Aktualisiert 27.10.2009 10:57

AnlagebetrugSchneeballsystem: 15 Millionen Franken futsch

Dank einer perfekten Fassade konnten Anlagebetrüger in der Schweiz über zehn Jahre lang ihr Unwesen treiben und dutzende Kunden um insgesamt 15,5 Millionen Franken erleichtern.

Die Solothurner Staatsanwaltschaft hat nun gegen vier Personen wegen gewerbsmässigen Betrugs, qualifizierter Geldwäscherei und Urkundenfälschung Anklage erhoben. Die Untersuchungen ergaben, dass die Angeklagten nie seriöse Vermögensanlagen getätigt hatten, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte.

Insgesamt 78 Personen hatten den beiden Firmen mit Sitz in Zürich Anlagegelder in der Höhe von über 25 Millionen Franken zukommen lassen. Nach der Übergabe von Geldern zur Anlage wurden die entsprechenden Kunden laufend über ihren angeblichen Vermögensstand und über Neuerungen in den beiden Firmen schriftlich informiert. Verlangte Rückzahlungen und Renditezahlungen wurden mit den laufend einbezahlten neuen Kundengeldern geleistet. Den Hauptteil der Gelder sollen die Angeklagten jedoch vor allem für ihren privaten Lebensunterhalt verwendet haben. Letztlich konnten nur noch rund 40 000 Franken sichergestellt werden.

Sechs Kunden verloren je über eine Million Franken

58 Kunden verloren damit ihre Anlagegelder von knapp 15,5 Mio. Franken. Darunter befinden sich gemäss Staatsanwaltschaft sechs Geschädigte, die je über eine Million Franken investiert hatten.

Die Geschädigten stammen aus Deutschland und der Schweiz. Bei den Geschädigten aus der Schweiz handelt es sich mehrheitlich um Personen mit Wohnsitz im Raum Zürich.

Perfekte Fassade

Die beiden Firmen Fideles & Associates AG und FGP & Cie AG waren gegenüber den Kunden als seriöse Vermögensverwaltungen aufgetreten. Mit professionell gestalteten Prospekten und Websites wurde den potentiellen Kunden gemäss Anklage eine langjährige erfolgreiche Geschäftstätigkeit durch Fachleute vorgespiegelt.

Dank der perfekten Fassade hatte das Konstrukt rund zehn Jahre lang funktioniert. Erst eine Untersuchung der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) und die von der Staatsanwaltschaft im April 2008 eingeleiteten Strafverfahren setzten den betrügerischen Machenschaften ein Ende.

Hauptangeklagter in Deutscher

Beim Hauptangeklagten, der die beiden Firmen aufgebaut und als Einziger während der gesamten zehn Jahre an den betrügerischen Machenschaften mitgewirkt hatte, handelt es sich um einen deutschen Staatsangehörigen.

Er sei weitgehend geständig und müsse sich wegen gewerbsmässigen Betrugs, qualifizierter Geldwäscherei und mehrfacher Urkundenfälschung vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen verantworten, hält die Staatsanwaltschaft fest.

Freiheitsstrafen bis zu 15 Jahren

Auch ein Schweizer Treuhänder aus Olten ist wegen gewerbsmässigen Betrugs, Gehilfenschaft zu gewerbsmässigem Betrug, qualifizierter Geldwäscherei und mehrfacher Urkundenfälschung angeklagt worden. Zwei weitere Personen müssen sich ebenfalls vor Gericht verantworten.

Den vier Angeklagten droht gemäss Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren. Drei der vier Angeklagten hatten vorübergehend in Untersuchungshaft gesessen. Ein Angeklagter ist wegen Fluchtgefahr inhaftiert worden.

(sda)

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