Aktualisiert 28.02.2012 07:27

Türkisch-syrische Grenze

Schmuggler leiden unter den blutigen Kämpfen

Sie leben von geschmuggelter Ware. Weil die Grenze wegen der Gewalt in Syrien viel stärker überwacht wird, wird für die Einwohner auf der türkischen Seite das Leben schwer.

von
Nebi Qena, ap
Ein Schmuggler auf seinem Traktor im Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei.

Ein Schmuggler auf seinem Traktor im Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei.

Seit Generationen lebten die Menschen in dem türkischen Weiler Hacipasa direkt an der Grenze zu Syrien vom Handel und von eingeschmuggelter Ware wie Vieh und Zigaretten. Der Volksaufstand im Nachbarland hat alles verändert. Vier Flüchtlingslager sind in der Türkei seit Beginn der Unruhen im vergangenen März entstanden. Syrien hat die Überwachung der Grenze verschärft.

«Die syrischen Flüchtlinge machen uns das Leben schwer», sagt der 34-jährige Arif, Einwohner von Hacipasa, der sein Einkommen mit dem Schmuggel von Zigaretten bestreitet. «Wegen ihnen sind jetzt überall Polizisten und Soldaten», sagt er.

Die Schmuggler befürchten, dass die Grenze bald gar nicht mehr zu überqueren sein wird. Die syrische Regierung ihrerseits will verhindern, dass Waffen über die Grenze im Norden ins Land geschafft werden. Zudem soll die Freie Syrische Armee aus desertierten Soldaten nicht aus der Türkei heraus operieren können.

Günstiger Treibstoff und Zigaretten

Die striktere Überwachung der etwa 910 Kilometer lange Grenze hat den Schmuggel von Waren eingedämmt und sehr viel gefährlicher gemacht. Dennoch werden auch weiterhin günstiger Treibstoff und Zigaretten illegal aus Syrien eingeführt und gewinnbringend verkauft.

«Sie sind nicht besser, aber günstiger», sagt der 43-jährige Nihat Unal, der eine Schachtel Zigaretten in Händen hält, die, wie er sagt, durch das hügelige Grenzgebiet gleich hinter seinem Haus geschmuggelt wurde. Die Türkei indes beteuert, sie erlaube keine illegalen Geschäfte an der Grenze und sie werde das Gebiet auch nicht als Bereitstellungsraum für Rebellen freigeben.

Kein Handel oder Besuch zum Ramadan

Für Izeddin Celik, einen 60-jährigen Einwohner von Hacipasa, hat der Konflikt in Syrien sein ohnehin beschwerliches Leben noch schwerer gemacht. Celik verdiente sein Geld mit dem Verkauf von Decken auf dem samstäglichen Basar in Hacipasa, das zwischen Aussenposten der türkischen Streitkräfte und den Hügeln auf syrischem Territorium liegt.

Seit den Kämpfen bleiben die Kunden aus Syrien aus. «Man kann am Morgen Gewehr- und Artilleriefeuer hören», sagt Celik. «Wenn Leute versuchen, die Grenze zu überqueren, schiessen die syrischen Streitkräfte auf sie», fügt er hinzu, während er mit dem Fuss Linien auf dem Boden zieht, die die Grenze darstellen sollen. «Sie kamen am Ramadan herüber zu uns und wir besuchten sie», sagt Celik.

10 000 syrische Flüchtlinge

In türkischen Lagern leben nun etwa 10 000 syrische Flüchtlinge, die vor der blutigen Niederschlagung des Aufstandes in ihrem Heimatland flohen. Der Flüchtling Mohammed Mussa gibt den Schmugglern recht, die vermuten, die syrischen Streitkräfte würden die Grenze bald ganz abriegeln, vor allem, damit sich der Widerstand nicht in die Türkei zurückziehen kann.

Er selbst sei kein Rebell, sagt Mussa im Interview vor einem der Flüchtlingslager, das von Journalisten ohne Erlaubnis der türkischen Regierung nicht betreten werden darf. Er stehe jedoch im Kontakt mit den Führern der Revolution in Syrien. Der 24-jährige Mann neben ihm sei ein desertierten Soldat der syrischen Streitkräfte.

«Hätten wir Waffen, sähe die Sache anders aus», sagt Mussa. Trotz der internationalen Kritik an dem Vorgehen der syrischen Regierung, den Angriffen auf Zivilpersonen, glaubt Mussa nicht daran, dass die Opposition bewaffnet wird. «Die USA haben versprochen zu helfen, und die Arabische Liga hat versprochen zu helfen. Doch das waren nur Phrasen», resümiert Mussa.

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