Aktualisiert 11.11.2019 15:01

Ressourcen schonenSchluss mit Kassenzettel-Zwang beim Self-Checkout

Mehrere 100 Tonnen Papier werden im hiesigen Detailhandel jährlich für Zettel beim Self-Checkout verbraucht. Nun stoppt Coop den Zettelzwang.

von
S. Spaeth
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Täglich werden Zehntausende Kassenzettel beim Self-Checkout ausgedruckt und teilweise nicht einmal angeschaut.

Täglich werden Zehntausende Kassenzettel beim Self-Checkout ausgedruckt und teilweise nicht einmal angeschaut.

Das führt zu Abfall und Quittungen, die herumliegen.

Das führt zu Abfall und Quittungen, die herumliegen.

Diesem Zettel-Irrsinn will Coop nun Einhalt gebieten.

Diesem Zettel-Irrsinn will Coop nun Einhalt gebieten.

Detailhändler geben sich gern nachhaltig. Da passt es schlecht, wenn täglich beim Self-Checkout Zehntausende Kassenzettel ausgedruckt und – ohne einmal angeschaut zu werden – in den Abfall wandern. Kommt hinzu: Ein Teil der automatisch ausgedruckten Zettel landet einfach auf dem Boden – in oder vor der Filiale.

Diesem Zettel-Irrsinn will Coop nun Einhalt gebieten. Wie 20 Minuten weiss, passt der Detailhändler beim Self-Checkout den Prozess an. Kunden können ab Mittwoch per Klick auswählen, ob sie einen Kassenbeleg wünschen oder auf den Ausdruck verzichten möchten. Laut Coop-Sprecherin Rebecca Veiga will der Detailhändler mit der Massnahme jährlich zwischen 30 und 60 Tonnen Papier einsparen.

Kontrolle ohne Kassenbeleg?

Warum also hat Coop den Zettelzwang nicht schon viel früher aufgehoben? «Wir haben in einer Pilotphase die Reaktionen der Kundinnen und Kunden ausgewertet und danach einen informierten Entscheid getroffen», sagt Veiga. Beim Self-Checkout gehe die Tendenz klar dahin, dass der Kassenbeleg nicht erwünscht sei.

Beim Self-Checkout weiterhin gedruckt werden die Garantiebelege. Und was passiert, wenn ein Kunde nach dem Scannen für eine Stichkontrolle durchs Personal ausgewählt wurde? Da eine allfällige Überprüfung bereits nach dem Klick auf «Bezahlen» ausgelöst wird, braucht der Kunde auch in diesem Fall keinen physischen Kassenzettel. «Das Personal hat Einblick in die elektronische Liste», sagt Veiga.

Migros: «Wir müssen Anpassungen vornehmen»

Auch die Migros arbeitet daran, die Kunden vom Kassenzettelzwang beim Self-Checkout zu befreien. Noch sind die Systeme aber nicht so weit. Ein Kassenzettel habe immer noch viele Funktionen, etwa beim Umtausch oder wenn man man kontrolliert werden, sagt Migros-Sprecher Patrick Stöpper.

Zum oft sinnlos verbrauchten Papier sagt Stöpper: «Es ist unser Ziel, in diesem Bereich so viel Papier wie möglich einzusparen. Uns ist bewusst, dass wir in diesem Bereich Anpassungen vornehmen müssen und auch wollen.»

Anders als bei Coop-to-go, wo Belege auch an der bedienten Kasse seit jeher nur auf Nachfrage gedruckt werden, will der Detailhändler an den bedienten Kassen am Beleg festhalten. Coop verweist auf die Möglichkeit für Supercard-Besitzer, sich die Quittung nach einer Registrierung per Mail zukommen zu lassen. Zurzeit nutzt eine höhere fünfstellige Anzahl Kunden diese Option, wie Veiga sagt.

Eine elektronische Variante kennt auch Konkurrent Migros: Wer die Migros-App an sein Cumulus-Konto gebunden hat, kann den Kassenbon digital anschauen. «Der Kassenzettel wird so oder so ausgedruckt», sagt Migros-Sprecher Stöpper.

Lidl druckt an bedienter Kasse nur auf Wunsch

Lidl hat den Kassenzettelzwang bereits 2017 beendet. Die Kundschaft wird gefragt, ob sie einen Ausdruck des Kassenbons wünscht. Zudem hat Lidl die Länge der Kassenzettel reduziert, indem Zusatzinfos gestrichen wurden.

«Wir konnten durch die Massnahmen den Papierverbrauch um über 30 Prozent reduzieren», sagt Lidl-Sprecher Mathias Kaufmannn. Zudem stellt der Discounter eine deutliche Verbesserungen bei der Sauberkeit fest. «Es liegen viel weniger Zettel im Kassenbereich, was weniger Abfall bedeutet», so Kaufmann.

Seit kurzen testet Lidl in einer Schweizer Filiale Self-Checkout-Kassen. Hier wird der Beleg immer ausgedruckt. «Da wir die Zone mit einem Exit-Gate sichern, braucht der Kunde den Kassenzettel, um den Bereich zu verlassen», so Kaufmann. Ein Verzicht auf den Ausdruck sei aber grundsätzlich vorstellbar.

Aldi: Verzicht auf Kassenzettel steht nicht zur Diskussion

Discounter Aldi hält an den traditionellen Kassenzettel fest: Sie haben sowohl fürs Verkaufspersonal als auch für die Kundschaft eine Kontrollfunktion, sagt ein Sprecher. Zudem gelte der Beleg als Garantieschein, der bei Beanstandungen dazu berechtigt, das Produkt zurückzugeben. Der Verzicht auf die Abgabe von Kassenzetteln steht bei uns derzeit nicht zur Diskussion. Aldi prüfe laufend Möglichkeiten, wie der Papierverbrauch gesenkt werden könne. Das Papier für Kassenzettel mache einen sehr geringen Anteil am gesamten Bedarf aus. Mehr Sparpotenzial gibt es laut Aldi etwa beim Karton.

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