Doping-Vorwürfe: Schlinge um Armstrongs Hals zieht sich zu
Aktualisiert

Doping-VorwürfeSchlinge um Armstrongs Hals zieht sich zu

Noch fährt Lance Armstrong in Frankreich bei der Tour de France. Doch nach der Grande Boucle geht die Tour für den Amerikaner weiter – in den Gerichtssälen der Heimat.

von
heg

Seit Jahren sieht sich der siebenfache Tour-de-France-Gewinner Lance Armstrong mit Doping-Vorwürfen konfrontiert. Seit Jahren bestreitet er diese und geht hart gegen seine Kritiker vor. Mit dem Geständnis seines ehemaligen Teamkollegen Floyd Landis kommt Armstrong aber immer mehr unter Druck. Auch ein Interview des Ex-Radprofis Greg LeMond belastet ihn schwer. In Amerika ermittelt sogar die Bundespolizei gegen den 38-jährigen Texaner, der dieses Jahr seine letzte Tour bestreitet.

«Ihn wird es erwischen, da bin ich mir sicher. Es wird Zeit, dass er geht. Er und seine Leute waren das Schlimmste, was dem Radsport passieren konnte.» Dies sagt der dreifache Tour-de-France-Sieger (1986, 89 und 90) Greg LeMond in der «Süddeutschen Zeitung». Der Amerikaner kritisiert auch den Radsport-Weltverband UCI hart. «Jeder war Teil des dreckigen Spiels.» LeMond wird diese Anschuldigungen am 30. Juli konkretisieren. Dann ist der heute 49-Jährige beim Bundesgericht in Los Angeles vorgeladen. Weitere Ex-Fahrer sollen ebenfalls unter Eid aussagen, ob es in Armstrongs früherem Team US Postal systematisches Doping gegeben hat, wie es Landis bei seinem Geständnis im Mai behauptete.

UCI tanzt nach Armstrongs Pfeife

Der Radsport-Weltverband soll die Machenschaften von Armstrong sogar decken, sagt LeMond. Nach seinen Informationen habe der siebenfache Tour-Sieger 500 000 Dollar an die UCI bezahlt. Deren Präsident Pat McQuaid bestätigte kürzlich eine Spende von 125 000 Dollar. «Allein der Fakt, dass es journalistischer Recherchen bedurfte, damit sie wenigstens die 125 000 Dollar einräumen mussten, spricht doch für sich. Wenn das keine Korruption ist, was sonst? Schweigen, zahlen – es ist fast wie bei der Mafia», so LeMond weiter.

Der Amerikaner hat von der UCI wegen seiner Korruptionsvorwürfe auch schon Briefe mit Klage-Drohungen bekommen. Dazu sagt LeMond: «Kommt rüber in die Staaten und klagt. Die UCI denkt, wir sitzen in der Schweiz und sind unantastbar. Der Verband ist für mich wirklich das grösste Problem unseres Sports. Armstrong hatte bei seinem ersten Toursieg 1999 doch einen Deal. Er war zu Beginn positiv auf Kortison getestet worden und durfte ein Attest nachreichen.»

Ominöse Machenschaften einer Radfirma

LeMond und Armstrong mögen sich schon länger nicht. Angefangen hat alles 2001. LeMond machte eine Aussage zur Zusammenarbeit von Armstrong und Michele Ferrari. Einem seit sechs Jahren verurteilten italienischen Dopingarzt. Der Beschuldigte trat sofort auf den Plan. «Er werde zehn Leute auftreiben, die bezeugen, dass auch ich Epo genommen hätte», sagt LeMond. Armstrong ging sogar noch einen Schritt weiter und mischte sich ins Leben seines Kritikers ein. Die Radfirma Trek, für die Armstrong wirbt, trennte sich auf seinen Druck von Berater LeMond.

Trek-Vertreter werden beim Bundesgericht in Los Angeles ebenfalls als Zeugen eingenommen. Denn der mittlerweile doping-geständige Landis behauptete, dass Armstrong angeblich schwarze Kassen führte, die mit dem Verkauf von Teamrädern finanziert wurden. Damit soll das Doping finanziert worden sein.

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