Katastrophe in Japan: «Schnarchen ist ein Problem»
Aktualisiert

Katastrophe in Japan«Schnarchen ist ein Problem»

Ein Arzt klagt über die schlechten Arbeitsbedingungen der Arbeiter vom Atomkraftwerk Fukushima. Frisches Essen sei knapp und weil sie so eng nebeneinander schlafen, werde auch Schnarchen zu einem Problem.

von
Eric Talmadge
AP

Schlafstörungen, Anzeichen von Dehydrierung, hoher Blutdruck, beginnende Depression und Herzprobleme: Es war eine lange Liste von Symptomen, die ein Arzt bei den Arbeitern im havarierten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi diagnostizierte. Insgesamt habe er bei seinem viertägigen Besuch 80 Arbeiter untersucht, sagte Takeshi Tanigawa am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP.

Seit dem schweren Erdbeben und dem anschliessenden Tsunami am 11. März tun die Männer vor Ort alles in ihrer Macht stehende, um eine noch grössere Katastrophe zu verhindern. Die Arbeitsbedingungen seien weiter hart, sagte Epidemiologe Tanigawa. «Ich fürchte, wenn es so weitergeht, werden wir ein steigendes Krankheitsrisiko beobachten», sagte er.

Zeit ist knapp

Vier Tage durfte Tanigawa, der Chef der Abteilung für öffentliche Gesundheit der Medizinfakultät der Universität Ehime, sich im Atomkraftwerk Fukushima-Daini nahe des havarierten Werks aufhalten. In Fukushima-Daini ruhen sich die Arbeiter von den Strapazen der Aufräumarbeiten aus. Aufgrund der knappen Zeit habe er keine vollständigen Untersuchungen machen können, sagte er.

Nach Angaben des Kraftwerksbetreibers Tepco sind 245 Angestellte und Mitarbeiter beteiligter Firmen im Unglückskraftwerk beschäftigt. Ausserdem sind Soldaten, Feuerwehrleute und Polizisten auf dem Gelände im Einsatz.

Den Grund für die gesundheitlichen Probleme der Arbeiter sieht Tanigawa vor allem in den schlechten Arbeitsbedingungen. Die Arbeiter hätten wenig Zeit auszuruhen, keine Bäder oder frische Nahrungsmittel und liefen ständig Gefahr, der Strahlung ausgesetzt zu werden. Während ihrer Pausen im Kraftwerk Fukushima-Daini, schliefen die Arbeiter auf dem Boden einer Sporthalle, nur eingehüllt in Decken, ohne Privatsphäre«, berichtete Tanigawa.

Schnarchen ist ein Problem

»Weil sie so eng nebeneinander schlafen, ist Schnarchen ein Problem«, sagte er. »Normalerweise mag das lustig klingen, aber in diesem Fall raubt es den Menschen den Schlaf, und das kann zu schlechten Leistungen bei der Arbeit führen.« Die Arbeitsbedingungen entsprächen bei weitem nicht den in der japanischen Verfassung verankerten Arbeitnehmerrechten.

Tepco teilte mit, die Situation sei mit zunehmender Dauer der Krise schwieriger geworden. Man habe jedoch daran gearbeitet, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und werde Tanigawas Hinweise gerne berücksichtigen.

Auch wenn die Not unmittelbar nach der Katastrophe solche Arbeitsbedingungen gerechtfertigt hätten, seien sie nun zum Dauerzustand geworden, kritisierte der Arzt. Doch viele hätten das Gefühl, sie könnten die Arbeit nicht verlassen. »Sie haben ein tief empfundenes Verantwortungsgefühl. Ich hab viele gefragt, ob sie aufhören wollen, aber sie haben geantwortet: 'Wer würde die Arbeit denn sonst machen, wenn nicht wir?'.«

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