08.04.2020 04:45

Wieder verurteilt

«Schneekönig» organisiert Koks-Deal aus Gefängnis

Der als «Schneekönig» bekannt gewordene Zürcher Reinhard Lutz hat im Strafvollzug einem Bekannten ein Kilogramm hochwertiges Kokain vermittelt.

von
S. Hohler
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Sein halbes Leben hat «Schneekönig» Reinhard Lutz wegen Kokainhandels hinter Gittern verbracht.

Sein halbes Leben hat «Schneekönig» Reinhard Lutz wegen Kokainhandels hinter Gittern verbracht.

Doch auch dort konnte er die Finger nicht vom Kokain lassen, wie der am Dienstag (07.04.2020) durchgeführte Prozess vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland in Mels SG (Bild) zeigt.

Doch auch dort konnte er die Finger nicht vom Kokain lassen, wie der am Dienstag (07.04.2020) durchgeführte Prozess vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland in Mels SG (Bild) zeigt.

Lutz hatte aus der Rheintaler Strafanstalt Saxerriet per Handy einen weiteren grossen Kokain-Deal organisiert.

Lutz hatte aus der Rheintaler Strafanstalt Saxerriet per Handy einen weiteren grossen Kokain-Deal organisiert.

Wegen Drogenhandels hat der 65-jährige Reinhard Lutz sein halbes Leben hinter Gittern verbracht. Doch auch dort konnte er die Finger nicht vom Kokain lassen, wie der am Dienstag durchgeführte Prozess vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland in Mels SG zeigt.

Lutz war angeklagt, einem Schweizer Bekannten im Dezember 2018 ein Kilogramm Kokain vermittelt zu haben. Das Unglaubliche: Lutz sass damals eine mehrjährige Strafe wegen Drogenhandels in der Strafanstalt Saxerriet im St. Galler Rheintal ab. Zum Zeitpunkt des Kokaindeals befand er sich im offenen Strafvollzug.

Nichts verdient

Der «Schneekönig» vermittelte in der Folge dem Bekannten einen bis heute nicht identifizierten Kokainhändler, und im Januar 2019 ging der Deal an einem vereinbarten Ort im Kanton Luzern über die Bühne: Der Bekannte von Lutz zahlte dem Dealer für ein Kilogramm hochwertigen Kokains mit einem Reinheitsgrad von 94 Prozent einen Preis von 50'000 Franken in bar.

Lutz war zwar am Treffen dabei, agierte aber nur als Vermittler und nicht als Käufer und verdiente nichts dabei. Der Bekannte verkaufte das Kokain für 55'000 Franken einem weiteren Mann im Kanton Uri – er machte also einen Gewinn von 5000 Franken. Da die Polizei den Endkäufer im Kanton Uri bereits auf dem Radar hatte, flog der Fall auf. Lutz wurde Anfang August 2019 in der Strafanstalt Saxerriet festgenommen und für über hundert Tage in Untersuchungshaft gesetzt.

Per Handy aus der Haftanstalt

Der Prozess gegen Lutz wurde am Dienstag im abgekürzten Verfahren durchgeführt. Das heisst, der Beschuldige ist geständig und akzeptiert den Urteilsvorschlag, den der Staatsanwalt dem Gericht unterbreitet hat. Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verurteilte Lutz wegen schwerer Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren.

Das Urteil ist rechtskräftig. Das Kreisgericht war deshalb zuständig, weil Lutz mithilfe seines Handys aus der Strafanstalt Saxerriet im Rheintal den Deal organisiert hatte. Jetzt befindet er sich im geschlossenen Vollzug in einer anderen Strafanstalt in der Ostschweiz.

«Fern von Mauern, unter der prallen Sonne»

Lutz sass in der Strafanstalt Saxerriet eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren ab, zu der er im November 2017 vom Bezirksgericht Zürich verurteilt worden war. Auch damals war es um Kokainhandel gegangen. Als ihn der Richter fragte, warum er schon wieder rückfällig geworden sei, sagte Lutz, dass er einem Kollegen Geld geschuldet habe. Er habe ein Burn-out gehabt und sei unter Stress gestanden, darum habe er den «Blödsinn» gemacht.

Schon damals hatte Lutz begonnen, über sein abenteuerliches Leben eine Biografie zu schreiben. Die Autobiografie mit dem Titel «Mein Leben als Schneekönig – Knete, Koks und Kanonen» erschien just im August 2019, als Lutz vom offenen Vollzug wieder in Untersuchungshaft gesetzt wurde. «Ich persönlich lege meine von den Medien auferlegte Krone des Schneekönigs zur Seite. Mein restliches Leben will ich fern von Mauern, unter der prallen Sonne, zwischen Palmen, im Liegestuhl neben meiner liebsten Edith verbringen. Es werden sich mir genug legale Chancen eröffnen, ich werde sie nutzen. Von illegalen Geschäften will ich nichts mehr wissen und werde sie ignorieren», schrieb er damals.

Lutz wäre im März 2022 bedingt entlassen worden, mit dem Urteil vom Dienstag kommen noch 2,5 Jahre dazu.

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