Bezirksgericht Zürich: «Schneefahrer» muss Fronarbeit leisten
Aktualisiert

Bezirksgericht Zürich«Schneefahrer» muss Fronarbeit leisten

Immer mehr Automobilisten fahren mit beachtlichen Mengen Kokain im Blut herum. Auch ein «Schneefahrer» aus Pfungen. Er muss jetzt 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und 500 Franken Busse bezahlen.

von
Attila Szenogrady

Es war um die Mittagszeit, als ein heute 51-jähriger Mechaniker aus Pfungen mit seinem Auto via Kloten nach Zürich fuhr. Dort hatte der vorbestrafte Schweizer Pech. Da er während der Fahrt mit seinem Handy telefonierte, wurde er an der Hohlstrasse von einer Polizeipatrouille angehalten. Weil er keinen Führerausweis auf sich trug, nahmen die Fahnder den verdächtigen Verkehrssünder genauer unter die Lupe und ordneten eine Blutprobe an.

Kokain als Frühschoppen

Das Ergebnis des Bluttests fiel für den Automobilisten reichlich peinlich aus. So kam heraus, dass er bei der Fahrt in seinem Körper einen sehr hohen Wert von rund 110 Milligramm Kokain pro Liter Blut aufgewiesen hatte. Das Gutachten ging aufgrund der festgestellten Werte davon aus, dass der Lenker unmittelbar vor seiner Reise eine erhebliche Menge der harten Droge konsumiert haben musste. Was bedeutete, dass er das aufputschende Kokain bereits als Frühschoppen eingenommen hatte.

Vergebliche Bestreitungen

Sowohl in der Untersuchung als auch vor Gericht stellte der Angeklagte allerdings in Abrede, vorsätzlich Kokain konsumiert zu haben. Stattdessen schilderte er eine abenteuerliche Geschichte, wonach er in Zürich auf einem Trottoir eine Büchse mit Kügelchen gefunden habe. Dabei habe er ein «Bölleli» probiert und zwischen seine Zähne genommen. Wonach ihm klar geworden sei, dass es Drogen waren. Allerdings sei ihm später die fragliche Büchse aus dem Auto gefallen, sagte er aus.

Unglaubhafte Schutzbehauptungen

In seinem nun eröffneten Urteil ist das Gericht umfassend den Darstellungen der Untersuchungsbehörden gefolgt. Es kaufte dem Angeklagten kein Wort ab und stufte seine Aussagen als unglaubhafte Schutzbehauptungen ein. So sei es schwer vorstellbar, dass ein Erwachsener eine fremde Substanz auf dem Trottoir finde und danach einfach zwischen die Zähne nehme, schrieb der Richter. Selbst wenn das stimmen würde, wären die hohen Kokain-Werte im Blut immer noch nicht erklärt, begründete er die Schuldsprüche.

200 Stunden Fronarbeit

Das Gericht setzte wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Drogendelikten, Verletzung der Verkehrsregeln sowie Nichtmitführens des Führerausweises zunächst eine unbedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 70 Franken fest. Allerdings wandelte es die Sanktion auf Wunsch des vorbestraften Angeklagten in 200 Stunden Fronarbeit um. Dazu kommen die finanziellen Folgen. So soll er nicht nur eine Busse von 500 Franken bezahlen, sondern auch die Gerichtskosten von über 3500 Franken.

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