Luzern: Schnee in Hülle und Fülle
Aktualisiert

LuzernSchnee in Hülle und Fülle

Ein afrikanischer Kaufmann aus Luzern hat innerhalb von wenigen Monaten an seinem Wohnort rund zehn Kilogramm Kokain in Empfang genommen und abgesetzt. Am Mittwoch wurde der geständige Drogendealer zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Es war am 28. September 2009, als die Drogenfahnder in Luzern zuschlugen. Sie drangen an der Birkenstrasse in eine Wohnung eines heute 34-jährigen Familienvaters aus Nigeria ein. Genau zum richtigen Zeitpunkt, da der Mieter gerade im Begriff war, von einem Drogenkurier über 1,1 Kilogramm Kokain entgegen zu nehmen. Der aus Holland angereiste Transporteur hatte zuvor das Rauschgift in der Form von 113 Fingerlingen in seinem Magen-Darmtrakt versteckt und über die Grenze geschmuggelt. Die Polizei stellte in der Wohnung des Luzerner Empfängers Geldbeträge von über 38 000 Franken sowie über 15 300 Euro sicher.

Drehscheibe Luzern

Der festgenommene Mieter der Luzerner Wohnung legte sogleich ein umfassendes Geständnis ab. Demnach hatte er ab März 2009 immer wieder grössere Kokainlieferungen aus Amsterdam entgegengenommen und gewinnbringend nach Zürich weitervermittelt. In den meisten Fällen war es eine Kurierin, welche die harten Drogen in ihrem Darmbereich versteckt und kurz vor der Übergabe ausgeschieden hatte.

Der mit einer Schweizerin verheiratete Westafrikaner setzte bis zu zehn Kilogramm Kokain um.

Gerichtspräsidentin Kathrin Bretschger sprach am Zürcher Strafprozess vom Mittwoch von einer wichtigen Scharnierfunktion des Angeklagten. Er habe Luzern innerhalb von wenigen Monaten zu einer Drehscheibe der „Nigeria-Connection gemacht.

Verteidigung für Milde

Während die Staatsanwaltschaft für den erwischten Drogendealer eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren sowie drei Monaten forderte, setzte sich Verteidiger Jürg Federspiel für eine erheblich mildere Sanktion von höchstens zweieinhalb Jahren teilbedingt ein. Zudem verlangte der Rechtsanwalt die sofortige Entlassung seines Klienten. So habe dieser seit seiner Einreise in die Innerschweiz vor zehn Jahren ein seriöses Leben geführt, plädierte er und verwies darauf, dass der selbständige Autohändler erst infolge der Finanzkrise auf die schiefe Bahn und damit in den Drogenhandel geraten sei.

Kein kleiner Handlanger

Das Bezirksgericht Zürich kannte hingegen kein Pardon und ging mit viereinhalb Jahren Freiheitsentzug sogar über den Antrag der Anklagebehörde hinaus. Ohne Geständnis wäre die Strafe wesentlich empfindlicher ausgefallen, machte die Vorsitzende Bretschger klar. So sei der Angeklagte alles andere als ein kleiner Handlanger gewesen, sagte sie. Er habe die Schaltstelle zwischen der Schweiz, Holland und Nigeria eingenommen, erklärte sie. Das Gericht liess zudem die sichergestellten Geldbeträge des Angeklagten einziehen. Nach seiner Haftentlassung muss er mit der Ausschaffung in seine Heimat rechnen.

Deine Meinung