Vorstoss: Schluss mit Ausbeutung von Praktikanten
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VorstossSchluss mit Ausbeutung von Praktikanten

Praktika, die länger als ein Jahr dauern, sollen verboten werden, fordern SVP und Unia. Viele Firmen setzen laut ihnen Praktika missbräuchlich ein, um Personalkosten einzusparen.

von
D. Pomper
«Es gibt auch Coiffeursalons, wo man ausschliesslich über ein mindestens einjähriges Praktikum eine Lehrstelle bekommt», sagt Unia-Jugendsekretär Fabian Molina.

«Es gibt auch Coiffeursalons, wo man ausschliesslich über ein mindestens einjähriges Praktikum eine Lehrstelle bekommt», sagt Unia-Jugendsekretär Fabian Molina.

Keine Lehre und kein Job ohne Praktikum: Diese Erfahrung machen immer mehr junge Leute. Den Kampf gegen die ewigen Praktikanten lanciert nun die SVP. In einer Motion verlangt die Fraktion, dass Praktikantenverträge nur noch bis maximal ein Jahr gewährt und nicht verlängert werden können. Ausgenommen wären praktische Ausbildungsprogramme mit einer festgelegten Dauer im Rahmen einer längeren Ausbildung. Der Bundesrat wird beauftragt, das Arbeitsgesetz entsprechend anzupassen.

«Anstelle eines richtigen Arbeitsvertrags mit den entsprechenden Sozialleistungen kommt immer häufiger ein Praktikantenvertrag zum Zug, der nach Ablauf der vereinbarten Vertragszeit einfach erneuert wird», sagt SVP-Nationalrat Thomas Aeschi. Er glaubt, dass mit der Personenfreizügigkeit solche Praktiken immer öfter angewandt werden und sich die Situation verschärft: «In Italien oder Spanien etwa werden junge Leute – auch solche mit guter Ausbildung – fast nur noch befristet zu Praktikantenbedingungen angestellt.»

Aeschi verweist auch auf die Mindestlohninitiative. «Statt diese schädliche Initiative anzunehmen, sollten besser bestehende Missbräuche gestoppt und Schlupflöcher im Arbeitsrecht gestopft werden, damit nicht noch mehr Firmen auf Praktikanten ausweichen», sagt Aeschi.

Lehrstelle nur mit Praktikum

Die Gewerkschaft Unia begrüsst das Engagement der SVP. «Früher hat man nach der Ausbildung gleich einen Job gefunden. Heute muss man zuerst drei Praktika machen», sagt Sprecher Pepo Hofstetter. Das stellt auch Unia Jugendsekretär Fabian Molina fest, der sich vermehrt mit verzweifelten Jugendlichen und Eltern konfrontiert sieht. «Sie fragen: Ist es eigentlich normal, dass meine Tochter zuerst während zwei Jahren Praktika machen muss, bevor sie überhaupt an ein Bewerbungsgespräch für eine Lehrstelle eingeladen wird?»

Molina stellt diese Entwicklung in verschiedenen Bereichen fest. Der Klassiker sei die Pflege oder die Kinderbetreuung. «Es gibt auch Coiffeursalons, wo man ausschliesslich über ein mindestens einjähriges Praktikum eine Festanstellung bekommt.» Studenten seien vor allem in NGOs oder im Medienbereich betroffen. Molina weiss von einer jungen Frau, die für 500 Franken für ein Jugendradio gearbeitet hat. Die einzige Festangestellte der Redaktion sei die Chefin gewesen, der Rest Praktikanten. Molina: «In diesen Fällen ist es offensichtlich, dass es nicht um die Grundidee eines Praktikums geht, Berufserfahrung zu sammeln, sondern nur darum, Kosten einzusparen.»

Gegen staatliche Intervention

Von einem solchen staatlichen Eingriff des Staates in die Wirtschaft hält Daniella Lützelschwab vom Arbeitgeberverband nicht viel: «Ein über einjähriges Praktikum kann durchaus berechtigt sein.» Es sei auch nicht haltbar, Unternehmen zu unterstellen, Praktikanten nur einzustellen, um Einsparungen zu machen. «Ein Praktikum ermöglicht es jungen Leuten in erster Linie, Berufserfahrung zu sammeln und den Einstieg zu schaffen.» Eine Limitierung der Praktikumsdauer würde auch nicht den erwünschten Effekt bringen: «Es ist utopisch zu denken, dass ein Praktikant mit einer solchen Regelung schneller zu einem Arbeitsvertrag kommt.» Im Gegenteil. «Vielleicht entgeht dem Praktikanten die Chance auf eine Festanstellung, weil die nötige Erfahrung fehlt», sagt Lützelschwab.

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