Polizist angeklagt: Bei Kontrolle Teenager ins Gesicht geschlagen

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Polizist angeklagtBei Kontrolle Teenager ins Gesicht geschlagen

Ein Wachtmeister der Basler Kantonspolizei soll einen renitenten Jugendlichen bei einer Polizeikontrolle übel verletzt haben. Jetzt wurde er angeklagt.

von
lha
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Das Opfer des gewalttätigen Polizisten wurde am 13. August 2016 von einer Fusspatrouille auf der Dreirosenanlage angehalten. Der 16-Jährige konnte sich nicht ausweisen, war betrunken und verhielt sich renitent.

Das Opfer des gewalttätigen Polizisten wurde am 13. August 2016 von einer Fusspatrouille auf der Dreirosenanlage angehalten. Der 16-Jährige konnte sich nicht ausweisen, war betrunken und verhielt sich renitent.

Sabine Schneeberger
In der Folge wurde ein Patrouillenfahrzeug angefordert, um den renitenten Jugendlichen auf die Polizeiwache zu bringen.

In der Folge wurde ein Patrouillenfahrzeug angefordert, um den renitenten Jugendlichen auf die Polizeiwache zu bringen.

Auf dem Weg zur Polizeiwache verhielt sich das spätere Opfer «weiterhin unkooperativ und schrie aggressiv herum», so die Anklage.

Auf dem Weg zur Polizeiwache verhielt sich das spätere Opfer «weiterhin unkooperativ und schrie aggressiv herum», so die Anklage.

Keystone/Georgios Kefalas

Ein erfahrener Wachtmeister der Basler Kantonspolizei soll im August 2016 bei einer Kontrolle einen damals 16-Jährigen mit einem Faustschlag ins Gesicht mittelschwer verletzt haben. Das Opfer wurde am Abend des 13. August von einer Fusspatrouille in der Dreirosenanlage angehalten und verhielt sich dabei renitent. Der Teenager mischte sich ein, als sein Kollege aufgefordert wurde mitzukommen. Dieser war nämlich aus der fürsorgerischen Unterbringung im Zentrum Erlenhof entwichen und deshalb im Fahndungssystem Ripol ausgeschrieben.

Wie aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hervorgeht, behinderte er die Kontrolle und beschimpfte die Polizisten. Aufgrund seines renitenten Verhaltens und weil er sich auch nicht ausweisen konnte, beschlossen die Polizisten, den aufmüpfigen Teenager – der obendrein über 1 Promille Alkohol im Blut hatte – auf die Clarawache mitzunehmen. Für den Transport wurden der Beschuldigte und ein weitere Polizist aufgeboten. Auf dem Weg zur Polizeiwache verhielt sich der junge Mann «weiterhin unkooperativ und schrie aggressiv herum», so die Anklage.

Frakturen nach Faustschlag

Auf der Wache widersetzte sich der Teenager während der Effekten-Durchsicht wiederholt den Anweisungen der Polizisten, Abstand zu halten. Er ging auf den Beschuldigten zu und blieb direkt vor ihm stehen. Dem Wachtmeister brannten in diesem Moment die Sicherungen durch: Unvermittelt soll er dem Minderjährigen einen heftigen Faustschlag in die rechte Gesichtshälfte verpasst haben.

Gemäss ärztlichem Untersuchungsgericht des Unispitals erlitt das Opfer durch den Faustschlag unter anderem einen Knochenbruch an der Innenwand der rechten Augenhöhle umd am rechtsseitigen Stirnknochen. Der 16-Jährige musste vier Tage lang stationär behandelt werden.

«Mit dem heftigen Schlag ins Gesicht des alkoholisierten Opfers nahm der Beschuldigte zumindest billigend in Kauf, ihm lebensgefährliche Verletzungen beizubringen», heisst es in der Anklage. Der Polizist muss sich denn auch wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Amtsmissbrauch vor dem Dreiergericht verantworten. Das Strafgesetzbuch sieht bei Amtsmissbrauch eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren vor.

Bedingte Strafe für Fusstritt ins Gesicht

Schon vor zwei Jahren wurde ein Basler Polizist wegen Amtsmissbrauch verurteilt. Ein Fusstritt gegen den Kopf eines Verdächtigen, der bei der Kontrolle bereits am Boden lag, führte zu einer bedingen Geldstrafe von 18'000 Franken. Der Polizist stritt vor Gericht trotz erdrückender Beweislast bis zuletzt alles ab. Seinen Dienst quittieren musste er deswegen allerdings nicht: Das Urteil wurde an die nächste Instanz weitergezogen und ist noch nicht rechtskräftig.

Die Verhandlung gegen den 53-jährigen Polizisten ist am 13. Januar angesetzt. Der Mann lässt sich vor Gericht durch den prominenten Basler Strafverteidiger Stefan Suter vertreten.

Es gilt die Unschuldsvermutung.

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