Schmid übt Kritik an Medien
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Schmid übt Kritik an Medien

Bundesrat Samuel Schmid hat den Verlegern und Journalisten ins Gewissen geredet. Am Jahreskongress der Schweizer Presse forderte er am Freitag in St. Moritz die Medienvertreter dazu auf, ihre Konsumenten ernst zu nehmen und ihnen weniger Thesen vorzulegen.

Vor den Spitzen des Schweizer Verlagswesens zeigte sich der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) besorgt über das schlechte Image der Schweizer Medien: Sowohl eine Umfrage der ETH wie der Credit Suisse hätten ergeben, dass die Journalisten wenig Vertrauen bei der Bevölkerung geniessen würden.

Nach dem Hinweis, dass er die Schweizer Medienlandschaft grundsätzlich für vielfältig, kompetitiv und guter Qualität erachte, holte Schmid zu einer Kritik am Thesenjournalismus und der Boulevardisierung aus. Wenn zum Vornherein klar sei, was Gut und Böse sei, fühle er sich als Medienkonsument bevormundet. Es sei auf die Dauer verheerend, wenn «gesellschaftliche Themen zwecks Steigerung der Auflage oder der Einschaltquote kontrovers, zuspitzend und marktschreierisch angegangen werden, bevor die Grundinformation vermittelt worden ist.» Der Boulevardjournalismus zwinge ihn dazu, Teil einer Spassgesellschaft zu sein, der er nicht angehören möchte. «Den Medienkonsumenten ernst nehmen heisst auch, sein Niveau nicht zu unterschätzen», sagte der VBS-Chef laut Redetext.

Medien verantwortlich für Politikverdruss

Schmid schalt die Medien weiter dafür, dass sie oft jeden, der ein öffentliches Amt bekleide unter den Generalverdacht der Profilierungssucht oder des Erreichens persönlichen Vorteils stellten. Dies sei mit ein Grund dafür, wieso sich auf Gemeindeebene kaum mehr Interessierte für öffentliche Ämter fänden. Die Medienvertreter sollen zudem mehr Respekt vor legitimen staatlichen Interessen zeigen: Es sei verheerend, wenn beispielsweise die Geheimhaltung eines Dokuments lächerlich gemacht und unterlaufen werde.

Aus seiner Kritik schloss Schmid die öffentlich-rechtlichen Medien nicht aus. Auch bei ihnen sei die Tendenz zum Schwarz-Weiss-Schema zu spüren. Allerdings, räumte Schmid ein, habe dieses seinen Ursprung auch in der Politik selbst. Die Aufgabe der Medien sei es, die Grenzen der effekthascherischen Politik zu erkennen und sich auf ihren öffentlichen Informationsauftrag zurückzubesinnen. (dapd)

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