Aktualisiert 07.06.2012 19:53

GewähltSchlup löst de Haller als FMH-Präsident ab

Überraschung im Ärzteknatsch: Der umstrittene Präsident der Schweizer Ärzteverbindung FMH, Jacques de Haller, wurde abgewählt. Sein Nachfolger ist der Berner Jürg Schlup.

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mlu
Jacques de Haller (rechts) wurde nach zwei Amtszeiten als FMH-Präsident abgewählt. Sein Nachfolger ist der Berner Jürg Schlup.

Jacques de Haller (rechts) wurde nach zwei Amtszeiten als FMH-Präsident abgewählt. Sein Nachfolger ist der Berner Jürg Schlup.

An der Spitze der Schweizer Ärzteverbindung FMH kommt es zu einem politischen Richtungswechsel. Der bisherige Präsident, der Genfer Jacques de Haller (SP), muss nach acht Jahren im Amt den Hut nehmen. Zum neuen Präsidenten der rund 36'000 Schweizer Ärzte wurde der Berner Jürg Schlup (FDP) gewählt.

Schon im Vorfeld der Versammlung der 200 Personen umfassenden Ärztekammer vom Donnerstag in Biel war Feuer im Dach der Vereinigung. Vor allem das Nein der FMH zur Managed-Care-Vorlage war vielen bürgerlichen Ärzten sauer aufgestossen.

Der Tessiner FDP-Nationalrat Ignazio Cassis trat deswegen als Vizepräsident zurück. Mit dem Zürcher Urs Stoffel (FDP) wurde aus bürgerlichen Kreisen ein Gegenkandidat zu de Haller lanciert.

Stoffel schaffte die Wahl in den Zentralvorstand, ebenso wie Jürg Schlup und Christophe Bosshard als weitere Neulinge. In der Endausmarchung ums Präsidium schwang dann aber der Berner Jürg Schlup obenaus. Stimmenzahlen wollte die FMH auf Anfrage nicht bekannt geben.

Jürg Schlup sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, dass er nicht mit der Absicht angetreten sei, FMH-Präsident zu werden. Dies habe sich im Laufe des Wahlprozederes so ergeben. Er habe am Ende als Kompromisskandidat die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen können.

Weil das Risiko bestanden habe, dass «es nicht so herauskommt, wie man es wollte», habe sich der ebenfalls der FDP nahestehende Urs Stoffel zurückgezogen. Er, Schlup, verfolge aber das selbe politische Credo wie Stoffel.

Bedürfnis nach Wechsel

Jacques de Haller war zuvor vom Ärzteparlament nicht in den Zentralvorstand wiedergewählt worden. Damit war er auch bei der Präsidentenwahl nicht mehr dabei. Er hatte die Geschicke des Verbandes seit 2004 geleitet.

Für de Haller ist die Nicht-Wiederwahl der zweite grosse Tiefschlag nach seiner erfolglosen Kandidatur als SP-Nationalrat vergangenen Herbst. Es habe ein Bedürfnis nach einem Wechsel bestanden, er könne dies nachvollziehen, sagte de Haller gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

De Haller bleibt bis Anfang Dezember

Mit Jürg Schlup sei eine gute Lösung gefunden worden, nachdem sich mehrere Kandidaten um das Amt beworben hätten. Es sei nicht der Präsident, der die Politik der FMH bestimme, sondern dies geschehe in den Gremien der Vereinigung, sagte de Haller mit Blick auf den Wechsel des Präsidiums von der SP zur FDP.

De Haller werde nach gemeinsamer Absprache bis zum 6. Dezember im Amt bleiben, damit die Kontinuität gewährleistet bleibe, teilte die Ärzteverbindung FMH mit. Gleichzeitig will der Verband auch sein intern umstrittenes Nein zur Managed-Care-Vorlage noch in der alten Besetzung durchbringen.

Parteipolitischer Zickzack-Kurs

Die FDP, aus deren Reihen Schlup stammt, begrüsste in einer Mitteilung den Wechsel. Jacques de Haller habe mit seinem parteipolitisch getriebenen Zickzack-Kurs dem Ruf und der politischen Glaubwürdigkeit der Ärzteschaft grossen Schaden zugefügt.

Der neu gewählte Zentralvorstand setzt sich wie folgt zusammen: Jürg Schlup, Zollikofen BE (Präsident, neu), Ernst Gähler, Herisau (Vizepräsident, bisher), Pierre-François Cuénoud, Sitten (bisher, neu auch Vizepräsident), Christoph Bosshard, Bern (neu), Monique Gauthey, Genf (bisher), Remo Osterwalder, Delsberg (bisher), Gert Printzen, Luzern (bisher), Christine Romann, Nänikon ZH (bisher) und Urs Stoffel, Zürich (neu).

Schlup ist 57-jährig und wohnt in Zollikofen BE, wo er als Hausarzt arbeitet. Daneben ist er im Auftrag der Medizinischen Fakultät Bern mit der praktischen Ausbildung von Medizinstudenten in Hausarztmedizin tätig. Politische Stärke entstehe dort, wo sich Menschen zusammenschlössen und gemeinsam handelten, hatte er im Vorfeld seine Kandidatur für den Zentralvorstand begründet.

Die FMH ist der Berufsverband der Schweizer Ärzteschaft und die Dachorganisation der kantonalen und fachspezifischen Ärztegesellschaften. Ihr gehören über 36'000 Mitglieder an, was rund 95 Prozent der berufstätigen Ärztinnen und Ärzten der Schweiz entspricht. (mlu/sda)

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