Aktualisiert 03.11.2009 15:21

StrassenkaufSchnäppchenjäger hofft auf Riesengewinn

Bei einer Zwangsversteigerung einer Strasse hat Herr Saab zugeschlagen, für 1'500 Euro darf er das Stück Teer sein Eigen nennen. Nun will ers der Stadt verkaufen - für rund 600'000 Franken.

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lue

Zum Gemeindeverband (auch Amt genannt) Beetzsee im deutschen Bundesland Brandenburg zählt auch das Städtchen Havelsee. Im letzten August wurden laut der Zeitung Märkische Allgemeine zwei Vertreterinnen des Amtes damit beauftragt, die Strasse Am Mühlenberg zu ersteigern und so in den Besitz von Havelsee zu bringen. Doch ein unbekannter «älterer Herr» bot plötzlich rund 1'500 Franken. Für diese Summe hatten die Vertreterinnen keine Vollmacht. Sie sollten sich an den ausgeschriebenen Verkehrswert von einem Euro halten. Konkurrenz war erst gar nicht in Erwägung gezogen worden. Denn wer kauft schon eine Strasse?

Die Antwort: Wassim Saab! Der «ältere Herr» ist seither im Besitz einer 5'000 Quatradmeter grossen Quartierstrasse.

Nach Rücksprache mit seinem Anwalt bietet Saab nun der Stadt Havelsee die Strasse zum Kauf an: Für rund 600'000 Franken. Bürgermeister Günter Noack ist entsetzt. Und es ist für ihn fraglich, ob die Stadt das Geld zahlen wird. Denn Schuld am Desaster hat für ihn das Amt Beetzsee.

Noack weiss aber auch, dass Saab nach zwei Jahren seine eigene Enteignung verlangen kann. Dann wäre die Stadt verpflichtet, die Strasse zu kaufen. Über die Höhe müsste die Enteigungsbehörde im Innenministerium entscheiden. Diese würde ein erneutes Verkehrswertgutachten veranlassen. Erst nach einem Bescheid wäre der Rechtsweg zu den Gerichten eröffnet.

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