Aktualisiert 28.03.2014 09:43

Schoggi, Bücher & Co.

Schluss mit «Krimskrams» in den Post-Filialen

SVP-Nationalrat Rudolf Joder will der Post verbieten, Gummibärchen und Batterien zu verkaufen. Damit konkurrenziere sie den Detailhandel und ärgere die Kunden.

von
Camilla Alabor
Kochbücher, Süssigkeiten und Handyverträge: In der Post gibt es weit mehr als nur Briefmarken zu kaufen. Das freut nicht alle.

Kochbücher, Süssigkeiten und Handyverträge: In der Post gibt es weit mehr als nur Briefmarken zu kaufen. Das freut nicht alle.

Handyverträge, Batterien, Kochbücher: All das gibt es in Poststellen zu kaufen. Daran stören sich nicht wenige Kunden – und auch der eine oder andere Nationalrat. Wie zum Beispiel SVP-Politiker Rudolf Joder. In einem Vorstoss fordert er deshalb, die Post solle aufhören, «Krimskrams» zu verkaufen.

«Die Leute empfinden es als Belästigung, wenn die Post ihre Filialen mit Gummibärchen, Kissenüberzügen und Rucksäcken vollstopft», begründet Joder seinen Vorstoss. Dass die Artikel einem Bedürfnis entsprechen, glaubt er nicht: «Ich gehe doch nicht zur Post, um Ragusa zu kaufen!» Vielmehr verliere der Konzern damit sein Kerngeschäft – das Zustellen von Briefen und Paketen – aus den Augen. Dazu komme, dass die Post mit ihren Artikeln den Detailhandel konkurrenziere.

«Unfairer Wettbewerb»

Der Gewerbeverband unterstützt Joders Vorstoss. «Es kann doch nicht sein, dass in Filialen inzwischen Versicherungspolicen verkauft werden», sagt Dieter Kläy, Ressortleiter beim Gewerbeverband.

Zudem sei es unfairer Wettbewerb, wenn die Post an bester Lage ihre Läden betreibe: «Mit ihrem Angebot wirbt sie die Laufkundschaft ab, auf die die Läden angewiesen sind.» Adrian Wyss vom Detailhandelverband spricht ebenfalls von einer «Wettbewerbsverzerrung».

Post-Kunden wollen Schoggi

Post-Sprecher Bernhard Bürki hingegen wehrt sich gegen Joders Vorwurf, dass niemand in einer Postfiliale Süssigkeiten kaufen wolle. «Der steigende Umsatz mit Drittprodukten zeigt, dass das Angebot von den Kunden geschätzt wird», sagt Bürki.

Davon abgesehen sei der Verkauf von Drittprodukten für die Post sehr wichtig. «Es hilft uns, das Defizit zu senken, das wir mit den Postfilialen jedes Jahr einfahren.» Letztes Jahr habe der Betrieb der Filialen zu einem Defizit von 91 Millionen Franken geführt.

500 Millionen dank Handys und Batterien

Ob gewisse Filialen bei einem Verkaufsverbot von der Schliessung bedroht wären, will Bürki nicht sagen. «Der Anteil, den die Drittprodukte ausmachen, ist in jeder Filiale anders.» Generelle Aussagen liessen sich deshalb nicht machen. Auf alle Poststellen bezogen, macht der Umsatz mit Drittprodukten laut Bürki 500 Millionen oder rund einen Drittel des Umsatzes von 1,7 Milliarden Franken aus.

Anders als Bürki nimmt Regula Rytz, Präsidentin der Grünen, kein Blatt vor den Mund. «Ich finde das einen kleinlichen Vorschlag», sagt die Nationalrätin zu Joders Vorstoss. Wenn es darum gehe, Postfilialen in Gemeinden und Stadtquartieren zu schliessen, sei jeweils eine Mehrheit der Bürger dagegen. «Der Verkauf dieser Produkte leistet einen Beitrag dazu, dass die Filialen geöffnet bleiben.»

Gewinn, kein Ärgernis

Zudem betrachtet Rytz die Produkte in den Postfilialen nicht als Ärgernis, sondern als Gewinn für die Kunden. Dass die Post damit den Papeterien das Leben schwermacht, glaubt die Bernerin nicht: «Das wird heute ohnehin im Coop und in der Migros eingekauft.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.