Tamedia-Wahlumfrage: Schneider-Ammann ist der unbeliebteste Bundesrat

Aktualisiert

Tamedia-WahlumfrageSchneider-Ammann ist der unbeliebteste Bundesrat

Alain Berset belegt den ersten Rang des Tamedia-Bundesrat-Rankings. Die Umfrage zeigt auch: Die Mehrheit ist unzufrieden mit der Arbeit der Bundesräte.

von
Silvana Schreier
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Über die Hälfte der Schweizer Bevölkerung ist unzufrieden mit der Arbeit der Bundesräte (54%), 45 Prozent sind zufrieden, 1 Prozent ist unentschlossen. Hier die Rangliste:

Über die Hälfte der Schweizer Bevölkerung ist unzufrieden mit der Arbeit der Bundesräte (54%), 45 Prozent sind zufrieden, 1 Prozent ist unentschlossen. Hier die Rangliste:

Stephane Schmutz
1. Platz: Der Bundespräsident Alain Berset schliesst mit der Note 3.95 am besten ab.

1. Platz: Der Bundespräsident Alain Berset schliesst mit der Note 3.95 am besten ab.

Keystone/Peter Klaunzer
2. Platz: Umwelt- und Energieministerin Doris Leuthard liegt nur knapp hinter Berset – mit der Note 3.87.

2. Platz: Umwelt- und Energieministerin Doris Leuthard liegt nur knapp hinter Berset – mit der Note 3.87.

Keystone/Anthony Anex

Am Tag der Kranken erklärte Bundesrat Johann Schneider-Ammann in holprigem Französisch und ernstem Tonfall, dass Lachen gut für die Gesundheit sei. Daraufhin wurde er vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama mit «Sie, ich kenne Sie!» begrüsst. Erst vor einigen Wochen konfrontierte ihn Radio Energy mit «I bims», dem Jugendwort des Jahres 2017. Der Wirtschaftsminister ging darauf ein und versuchte, mit ein paar Brocken Englisch mitzuhalten. Bundesrat Johann Schneider-Ammann sorgte in seiner Amtszeit immer wieder für Lacher – und Spott. Ist er gerade deswegen unbeliebt bei der Schweizer Bevölkerung?

Die gewichtete Tamedia-Wahlumfrage mit über 20'000 Umfrageteilnehmern (siehe Box) zeigt: Wirtschaftsminister Schneider-Ammann bekommt die Note 3,36 und schneidet somit als schlechtester der sieben Bundesräte ab. Die Umfrageteilnehmer konnten Noten zwischen 1 und 6 verteilen.

Den Politologen Mark Balsiger überrascht das Ergebnis nicht: «Schneider-Ammann ist kein geborener Kommunikator und wirkt bei öffentlichen Auftritten oftmals unbeholfen. Das Publikum merkt das sofort.» Darunter würde seine Beliebtheit leiden.

Berset belegt den ersten Platz

Am besten kommt Gesundheitsminister Alain Berset (Note 3,95) vor der Umwelt- und Energieministerin Doris Leuthard (Note 3,87) bei der Bevölkerung an. Beide strahlen laut Politberater Balsiger «Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Mitgefühl» aus: «Im Kontakt mit der Schweizer Bevölkerung wirken sie echt und warmherzig.»

Für Abstimmungen können populäre Bundesräte laut Mark Balsiger ein Erfolgsfaktor bedeuten. «Doris Leuthard hat derzeit die beste Erfolgsquote. Von zwei Ausnahmen abgesehen brachte sie alle Vorlagen durch», so der Politologe. Im März wird sich zeigen, ob ihr die Beliebtheit auch bei der No-Billag-Initiative hilft.

Die detaillierte Auswertung der Umfrage zeigt: Wenig überraschend bewerten die Anhänger der jeweiligen Partei ihren eigenen Bundesrat am besten. Einzig bei der FDP zeigt sich Überraschendes: Auf dem ersten Platz bei FDP-Wählern liegt Aussenminister Ignazio Cassis, auf dem letzten erneut Schneider-Ammann.

Politologe Balsiger sagt dazu: «Cassis hatte im vergangenen Jahr eine riesige Medienpräsenz. Das schlägt sich in diesem Spitzenwert nieder, zusammen mit dem Newcomer-Bonus.» Weiter zeigten diese Resultate, dass die «ungelenke» Art von Schneider-Ammann auch bei den Wählern der FDP nur wenig Gefallen findet.

SVPler geben Sommaruga Note 1,9

Weiter zeigt die Tamedia-Wahlumfrage, dass die Parteien SP und SVP ihre typische Rivalität auch bei der Beliebtheit der Bundesräte ausleben. Während Justizministerin Simonetta Sommaruga (4,8) erwartungsgemäss auf dem ersten Platz rangiert, bewerten SP-Wähler Ueli Maurer und Guy Parmelin mit der Note 3. Gleichzeitig urteilen die Anhänger der SVP genau umgekehrt: Maurer bekommt eine 4,4 und Sommaruga eine 1,9. 56 Prozent der SVP-Wähler, aber auch 18 Prozent der FDP-Anhänger verpassen der Justizministerin die Note 1. Die Justizministerin erhielt so viele Einer wie kein anderer Bundesrat.

«Diese beiden Parteien schenken sich nichts, was auch von der Wählerbasis mitgetragen wird», sagt Balsiger. Die tiefe Note für SP-Bundesrätin Sommaruga hält er für «dumpfbackig, was im Netz oft anzutreffen ist»: «Es gibt bessere und schlechtere Bundesräte. Aber keiner hat die Note 1 verdient», sagt Balsiger.

Mehrheit ist unzufrieden mit Arbeit der Bundesräte

Über die Hälfte der Schweizer Bevölkerung ist unzufrieden mit der Arbeit der Bundesräte (54 Prozent), 45 Prozent sind zufrieden, ein Prozent ist unentschlossen. Besonders zufrieden mit dem Bundesrat sind Anhänger der CVP (69 Prozent), am unzufriedensten sind Anhänger der SVP (85 Prozent). Keine Unterschiede zeigen sich dagegen zwischen Stadt-, Agglomerations- und Landbewohner.

Eine Erklärung dafür kann laut Politberater Balsiger der Knatsch mit der EU rund um die Kohäsionsmilliarde sein. Andere Umfragen zeigten hingegen seit Jahren, dass «bei uns das Vertrauen in die Regierung gross ist – wie in keinem anderen Land».

So funktioniert die Tamedia-Wahlumfrage

An der ersten Tamedia-Wahlumfrage haben am 4. und 5. Januar 20'422 Personen aus der ganzen Schweiz online teilgenommen. Die Umfrage wird in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,2 Prozentpunkten. Bis zu den eidgenössischen Wahlen am 20. Oktober 2019 sind insgesamt sechs Erhebungen geplant. Weitere Informationen finden Sie hier. (20M)

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