Schmutziger Deal um Saddams Hinrichtung?
Aktualisiert

Schmutziger Deal um Saddams Hinrichtung?

Der französische Anwalt von Saddam Hussein verlangt eine lückenlose Untersuchung der Saddam-Hinrichtung durch die UNO. Er vermutet, dass sich hochgestellte Saddam-Gegner in einem Deal die eigenhändige Exekution des Ex-Diktators ausbedungen haben.

Emmanuel Ludot hat in einem Brief an UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon entsprechende Vermutungen geäussert, wie «Spiegel Online» berichtet. Empört ist Ludot auch über die Art und Weise der Hinrichtung und die Videoaufnahmen der gesamten Hinrichtung sowie deren Verbreitung. Beides verstosse gegen die Genfer Konvention von 1949. Da Hussein bis zu seinem Tod vom Status her Kriegsgefangener gewesen sei, hätte die Genfer Konvention bei Saddams Hinrichtung angewendet werden müssen.

Das Hauptanliegen Ludots ist es herauszufinden, ob «hochgestellte Saddam-Gegner in einem üblen Handel mit der Besatzungsmacht das Privileg erhalten haben, bei der Tötung selbst Hand anzulegen.»

Regierungsmitarbeiter drehten Handy-Video

Laut Staatsanwalt Munkith Al-Farun, der sich während der Hinrichtung mit dem Gedanken getragen hatte, die Veranstaltung zu verlassen und damit zu verhindern, wird ein Regierungsmitarbeiter für das Handy-Video verantwortlich gemacht.

Munkith Al-Farun wollte die Hinrichtung wegen der tumultartigen Zustände verlassen. Die Wächter Saddams verhöhnten diesen fortwährend, indem sie den Namen des Schiiten-Führers und Erzfeinds Saddams Muktada Al-Sadr skandierten. Die offensichtlich feindselige Einstellung der Henker gegenüber Saddam Hussein gipfelte darin, dass sie die Falltür in just jenem Moment öffneten, als Hussein mitten in seinem letzten Gebet steckte.

Mittlerweile hat sich die Hinrichtung und deren multimediale Verbreitung zu einem eigentlichen PR-Desaster für die Besatzungsmacht und die irakische Regierung ausgewachsen. Unter den schiitischen Jugendlichen ist das Video von Saddams Hinrichtung längst ein Verkaufsschlager, für die sunnitischen Anhänger Saddams hingegen ein Schlag ins Gesicht. Mit der Ankündigung, den Produzenten des Handy-Films ausfindig zu machen, versuchte die irakische Regierung die Wogen zu glätten.

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