Aktualisiert 16.11.2018 06:42

Car of the Week

Schnell, schneller, M8

Das BMW M8 Coupé soll Ende 2019 auf den Markt kommen und altbekannte M-Qualitäten neu formulieren: mehr Leistung, rennsportähnlicheres Fahrverhalten – Fahrspass eben.

von
Michael Köckritz
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Auf der Rennstrecke von Estoril vor den Toren Lissabons testet die BMW M GmbH den M8, das neue Topmodel unter den weissblauen Sportlern. Das SuperCar hat einen weit über 600 PS starken 4,4-Liter-V8-TwinPower-Turbo, der das nicht gerade kleine Coupé in unter 3,5 Sekunden auf 100 bringen wird.

Auf der Rennstrecke von Estoril vor den Toren Lissabons testet die BMW M GmbH den M8, das neue Topmodel unter den weissblauen Sportlern. Das SuperCar hat einen weit über 600 PS starken 4,4-Liter-V8-TwinPower-Turbo, der das nicht gerade kleine Coupé in unter 3,5 Sekunden auf 100 bringen wird.

BMW
Basierend auf dem GTE-Rennwagen aus der FIA-WEC-Serie erhält der M8 den neu entwickelten hecklastigen Vierradantrieb, der auch im M5 verwendet wird. Auf Knopfdruck fährt man den M8 in reinem Hinterradantrieb.

Basierend auf dem GTE-Rennwagen aus der FIA-WEC-Serie erhält der M8 den neu entwickelten hecklastigen Vierradantrieb, der auch im M5 verwendet wird. Auf Knopfdruck fährt man den M8 in reinem Hinterradantrieb.

BMW
Der gesamte Antrieb wurde überarbeitet, die Software komplett neu programmiert. Der Schwerpunkt des M8 Coupés wurde durch ein Carbon-Dach abgesenkt, die Gesamthöhe ...

Der gesamte Antrieb wurde überarbeitet, die Software komplett neu programmiert. Der Schwerpunkt des M8 Coupés wurde durch ein Carbon-Dach abgesenkt, die Gesamthöhe ...

BMW

Das Prozedere ist bei BMW zum Stilmittel avanciert: Nach der Vorstellung eines neuen Modells kommt nach einer Weile eine Art leicht gezähmte M-Version, um klar zu machen, dass bei allem Luxus und aller Vernunft der Fahrspass noch immer ganz oben steht – und wiederum ein Weilchen später folgt der Kracher.

Auf der Rennstrecke in der Nähe der portugiesischen Stadt Estoril testet die M-Motorsportgruppe im Augenblick den neuen BMW M8. Nicht die oben genannte zivilisierte Version (das wäre der M850i XDrive), sondern jenen Brüller, der in direkter Relation zum GTE-Rennsportmodell steht, die wahre M-Version für die BMW-Konsumenten im oberen Einkommensbereich. Es ist die Variante, die selbst beim Gaspedal-Drücken bei 200 noch genügend Dampf hat, um schwarze Striche auf den Asphalt zu malen und die den Bremsbereich am Ende der Fuchsröhre dahin verlegt, wo andere im Gras landen – und sich trotzdem zur Fahrt zum Supermarkt eignet, wenn's nicht anders geht. Kurz gesagt, wir reden über Extreme mit gewissen Alltagsfähigkeiten.

Die Historie der weissblauen M-Fahrzeuge ist voll positiver Überraschungen: Angefangen beim M1 und E30 M3, den Klassikern, die ganze Generationen von BMW-Fans und ein komplettes Sportwagen-Genre generierten. Weiter über das Z3 M-Coupé, jenes Kontroll-resistente Spassmobil mit Driftgarantie und den E46 M3, einem der besten Strassensportler für's Geld, der je die Bänder eines Grossserien-Herstellers verliess. Dann wäre da noch der 5er M mit dem legendären 10-Zylinder-Monster unter der Haube, das 1er M-Coupé und sein direkter Nachfolger, der M2.

Der moderne Achter passt perfekt

Nun wird BMW mit dem M8 jetzt noch einen draufsetzen. Die vorausgegangenen Achter-Generationen eigneten sich nicht unbedingt für den Rennsport – der 850 war als Gran Turismo ausgelegt. Es gab zwar eine M-Version, die aber mehr als Spielwiese konzipiert war und heute im Museum steht. Der Z8 war eine Nummer für sich, und eine M-Version hätte sich nicht wirklich geziemt. Der moderne Achter passt da schon besser.

Mit der neuen Generation ihres Spitzenmodells hatten sich die Bayern sehr beeilt. Kaum war die erste Begeisterungswelle über die Serie 8 nach der Premiere abgeflaut, stand die M8-GTE-Rennausführung in den Startlöchern. Trotz der etwas durchwachsenen Rennsaison 2018 mit einem nicht ganz glücklichen Start in Le Mans – und einem deutlich besseren in Daytona – konnten die Bayern eine Enthusiasmus-Welle erzeugen, die zwar nicht überbordend war, dazu ist unsere Zeit zu schnelllebig, aber immerhin.

Im Gegensatz zu anderen Prototypen zeigt sich BMW erstaunlich freizügig mit den Informationen, wobei die Details so geheim gehalten werden wie Donald Trumps Steuererklärungen. So viel ist bisher bekannt: Der M8 wird einen mehr als 600 PS starken V8-Motor mit Hochdrehzahlkonzept und M-Twin-Power-Turbo-Technologie unter der Haube haben. Um mit der Konkurrenz wie dem Porsche 911 Turbo S oder dem Mercedes-AMG GTC mitzuhalten, dürften sich die endgültigen Werte eher nach oben orientieren, man munkelt von 650 PS.

Unter 3,5 Sekunden von 0 auf 100 und 300 km/h Spitze

Die Gerüchte über eine 12-Zylinder-Variante hingegen erwiesen sich als falsch, da der 12-Töpfer zu schwer für das Coupé wäre und damit das Gewicht zu weit auf der Vorderachse liegen würde. Die vollvariable Kraftübertragung über das Allradsystem M xDrive mit hinterradbetonter Auslegung einschliesslich 2WD-Modus entspricht der des neuen M5. Unter dreieinhalb Sekunden auf 100 schafft er leicht. Entfernt man die 250 km/h-Sperre, sind 300 drin.

BMW spricht von optimiertem Gewicht, tiefem Schwerpunkt, harmonischer Achslastverteilung, optimalem Radstand und grossen Spurweiten, was zu deutsch heisst, dass der M8 deutlich weniger wiegt als das Grundmodell und – M-typisch – um 2,4 cm tiefer liegen wird. Die Kohlefaser-ausgelegte Karosserie weist eine höhere Steifigkeit auf, das Fahrwerk ist mit Teilen aus der Rennserie optimiert. Die Lufteinlässe an der Front werden grösser, der Frontsplitter ist aerodynamisch perfektioniert.

Gestrafft für die Nordschleife

Das Heck zeichnet sich durch einen Heck-Diffusor aus, einem M-üblichen Gurney Flap und einer Vier-Rohr-Auspuffanlage. Karbonbremsen sind optional. Das Einlenkverhalten wurde verschärft, die Traktion – selbst im 2WD-Modus – und Rückmeldungsverhalten deutlich verbessert. Das alles resultiert in einem rennsportähnlichen Fahrverhalten. Die Nordschleife kann kommen.

Als Verkaufsstart ist Ende 2019 avisiert. Neben dem M8 Coupé werden ein BMW M8 Cabrio und BMW M8 Gran Coupé das Angebot erweitern, wobei sich das Gran Coupé mit High-Tech-Lackierung und innovativer Licht-Signatur vom GTE an ein mehr Luxus-orientiertes Publikum wenden soll. Die passende Nomenklatura für die wie Nordlichter flackernde Farbwahl des Gran C M ist schon gefunden: Salève Vert.

ramp begeistert seit mehr als zehn Jahren als stilprägendes, opulentes Coffeetable-Magazin, indem es die Welt des Autos mit der Liebe zum Leben und der Lust auf Mode, Kultur und Design verbindet. So wurde es auch ganz nebenbei zum meist ausgezeichneten Automagazin der Welt. ramp-Herausgeber und Chefredakteur Michael Köckritz stellt wöchentlich seinen «Car of the Week» auf 20min.ch vor. Jeden Freitag.

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