Aktualisiert 06.01.2012 18:07

«Bye Nokia»Schnappt sich Microsoft Nokias Smartphones?

Die Smartphone-Sparte der Finnen werde an Microsoft verkauft, die Marke Nokia werde verschwinden. Dies behauptet der Chefredaktor der «Mobile Review» – ein streitbarer Nokia-Hasser.

von
owi
Anfang 2011 verkündeten Nokia-CEO Stephen Elop (links) und Steve Ballmer von Microsoft die Partnerschaft der beiden Konzerne.

Anfang 2011 verkündeten Nokia-CEO Stephen Elop (links) und Steve Ballmer von Microsoft die Partnerschaft der beiden Konzerne.

Oft reicht ein Tweet und die Gerüchteküche in der Tech-Welt brodelt. Steve Ballmer von Microsoft und Stephen Elop von Nokia würden sich nächste Woche an der Elektronikmesse CES in Las Vegas treffen, um den Verkauf von Nokias Smartphone-Sparte an Microsoft zu besiegeln, twitterte Technikjournalist Eldar Murtazin am Donnerstag. Der Deal soll in der zweiten Jahreshälfte 2012 über die Bühne gehen.

Mit der Smartphone-Sparte der Finnen könnte Microsoft selbst Windows-Phone-Geräte herstellen. Dies sei notwendig, da andere Hersteller wie Samsung oder HTC noch immer nicht von Windows Phone überzeugt seien.

Google-Motorola-Deal als Vorbild

Murtazin nennt einen weiteren Grund, weshalb Microsoft an Nokia interessiert sei: Rivale Google – der mit Android weit erfolgreicher ist als Microsoft mit Windows Phone – hat bereits im August 2011 die Mobile-Sparte von Motorola übernommen. Der Suchmaschinenriese produziert zudem gemeinsam mit Samsung das Google-Phone Galaxy Nexus. Dass Microsoft ähnliches plant und die Produktion von Windows-Phones mit dem Kauf von Nokia selbst in die Hand nehmen will, klingt plausibel.

Die Marke Nokia werde im Smartphone-Bereich verschwinden, behauptet Murtazin. Darauf hätten sich Elop und Ballmer bereits geeinigt. Nokia würde sich künftig auf die Produktion einfacher Handys und Dienste wie Nokia Maps, Navigation oder Location-Based-Services beschränken.

Nokia dementiert

Nokia hat auf die neusten Übernahme-Gerüchte bereits mit einem Statement reagiert: «Wir haben diese Art von Gerüchten schon vor langer Zeit ausgeräumt. Der Fokus für Nokia liegt nun ganz klar auf der Umsetzung unserer Partnerschaft rund um Windows Phone und darauf, das Ecosystem wachsen zu lassen. Beide Firmen verfügen über das, was sie dazu brauchen.»

Spekulationen über eine Übernahme von Nokia durch den Windows-Konzern gibt es spätestens seit der Ankündigung der Allianz der beiden Konzerne Anfang 2011 immer wieder. Ob Murtazin mit seinen Nachrichten auf Twitter, die er als Fakten darstellt, ins Schwarze getroffen hat, muss sich zeigen. Der Chefredaktor der «Mobile Revue» gilt unter Tech-Bloggern als grosser Nokia-Hasser, der dem Konzern den grösstmöglichen Schaden zufügen will.

Mit seinen Ankündigungen lag Murtazin längst nicht immer richtig. Im Mai 2011 sprach er davon, dass Microsoft Nokias Smartphone-Geschäft bereits bis Ende 2011 übernehmen könnte. Der streitbare Russe geniesst in der Tech-Welt dennoch Ansehen, da er schon öfter Insider-Informationen Monate vor den offiziellen Ankündigungen ausplauderte – etwa die Partnerschaft zwischen Microsoft und Nokia.

Die Allianz Nokia-Microsoft

Nokia will eine strategische Partnerschaft mit Microsoft, das teilte das Unternehmen Anfang 2011 mit. Gemeinsam wollen die beiden Firmen ein «globales mobiles Ökosystem» schaffen. Nokia hatte im Smartphone-Markt zuletzt deutlich an Boden gegen Rivalen wie Apple mit seinem iPhone und das Google-Betriebssystem Android verloren. Die Allianz wurde nötig, da Nokias Marktanteil 2010 im gesamten Handy-Markt von 36,4 auf 28,9 Prozent gefallen ist.

Die Hoffnung ruht auf Windows Phone

Das Betriebssystem Windows Phone 7.5 (Mango) ist die neue Plattform für Nokia- Smartphones. Die Software wird von Experten als technologisch ausgereift und modern gelobt; von den Konsumenten ist sie bislang allerdings nicht auf breiter Front angenommen worden.

Erheblicher Stellenabbau

Der weltgrösste Handyhersteller Nokia ist wirtschaftlich stark angeschlagen. Im April 2011 wurde deshalb angekündigt, dass weltweit 4000 Stellen gestrichen werden. Nokia-CEO Stephen Elop kündigte schon Anfang 2011 an, dass die Allianz mit Microsoft einen deutlichen Stellenabbau nach sich ziehen werde. Ende 2010 zählte das Unternehmen 132 500 Mitarbeiter. Bis Ende 2012 werden vor allem Jobs in Dänemark, Finnland und Grossbritannien verschwinden.

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