Reiseblog: Schnee und Eis am Äquator
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ReiseblogSchnee und Eis am Äquator

Die Transafrika-Expedition hat zur Halbzeit den Gipfelpunkt ihrer Reise erreicht: Nach mühsamem Aufstieg ist der 4985 Meter hohe Point Lenana in Kenya Massives erklommen.

von
Christian Dinkel

Es rattert, klappert und rüttelt. Wir sitzen zu siebt neben Fahrer und Führer eingepfercht in einem Land Rover. Was für ein Luxus! Im zweiten Wagen hinter uns sitzt unsere Begleiter - 14 an der Zahl. Die beiden Geländewagen vom Typ 109 haben locker 40 Jahre auf dem Buckel. Aber noch immer leisten sie ihren Dienst. Wie erinnert mich diese Fahrt an meine erste Transafrika-Reise. Vor rund zwanzig Jahren war ich selber im selben Typ auf dem schwarzen Kontinent unterwegs.

Wir sind auf dem Weg zum Chogoro-Gate des Mount-Kenya-Nationalparks. In den nächsten Tagen wollen wir den zweithöchsten Berg Afrikas besteigen. Die Fahrt führt uns durch primären Regenwald vorbei an mit Bartflechten behangenen Zedern und haushohem Bambus. Die kleine Erdpiste wird steiler und glitschiger. Schlussendlich drehen alle Räder unseres Geländewagens durch. Während wir die restlichen Meter zum Gate zu Fuss gehen, füllt der Fahrer nochmals einen Kanister Wasser in den ausgetrockneten Kühler. Der Motor heult schmerzerfüllt auf und langsam werden wir von unseren «Arbeitstieren» wieder überholt.

Zu Fuss ziehen wir mit Führer, Hilfsführer, Kochmannschaft und neun Trägern los. Langsam bricht die Nacht herein. Der Himmel klart auf, aber die schmale Mondsichel schenkt uns nichts an Helligkeit. Im Lichtkegel unserer Stirnlampen nehmen wir den letzten Kilometer zum ersten Camp auf 3300 m.ü.M auf uns. Trotz des schweren Gepäcks von rund 20 Kilogramm sind unsere Träger schneller als wir. So erreichen wir das Lager. Unsere Zelte stehen schon. Die Begleiter haben sie für uns bereits aufgebaut. Die vierköpfige Küchenmannschaft bereitet im eigenen Zelt unter minimalsten Bedingungen für uns ein köstliches Abendessen zu.

Einige Stunden später liegt die erste kalte Nacht hinter uns. Die ersten Sonnenstrahlen lassen die Landschaft in warmen Rottönen erleuchten und wärmen unsere steifen Knochen. Gleichmässig steigt der Pfad durch die Wiesenhänge hoch. Der Duft von Thymian, Gänsekraut und weiteren Kräutern steigt in unsere Nasen. Meterhohe Senezien säumen den Weg - mal stehen sie alleine, dann wie ein dichter Wald.

Es ist Mittagszeit und langsam ziehen Wolken auf. Ein Gemisch aus Regen und Graupel lässt uns spüren, dass wir schon einiges an Höhe erreicht haben. Lobelien prägen das Bild - mal klein, mal mit riesigen Kerzen. Die Vegetation nimmt langsam ab, die Grautöne der Steine und der Nebelschwaden gehen ineinander über. Die Farblosigkeit wird durch rote Punkte durchbrochen - durch die leuchtenden Blüten der Gladiolen. Vor uns liegt der steile Abstieg zu unserem nächsten Camp. Unsere Zelte stehen am Ufer des Lake Michaelson.

Es ist 2 Uhr 30 in der Früh - Zeit zum Aufstehen. Mit Stirnlampen steigen wir vom Shiptons-Camp aus als ein Tatzelwurm dem Gipfel entgegen. Der Boden ist durchgefroren. Schnee liegt auf dem Pfad. Die Luft ist dünn. Langsam und vorsichtig erklimmen wir den 4985 Meter hohen Point Lenana - den dritthöchsten Gipfel des Mount-Kenya-Massives. Die aufgehende Sonne bringt die Hauptgipfel zum Glühen. Der Anblick lässt uns die Strapazen vergessen. Doch unser Glück hält leider nicht lange. Nebel zieht auf und nimmt uns die Sicht.

Wir stehen auf dem Gipfel und kurz darauf löst sich der Nebel zu unserer Freude rechtzeitig wieder auf. Der Atem stockt. Unter uns breitet sich Afrika aus. Genau zur Halbzeit unserer Transafrika-Reise erreichen wir den höchsten Punkt unserer Tour. Nach 50 Tagen stehen wir am Äquator. Der Zenit unserer Reise ist erreicht.

Transafrika

In 100 Tagen legen die Teilnehmer der Transafrika-Reise im Truck den Weg von Kairo nach Kapstadt zurück. Auf 20 Minuten berichtet Reiseleiter Christian «Chregu» Dinkel regelmässig von dem Abenteuer. Verfolgen Sie unter diesem Link den Reiseverlauf auf der Karte.

Auf einzelnen Etappen sind noch wenige Plätze frei.

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