Briefpost: Schneckenpost wird demnächst teurer
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BriefpostSchneckenpost wird demnächst teurer

Briefe verschicken wird in absehbarer Zeit teurer, sagt Post-Chef Michel Kunz. Schuld daran sind die elektronischen Kommunikationsmittel.

Seit Jahren sinkt die Menge adressierter Postsendungen kontinuierlich, und in der Krise beschleunigt sich der Rückgang. Eine Erhöhung des Briefportos sei deshalb absehbar, sagte Michel Kunz in einem heute publizierten Interview der «Handelszeitung».

Seit 2001 müssen die Pöstler Jahr für Jahr 1 bis 2 Prozent weniger Briefsendungen und Zeitungen verteilen. In diesem Jahr wird der Rückgang krisenbedingt 3 bis 4 Prozent ausmachen, weil viele Firmen ihre Werbeausgaben drastisch heruntergefahren haben und deutlich weniger Flyers und Prospekte aussenden. Zudem sind die Zeitungen deutlich dünner, ihr Versand dadurch billiger geworden.

Jedes Jahr über 1 Million Postsendungen weniger

Doch Post-CEO Kunz rechnet damit, dass die Menge der Postsendungen auch künftig um 3 bis 4 Prozent jährlich abnehmen wird. Das sind bei rund 5 Milliarden Sendungen satte 1,5 Millionen weniger. Die Unternehmenm, die 80 bis 85 Prozent der Postkunden ausmachen, ersetzen A-Post-Briefe immer häufiger durch E-Mails, und wenn sie Massensendungen verschicken, wählen sie den Billigtarif, der die Verteilung innert sechs Tagen garantiert.

Digitale Unterschriften, elektronische Rechnungen, E-Banking: Immer weniger Papier landet in unseren Briefkästen. Bei Postfinance zum Beispiel hat die Zahl papierlos verschickter E-Rechnungen von 0,3 Millionen im Jahr 2004 auf geschätzte 2,2 Millionen in diesem Jahr zugenommen. Das sind 1,9 Millionen Briefe, die nicht ausgetragen wurden.

Der Briefträger muss trotzdem seine Runden drehen

Mit Rationalisierungsmassnahmen wie den neuen, effizienten Briefverteilzentren allein, sagt die Post, könne der Rückgang nicht wettgemacht werden, und Angebote wie die Swiss Post Box, der elektronische Briefkasten, könnten den Einnahmenausfall bei weitem nicht kompensieren. Also müsse die Dienstleistung teurer werden: «Der Pöstler muss ja trotzdem von Haus zu Haus gehen, auch wenn er pro Haus weniger Briefe verträgt.»

Eine repräsentative Befragung zum Kommunikationsverhalten der Schweizerinnen und Schweizer vor zwei Jahren sieht noch eine Daseinsberechtigung der Schneckenpost im Privatbereich: Bei persönlichen Angelegenheiten, beispielsweise der Einladung zur eigenen Hochzeit oder einem Kondolenzschreiben, wird der Brief dem Mail vorgezogen.

Auch Jobbewerbungen, sagten damals 88 Prozent, würden sie auf Papier formulieren. Vor einigen Tagen meldete das Stellenvermittlungsportal monster.ch allerdings, dass im letzten Jahr erstmals mehr Bewerbungen online eingegangen seien als auf dem Postweg. Und an den Liebeserklärungen, für die nur zwei Prozent das E-Mail nutzen würden, trägt der Pöstler auch nicht schwer: Ihre Liebe gestehen wollen 67 Prozent mündlich.

(be)

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