Schmid: «Freiheit ohne Verantwortung ist zerstörerisch»
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Schmid: «Freiheit ohne Verantwortung ist zerstörerisch»

Indem er das Thema Freiheit ins Zentrum seiner Festansprache am Ustertag 2005 stellte, hat Bundespräsident Samuel Schmid am Sonntag an dessen Ursprünge angeknüpft.

Dieser brachte vor 175 Jahren die Wende zum modernen demokratischen Kanton Zürich.

Demokratische Gundrechte und mehr Gerechtigkeit für alle waren unter anderem Forderungen des Ustertags von 1830. Dieser Emanzipationsschlag habe deshalb so grossen Erfolg gehabt, weil er geprägt war von Verantwortung für das Gemeinwohl, sagte Schmid laut Redemanuskript.

Fehle Verantwortung, so wirke sich Freiheit zerstörerisch aus. Der Preis der Freiheit sei ständige Wachsamkeit. Der Mensch müsse seine Freiheit ein Leben lang immer wieder neu schaffen und bereit sein, sie gegen Ketten jeglicher Art zu verteidigen.

Föderalismus diskutieren

Auch zur Frage der Föderalismus äusserte sich der Bundespräsident - als überzeugter Föderalist, wie er sagte. Zwar sei dieser ein Grundpfeiler der Staatsstruktur, es sei aber kein Verrat, sich Gedanken und über seine Zukunft zu machen, sich den notwendigen Diskussionen zu stellen. Darin liege eine Chance.

Einerseits habe sich die Anzahl Kantone seit 1848 nur wenig geändert. Und die historisch gewachsenen Strukturen stellten ein wichtiges Stück Heimat dar.

Andererseits aber habe sich das Leben der Bevölkerung völlig gewandelt. Die Menschen hätten heute ganz andere Gewohnheiten bei Arbeit, Freizeit und Konsum als vor 30 oder 100 Jahren.

Geografisch entwickle sich die Schweiz zu einer Gross- Agglomeration. Der klassische Unterschied zwischen Stadt und Land verwische sich. An den Rändern - in Genf, Basel, Lugano -entstünden grenzüberschreitende Regionen.

Bilaterale Verträge umsetzen

Schliesslich kam Schmid auch auf die EU zu sprechen. Er erinnerte an die beiden deutlichen Ja zu Paketen von bilateralen Verträgen mit den EU-Staaten. Politikerinnen und Poltiker hätten in direktem Kontakt mit der Bevölkerung deren Vertrauen erlangt.

Nun gehe es darum, die bilateralen Verträge umzusetzen, anzuwenden und mit ihnen Erfahrungen zu sammeln. Damit stehe jeder andere europapolitische Weg für Jahre ausser Diskussion.

Samuel Schmid setzte mit seinem Auftritt eine Tradition des Ustertags fort, nach der regelmässig amtierende Bundesräte dort sprechen. In den letzten Jahren waren Kaspar Villiger (1994), Pascal Couchepin (1998), Joseph Deiss (1999), Moritz Leuenberger (2001) und Ruth Metzler (2003) zu hören gewesen.

Mit dem Ustertag wird der liberalen Bewegung von 1830 gedacht. An einer Volksversammlung vom 22. November 1830 forderten rund 10 000 Männer aus der Zürcher Landschaft in Uster mehr Rechte gegenüber der Stadt Zürich ein. Sie legten auf friedlichem Weg die Basis für den modernen Kanton Zürich. (sda)

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