Aktualisiert

OpulentiaSchneeballsystem mit Schweizer Anstrich

Opulentia.ch lockt mit Traumrenditen: 572 Prozent Zinsen sollen Investitionen abwerfen - pro Jahr! Experten wittern ein Schneeballsystem. Die Finma hat nach Hinweisen von 20 Minuten Online bereits Konsequenzen gezogen.

von
Alex Hämmerli
Unseriös: Opulentia.ch

Unseriös: Opulentia.ch

Das Angebot von Opulentia.ch ist verlockend: Wer in die Anlage der Finanz-Webseite investiert, soll pro Woche 11 Prozent Zinsen ausbezahlt bekommen. Aufs Jahr hochgerechnet ergibt das eine üppige Rendite von 572 Prozent. Zudem gibt Opulentia vor, in der Schweiz ansässig – und daher besonders vertrauenswürdig – zu sein.

Bei genauerem Hinsehen verfliegt das Vertrauen jedoch schnell. Zwei Finanzexperten haben für 20 Minuten Online die Webseite analysiert und kommen zum Schluss: Finger weg! Denn Opulentia erfüllt sämtliche Kriterien eines Schneeballsystems.

Traumrendite oder Totalverlust

Die optische Aufmachung der Internetseite erzeuge zwar erst einmal einen professionellen Eindruck, sagt Felix Horlacher, Leiter des Instituts für Finanzplanung IfFP in Zürich. «Opulentia erklärt aber nirgends auch nur ansatzweise, wie die Superrenditen erwirtschaftet werden sollen.» Die Anlage sei als höchst riskant einzustufen, schliesslich betrage der risikofreie Zinssatz derzeit zirka 0,5 Prozent. «Jeder höhere Zinssatz ist eine Entschädigung für ein eingegangenes Risiko. Ergo muss eine Anlage mit 572 Prozent Zinsen ein sehr hohes Risiko beinhalten.»

Auch bei Nils Hafner, Studienleiter des Instituts für Finanzdienstleistungen an der Hochschule Luzern, hinterlassen die hohen Zinsen ein mulmiges Gefühl: «Erträge, wie sie hier versprochen werden, sind nicht seriös zu realisieren», so der Fachmann. Risiko und Ertrag stünden in direktem Verhältnis zueinander.

Im Kleingedruckten heisst es auf Opulentia.ch denn auch, man könne sein Geld jederzeit verlieren: «Nichts ist garantiert. Aber mit einer smarten und erfolgreichen Firma, die sich um Ihr Kapital kümmert, sind Ihre Risiken minimal.» Zudem behalten sich die Webseiten-Betreiber vor, Zinsen und Kommissionen jederzeit und ohne Begründung zu ändern.

Unbekannte Hintermänner

Bedenklich finden Horlacher und Hafner auch, dass die Hintermänner nicht auszumachen sind: Auf der Webseite sind weder Adresse, Personennamen oder Bankverbindungen zu finden. «Allein das stellt schon alle Ampeln auf Rot», warnt Horlacher. Auf eine E-Mail-Anfrage von 20 Minuten Online zu den Hintergründen des Angebots gaben die Betreiber von Opulentia auch nach mehr als einer Woche keine Antwort.

Eine Abfrage der IP-Adresse ergibt, dass die Webseite auf einen gewissen Daniel Beletzky im Aargauischen Wettingen läuft. Hafner vermutet aber, dass es sich dabei um einen Strohmann handelt. Dies, weil Opulentia.ch mit dem Logo der Fluggesellschaft Swiss – quasi als Gütesiegel für Schweizerische Qualität – wirbt (siehe Box). «Das ist ein Anzeichen dafür, dass die Urheber der Seite aus dem Ausland kommen und nicht wissen, dass es sich bei der Swiss um eine Luftfahrtgesellschaft handelt.»

Dubioses Empfehlungssystem

Einen letzen Hinweis darauf, dass Opulentia ein Schneeballsystem zugrunde liegt, gibt die Tatsache, dass bestehende Anleger mit Werbung und Empfehlung ihre Zinsen verbessern können. Wer beispielsweise auf Foren wohlwollend über Opulentia schreibt, oder wer Bekannte und Verwandte anwirbt, kann sich über einige Prozent mehr Rendite freuen.

Wegklicken!

Laut einschlägigen Online-Foren und Monitoring-Seiten funktionieren die Auszahlungen von Opulentia – und dies seit den gesamten 117 Tagen, die die Webseite mittlerweile auf dem Netz ist. Hafner warnt jedoch: «Jedes Schneeballsystem kommt irgendwann an sein Ende. Und der letzte, der dabei ist, beissen die Hunde.» Auch Hafner wählt mahnende Worte: «Das Schneeballsystem wird eines Tages explodieren, fragt sich nur wann. Investieren werden nur Menschen, denen die Gier das Gehirn abschaltet. Der Rest klickt weg.»

Auf der Schwarzen Liste der Finma

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma hat Opulentia.ch auf Hinweis durch 20 Minuten Online mittlerweile auf deren Negativliste gesetzt. «Die Gesellschaft hat keine Bewilligung der Finma und darf daher keine bewilligungspflichtigen Finanzdienstleistungen anbieten», schreibt Finma-Sprecher Tobias Lux. Weiter könne man sich nicht zu Opulentia äussern.

Skurrile Werbung mit dem Swiss-Logo

Opulentia.ch wirbt mit dem Swiss-Logo. Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek stellt auf Anfrage von 20 Minuten Online klar, dass die Fluggesellschaft keine Verbindung zu Opulentia hat. Man werde die Verwendung des Logos „prüfen“.

So funktionieren Schneeballsysteme

Als Schneeballsystem wird ein Geschäftsmodell bezeichnet, welches zum Funktionieren eine ständig wachsende Zahl von Teilnehmern benötigt. Im Fall von Opulentia bedeutet das: Die Auszahlungen sind nur möglich, weil diese durch die Einzahlungen neuer Investoren gedeckt sind. In den meisten Ländern sind Schneeballsysteme mittlerweile verboten. In der Schweiz sind sie durch Art. 43 Abs. 1 der Lotterieverordnung untersagt. Bei Zuwiderhandlung drohen bis zu drei Monate Haft und eine Busse bis 10'000 Franken.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.