Seit Mitte Februar: Schlittler picknickten im Zug – jetzt verbietet ihnen RhB das Essen
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Seit Mitte FebruarSchlittler picknickten im Zug – jetzt verbietet ihnen RhB das Essen

In der Rhätischen Bahn gilt auf gewissen Strecken ein Ess- und Trinkverbot. Das ärgert einige Kundinnen und Kunden.

von
Leo Hurni
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In der Rhätischen Bahn herrscht auf der Strecke  Bergün - Preda ein Konsumationsverbot. 

In der Rhätischen Bahn herrscht auf der Strecke Bergün - Preda ein Konsumationsverbot.

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Dies, da viele Schlittler den Zug als Picknickplatz nutzen, erklärt die Mediensprecherin der Rhätischen Bahn, Yvonne Dünser.

Dies, da viele Schlittler den Zug als Picknickplatz nutzen, erklärt die Mediensprecherin der Rhätischen Bahn, Yvonne Dünser.

Rhätische Bahn / swiss-image.ch
Diese «Einzelmassnahme» werde am 14.03.2021 aufgehoben, da die Züge dann nicht mehr auf dieser Strecke verkehrten.

Diese «Einzelmassnahme» werde am 14.03.2021 aufgehoben, da die Züge dann nicht mehr auf dieser Strecke verkehrten.

Rhätische Bahn

Darum gehts

  • In der Rhätischen Bahn herrscht auf einer Strecke ein Konsumationsverbot.

  • Das sorgt bei einigen Kunden für Ärger.

  • Aus rechtlicher Sicht sei das durchaus machbar, erklärt ein Anwalt.

  • Bei der SBB setzt man währenddessen auf eine Sensibilisierungskampagne.

Auf der Strecke Bergün – Preda darf in der Rhätischen Bahn nicht mehr gegessen oder getrunken werden. Diese Regel gilt seit Mitte Februar. Grund seien die vielen Fahrgäste, die den Zug wegen der geschlossenen Restaurants als Picknickplatz nutzten, erklärt Yvonne Dünser, Mediensprecherin der Rhätischen Bahn gegenüber 20 Minuten. Der Nebeneffekt: Wer im Zug isst, zieht die Schutzmaske herunter und ist dementsprechend weniger vor einer Ansteckung geschützt, kann aber andere Personen eher anstecken.

«Das Konsumationsverbot wurde Mitte Februar, und zwar ausschliesslich für die Schlittelzüge zwischen Bergün und Preda, in Kraft gesetzt und in den Zügen entsprechend plakatiert», sagt Dünser. Diese «Einzelmassnahme» werde am 14. März 2021 aufgehoben, da die Züge dann nicht mehr auf dieser Strecke verkehrten.

Kunden lassen ihrem Ärger freien lauf

Die Rhätische Bahn hat auf das Verbot verschiedene Rückmeldungen erhalten. «Die einen finden es gut, andere weniger. Die Massnahme erfolgte auch aufgrund von Kundenrückmeldungen auf diesen Zügen», erklärt Dünser.

Kontrolliert wird die Massnahme allerdings nicht, denn diese Züge verkehren in der Regel unbegleitet. «Die Vorgaben werden akzeptiert, wobei auch die soziale Kontrolle hilft. Bei Missachtung macht unser Personal darauf aufmerksam», so Mediensprecherin Dünser.

Verbot sei verhältnismässig

Auf Social Media sorgt das Verbot allerdings für Kopfschütteln. «GAs kündigen wo es nur geht!», kommentiert ein User auf Facebook dazu. «Es gibt keine Rechtsgrundlagen für ein Ess- und Trinkverbot. Auch kein Notrecht», kommentiert ein anderer.

Für Anwalt Martin Hablützel, Spezialist für Haftpflichtrecht, ist ein solches Essverbot jedoch verhältnismässig. «Man muss sehen, dass die Rhätische Bahn eine Transportpflicht hat. Sie muss dabei für die Sicherheit ihrer Passagiere sorgen, was mit dem Konsumationsverbot wohl versucht wird.» Auf Essen könne verzichtet werden, beim Trinken sei das allerdings schon kritischer. «Ein Schluck Wasser sollte schon erlaubt sein.» Vorausgesetzt, die Fahrt dauere nicht eine Ewigkeit. «Wenn man jetzt drei Stunden oder mehr fahren würde, dann wäre ein Essverbot fragwürdig, und es müssten zumindest Alternativen wie zum Beispiel ein Bistrowagen angeboten werden.»

Für SBB kein Thema

Die SBB hält dabei weniger von einem Konsumationsverbot. Die Bundesbahnen versuchen, mittels einer Sensibilisierungskampagne lange Esspausen in den Zügen zu verhindern. Diese sei mit dem Bundesamt für Gesundheit abgestimmt, erklärt Mediensprecher Martin Meier. Insgesamt werde die Maskenpflicht aber gut eingehalten. «Wir halten uns dabei an die Erläuterungen der Covid-Verordnung. Die Maske kann in den öffentlichen Verkehrsmitteln also für eine kurzzeitige Konsumation abgenommen werden», sagt Meier.

Bei einigen Schlaumeiern, die die Maskenpflicht im ÖV umgehen wollen, hat sich die «Kafi-und-Gipfeli»-Methode eingebürgert: Wer im Zug ein Getränk oder eben ein Gebäck vor sich hat, darf die Maske ablegen.

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Pro Juventute, Tel. 147

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