Aktualisiert 12.12.2006 20:50

Schmiergeld: Ex-Siemens- Topmanager verhaftet

Siemens versinkt immer tiefer im Korruptionssumpf: Mit der Verhaftung des früheren Zentralvorstandes Thomas Ganswindt hat die Schmiergeldaffäre die Ebene der Konzernspitze erreicht.

Zudem kommen immer drastischere Ausmasse zum Vorschein. Der Konzern geht inzwischen von zweifelhaften Zahlungen in Höhe von 420 Mio. Euro (rund 670 Mio. Franken) aus. Als Folge der Affäre musste der Konzern seine Ergebniszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr nach unten korrigieren. Weitere Belastungen zum Beispiel durch Strafen oder Schadenersatzforderungen könnten auf den Konzern zukommen.

Unterdessen wurde Ganswindt, erst im September angesichts der bevorstehenden Auflösung der Kommunikationssparte Com bei Siemens ausgeschieden, am Dienstag verhaftet. Das bestätigte ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft ohne Details zu nennen.

Kleinfeld will aufklären

Vorstandschef Klaus Kleinfeld hatte zuvor am Dienstag eine lückenlose Aufklärung der Affäre angekündigt. «Es geht um den Ruf des Hauses. Wir werden keine Kompromisse machen.» Siemens- Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, in dessen Zeit als Vorstandsvorsitzender der Aufbau des illegalen Finanzsystems fällt, sieht keinen Grund für einen Rückzug aus dem Kontrollgremium.

Siemens räumte ein Versagen der Kontrollsysteme ein. «Das interne Kontrollsystem hatte materielle Schwächen», sagte Finanzvorstand Joe Kaeser.

Kleinfeld und Pierer betonten aber, dass der Konzern bereits Anfang der 90er-Jahre so genannte Compliance-Systeme entwickelt habe. Die Mitarbeiter seien verpflichtet worden, sich an die Gesetze zu halten. «Es gibt keinen Mitarbeiter, dem das nicht klar gewesen ist», sagte Kleinfeld. Mit externer Hilfe sollten nun aber Lücken geschlossen werden.

Der Aufsichtsrat hatte am Vortag ein Massnahmenpaket beschlossen. Eine internationale Anwaltskanzlei und der Mitbegründer von Transparency International, Michael Hershman, sollen helfen, die Kontrollsysteme zu verbessern. Zudem wird der Stuttgarter Oberstaatsanwalt Daniel Noa die Leitung der Antikorruptions-Abteilung bei Siemens übernehmen.

Schmiergeldzahlungen im Ausland

Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein Dutzend Verdächtige etwa 200 Mio. Euro von Siemens veruntreut und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt hat. Die Überprüfungen bei Siemens ergaben nun zweifelhafte Zahlungen von 420 Mio. Euro in den vergangenen sieben Jahren.

Das Geld müsse nicht komplett in schwarze Kassen geflossen sein, sagte Finanzvorstand Kaeser. Es handle sich aber um verdächtige Zahlungen für Beraterverträge, bei denen der weitere Geldfluss untersucht werden müsse.

Als Folge hat Siemens für die vergangenen sieben Jahre zusätzliche Steuerbelastungen von 168 Mio. Euro veranschlagt. Der Gewinn des Geschäftsjahres 2005/06 (per Ende September) wurde von 3,106 auf 3,033 Mrd. Euro nach unten korrigiert.

(dapd)

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