Bergflora: Schneepilze machen Arven das Leben schwer
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BergfloraSchneepilze machen Arven das Leben schwer

Nicht nur tiefe Sommertemperaturen halten die Bäume im Hochgebirge in Schach – sondern auch sogenannte Schneepilze. Besonders Jungbäume sind betroffen.

von
jcg
Links: vom Schneepilz «Triebsterben»  befallene Arve. Rechts: vom Schneepilz «Schneeschütte» geschädigte Arve. (Bild: R. Brückner)

Links: vom Schneepilz «Triebsterben» befallene Arve. Rechts: vom Schneepilz «Schneeschütte» geschädigte Arve. (Bild: R. Brückner)

Eigentlich wäre zu erwarten, dass mit der Klimaerwärmung die Waldgrenze, die derzeit auf etwa 2000 Metern über Meer liegt, ansteigt. Zwei Pilzsorten verhindern das jedoch, wie Schweizer Forscher beobachtet haben.

Die Untersuchung fand auf der Versuchsfläche Stillberg im Dischmatal bei Davos statt, wie das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF am Montag mitteilte. Dort hatten Wissenschaftler 1975 insgesamt 95'000 Arven, Lärchen und Bergföhren nach bestimmten Mustern aufgeforstet, ebenso 550 Bäume auf der gegenüberliegenden, sonnenexponierten Seite.

Während 30 Jahren wurde das Überleben der Bäume verfolgt. Von den Arven waren am Ende nur noch etwa fünf Prozent am Leben, wie das Team unter Leitung von Peter Bebi vom SLF nun im Fachjournal «Arctic, Antarctic and Alpine Research» berichtet. Verantwortlich für das Arvensterben waren in erster Linie die beiden Schneepilze «Triebsterben» und «Schneeschütte».

Pilze wirken schnell

Die Pilze setzten vor allem den jungen, 10- bis 20-jährigen Bäumchen zu. Sie liegen mit ihrer Krone im Schwankungsbereich der Schneeoberfläche. Schon zwei bis drei Jahre nach der Infektion mit den Pilzen starben sie ab.

«Triebschütte» befiel Arven vor allem dort, wo der Schnee im Frühling lange liegen bleibt. In kühlen, regenreichen Sommern war die Infektionsrate besonders hoch. Umgekehrt wirkte «Schneeschütte» vor allem an Standorten, wo der Schnee relativ früh schmolz und wo viele ältere und grössere Bäume wuchsen, die den Pilz auf Jungbäume übertragen konnten.

Die Studie deute darauf hin, dass Schneepilze die Ausbreitung von Arven an der oberen Waldgrenze bereits heute und auch unter künftigen Klimaszenarien wesentlich limitieren können, schrieben die Forscher. Allerdings seien noch weitere Studien in weiteren Regionen und mit naturnaheren Waldgrenzen nötig. (jcg/sda)

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