Aktualisiert 07.11.2013 22:39

Fall Mörgeli

Schneiden nun Top-Forscher die Uni Zürich?

Die Universität Zürich kommt wegen der Affäre Mörgeli und ihrer Nachbeben nicht zur Ruhe. Professoren und Politiker fürchten deshalb einen Imageschaden mit gravierenden Folgen.

von
Simon Hehli

Die geräuschvollen Abgänge der Medizinhistoriker Christoph Mörgeli und Iris Ritzmann, das Weitergeben von Mitarbeiterdaten an die Zürcher Justiz, nun noch der vorzeitige Rücktritt von Rektor Andreas Fischer: Die Universität Zürich wirkt derzeit eher wie ein Intrigantenstadel als ein Leuchtturm der Bildung.

Geschichtsprofessor Philipp Sarasin – einer der prominentesten Fürsprecher der entlassenen Iris Ritzmann – zeigt sich deshalb alarmiert: Die Gefahr bestehe, dass der Reputationsschaden schwer wiege. «Die Universität ist international vernetzt und lebt auch von der Zusammenarbeit mit hochrangigen Wissenschaftlern weltweit.» Dazu müsse sie als weltoffene, vertrauenserweckende Institution erscheinen. «Im Moment tut sie das nicht.»

«Defensive Kommunikation führte zu Imageschaden»

Eine ähnliche Diagnose stellt Hans-Peter Portmann, Zürcher FDP-Kantonsrat und Präsident der Bildungskommission: Die Gefahr eines Imageschadens für die Universität Zürich sei in grossem Mass vorhanden. «Internationale Forschungskoryphäen werden sich aufgrund der Vorkommnisse fragen: Kann ich mir vorstellen, in einem solchen Betrieb zu arbeiten?» Auch in der Schweizer Öffentlichkeit hätten die Negativschlagzeilen Spuren hinterlassen.

Der grünliberale Zürcher Nationalrat und Bildungspolitiker Thomas Weibel kritisiert, die Uni-Führung habe in den letzten Monaten bei der internen und externen Kommunikation eine schlechte Figur gemacht. Der Kommunikationsspezialist Mark Balsiger ergänzt: «Die Universität hat seit dem Beginn der Affäre Mörgeli sehr defensiv kommuniziert und geriet so in eine Negativspirale, die zur fragwürdigen Kündigung von Iris Ritzmann führte – und zu einem Imageschaden.» Offensichtlich sei es den Verantwortlichen nicht gelungen, trotz des gigantischen Medieninteresses den Hebel auf Krisenkommunikation umzustellen.

Wächst bald Gras über die Sache?

Ist die Uni Zürich also drauf und dran, ihren international hervorragenden Ruf zu verspielen? Nein, sagt Geschichtsprofessor Sarasin. «Ich bin überzeugt, dass die Universitätsleitung den guten Ruf der UZH schnell wieder herstellen wird.» Als wichtiger Schritt dazu müsse aber die Rehabilitierung der international angesehenen Medizinhistorikerin Ritzmann erfolgen.

Thomas Weibel und Mark Balsiger erwarten, dass bald wieder Gras über die Sache wächst. Wenn der neue Rektor, der Biologe Michael Hengartner, im nächsten Jahr das Zepter übernimmt, werde man die Uni wieder an der hohen Qualität ihrer Forschung und Lehre messen, so Balsiger. Eine Lehre aus der Affäre Mörgeli müsse allerdings sein: «Ein Uni-Rektor soll nicht nur ein hervorragender Wissenschaftler sein, sondern er muss auch gut kommunizieren können und in Krisensituationen die Führung übernehmen.»

Aufarbeitung und totale Transparenz

FDP-Mann Portmann glaubt, dass sich die Affäre nicht einfach aussitzen lässt. Um langfristig Schaden für die Institution UZH abzuwenden und das Vertrauen wiederherzustellen, gebe es nur ein Rezept: «Es braucht eine seriöse Aufarbeitung der Vorkommnisse und totale Transparenz bei den Resultaten dieser Untersuchung.»

Das sagen Zürcher Studenten zum Fall Mörgeli und dem Rücktritt des Rektors:

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