06.04.2020 12:56

Ostern

Schmelzende Absätze bei der Osterschokolade

Während grosse Schokoladenfabriken ihre Osterproduktion schon vor der Krise fertigstellen konnten, wird den kleinen Herstellern das Ostergeschäft erschwert.

von
jil
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Während grosse Schokoladenfabriken ihre Osterproduktion schon vor der Krise fertigstellen konnten, wird den kleinen Herstellern das Produzieren erschwert.

Während grosse Schokoladenfabriken ihre Osterproduktion schon vor der Krise fertigstellen konnten, wird den kleinen Herstellern das Produzieren erschwert.

Keystone/Christian Beutler
Die Confiserie Bachmann in Luzern stellt normalerweise etwa 30 bis 40 Sorten Schokohasen her und verkauft pro Sorte teils mehrere hundert Stück. «Dieses Jahr können wir vielleicht noch ein Drittel der sonst üblichen Menge an Osterschokolade absetzen», sagte Geschäftsführer Matthias Bachmann.

Die Confiserie Bachmann in Luzern stellt normalerweise etwa 30 bis 40 Sorten Schokohasen her und verkauft pro Sorte teils mehrere hundert Stück. «Dieses Jahr können wir vielleicht noch ein Drittel der sonst üblichen Menge an Osterschokolade absetzen», sagte Geschäftsführer Matthias Bachmann.

Die Hygiene- und Abstandsauflagen seien eine grosse Herausforderung für den Betrieb.

Die Hygiene- und Abstandsauflagen seien eine grosse Herausforderung für den Betrieb.

Keystone/Gaetan Bally

Die Confiserie Bachmann in Luzern stellt normalerweise etwa 30 bis 40 Sorten Schokohasen her und verkauft pro Sorte teils mehrere hundert Stück. «Dieses Jahr können wir vielleicht noch ein Drittel der sonst üblichen Menge an Osterschokolade absetzen», sagte Geschäftsführer Matthias Bachmann.

Die Hygiene- und Abstandsauflagen seien eine grosse Herausforderung für den Betrieb. «Wir mussten wegen der Auflagen die Osterproduktion stoppen und haben es deshalb nicht geschafft, das gesamte Sortiment herzustellen.» Deshalb müsse man jetzt teilweise bei grösseren Bestellungen absagen. Ähnlich klingt es auch beim Chocolatier Läderach, der mit der Schliessung der Läden nach dem Entscheid des Bundesrates auch die Produktion stilllegen und Projekte verschieben musste.

Nachfrage noch unklar

Die Einbussen sind also vorerst in erster Linie auf die eingeschränkte Produktion zurückzuführen. Ob in diesem Jahr aber die Konsumenten weniger Schokolade kaufen, könne er noch nicht sagen, betonte Matthias Bachmann: «Die Verkäufe steigen häufig erst kurz vor Ostern an.»

Auch für die Migros ist es noch zu früh, Rückschlüsse über die Nachfrage nach Osterschokolade zu ziehen, weil Hasen und Praliné-Eier tendenziell erst kurz vor Ostern über den Ladentisch gehen. Schwankungen im Osterabsatz seien aufgrund der jeweiligen Jahres- und Wettersituation zudem normal, heisst es auf Anfrage. Allerdings wird wegen der aktuellen Situation allgemein deutlich weniger eingekauft als sonst.

Beim zweiten grossen Detailhändler Coop ist derweil beim Verkauf von Osterschokolade kein Einbruch in Sicht: «Wir stellen bei den einzelnen Einkäufen unserer Kundinnen und Kunden keine grossen Unterschiede zu den Vorjahren fest», kommentierte eine Sprecherin.

Schokoladefabriken schwächer getroffen

Im Gegensatz zu den kleinen Schokoladenproduzenten, die ihre Produktion stoppen mussten, haben die grösseren Fabriken wie die Coop-Tochter Chocolat Halba schon früh mit der Herstellung von Osterhasen begonnen. «Die Osterproduktion war bereits abgeschlossen, als die aktuelle Situation aufgrund von Corona begann», hiess es. Laut Urs Furrer vom Verband der Schokoladenproduzenten Chocosuisse macht das Ostergeschäft im Durchschnitt mit etwa 7 Prozent einen wichtigen Teil des Jahresabsatzes aus. Dennoch spüren auch die grossen Hersteller die Krise. Die Schokoladenfabrik Camille Bloch, die mit dem Ostergeschäft etwa 5 Prozent des Jahresumsatzes macht, erwartet einen leichten Umsatzrückgang, weil die Leute Ostern voraussichtlich in kleineren Gruppen feiern werden.

Lindt & Sprüngli vermutet «aufgrund der geschlossenen eigenen Geschäfte, dem fehlenden Tourismus und auch teilweise geschlossenen Detailhandelsgeschäften» eine Schwächung des Ostergeschäfts. Gleichzeitig würden aber andere Kanäle wie Onlineshops, Heimlieferung und Abholservice bedeutender.

Umstellung auf Online

Die Schokoladenbranche habe die Bedeutung des Onlinehandels erkannt, sagte Urs Furrer vom Verband Chocosuisse: «Ich habe den Eindruck, dass als Folge der Krise die Digitalisierung von den Unternehmen fortan noch ernster genommen wird.» Mit den Onlineverkäufen könnten die Betreiber von Schokoladegeschäften immerhin einen Teil der Absätze gewährleisten. Das Problem so kurz vor Ostern liege im Moment allerdings noch ganz woanders: «Die Schwierigkeit ist die Kapazität der Lieferservices. Bei der grossen Paketflut ist es teilweise gar nicht mehr garantiert, dass der Osterhase noch zur rechten Zeit am rechten Ort ankommt.» (jil/sda)

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