grund dafür ist der nasse Frühling. «Dadurch haben viele Schneckeneier überlebt und sind nicht vertrocknet wie in anderen trockeneren Jahren», erklärt Georg Feichtinger vom Strickhof, Fachstelle Pflanzenschutz.

Leser-Reporter/Marietta Kündig
Der laue Winter spielte aber auch eine Rolle. Mit den höheren Temperaturen konnten die Schnecken die kalten Monate besser überbrücken.

Der laue Winter spielte aber auch eine Rolle. Mit den höheren Temperaturen konnten die Schnecken die kalten Monate besser überbrücken.

Leser-Reporter
Wenn das Gartenbeet unter den kleinen Tierchen leidet, empfiehlt Schneckenexperte Jörg Rüetschi: «Die Schnecken werden bei ihrer Futtersuche durch Feuchtigkeit angelockt und sind nachtaktiv. Man sollte seinen Garten deshalb am Morgen wässern, denn da sind die Schnecken auf dem Rückzug.»

Wenn das Gartenbeet unter den kleinen Tierchen leidet, empfiehlt Schneckenexperte Jörg Rüetschi: «Die Schnecken werden bei ihrer Futtersuche durch Feuchtigkeit angelockt und sind nachtaktiv. Man sollte seinen Garten deshalb am Morgen wässern, denn da sind die Schnecken auf dem Rückzug.»

iStock/Dieter Hawlan

Wegen des milden Winters und der verregneten letzten Monate ziehen sich zurzeit über so manches Grundstück unzählige Schnecken-Schleimspuren, wie der «March-Anzeiger» schreibt – sehr zum Bedauern der Hobbygärtner. Die Tierchen können ganze Beete kahlfressen.

«So schlimm war es seit dem nasskalten Jahr 2007 nicht mehr», sagt Cornelia Sauer von der Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil. Ursache sei der Jahresanfang, erklärt Georg Feichtinger vom Strickhof, Fachstelle Pflanzenschutz: «Der Frühling war dieses Jahr sehr feucht. So haben viele Schneckeneier überlebt und sind nicht vertrocknet wie in trockeneren Jahren.»

«Man sollte den Garten am Morgen wässern»

Eine wichtige Rolle in der Verbreitung der Schnecken spielt auch die Klimaerwärmung. «Mit den höheren Temperaturen können die Weichtiere den Winter besser überbrücken», sagt Jörg Rüetschi, Schneckenexperte. Sie würden ausserdem in immer höher gelegene Regionen wandern: «In den Neunzigerjahren lebte die in der Schweiz weit verbreitete Spanische Wegschnecke auf bis zu 1000 Metern Höhe, heute ist sie ebenso in Regionen auf 2000 Metern angesiedelt und überlebt die Wintermonate gut.»

Schnecken sind nachtaktiv und erst gegen Abend auf Futtersuche. Dabei werden sie von der Feuchtigkeit angelockt. Deshalb der Tipp vom Experten: «Man sollte seinen Garten am Morgen wässern, denn da sind die Schnecken auf dem Rückzug.» Eine andere im Internet häufig angepriesene Möglichkeit ist, Schneckenzäune zu installieren. «Das sind meist 30 bis 40 cm hohe Metallbleche mit einer Abschrägung am oberen Rand», so Rüetschi.

Holzbretter können helfen

Ein effektives, aber umstrittenes Mittel ist Schneckenkorn: «Es gibt eine Studie, die besagt, dass auch Igel diese Körner gern fressen», sagt Schneckenexperte Rüetschi. Das könne tödlich enden: «Wenn ein Igel bereits geschwächt oder krank ist, kann das fatal sein.» Generell sei es besser, in seinem Hausgarten Schneckenkörner ohne Aldehyde zu streuen, sagt Georg Feichtinger. «Es gibt Produkte mit Eisenphosphat, die weniger schädlich für die anderen Tiere sind.» Ein weiterer Vorteil dieser Produkte: Der Salat wird nicht verschleimt. Denn bei den aldehydhaltigen Produkten wird die Schleimproduktion der Schnecken angekurbelt.

In den Tagen vor der nächsten Gewitterfront Anfang nächster Woche empfiehlt Georg Feichtinger, Holzbretter im Garten zu verlegen: «So bleibt der Boden darunter feucht. Das zieht die Schnecken an und am nächsten Tag kann man sie einfach ablesen und weit wegtragen.»

Zurzeit kann aber Entwarnung gegeben werden: Mit dem trockenen Wetter diese Woche werde man nicht auf viele Schnecken stossen, sagt Feichtinger. Letztlich sei es eine Frage der Witterung: «In einem Jahr wie diesem werden wir lernen müssen, mit mehr Schnecken zu leben und uns anzupassen», so Rüetschi.

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