Aktualisiert 09.12.2008 22:07

«Desaströse» LageSchnelle Cholera-Hilfe in Simbabwe gefordert

In Simbabwe werden bis zu 60 000 Menschen an Cholera erkranken, falls die Situation nicht unter Kontrolle gebracht wird, warnt die WHO. Auch die Schweiz äusserte sich am Dienstag besorgt.

Die Lage sei «desaströs», heisst es in einer Mitteilung des EDA. In Simbabwe fehle es an minimaler medizinischer Versorgung, an sauberem Trinkwasser und an Transportmöglichkeiten, schreibt das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Die Cholera sei das direkte Resultat des Zusammenbruchs der ohnehin fragilen Infrastruktur.

Die Ursache für die humanitäre Krise sieht das EDA in der Misswirtschaft, Willkür und Korruption der Regierung von Präsident Robert Mugabe. Den Vorwurf der simbabwischen Führung, wonach die Lage auf die internationalen Sanktionen zurückzuführen sei, weise das EDA «entschieden» zurück. Die Sanktionen seien gezielt auf Personen des Regimes Mugabe gerichtet.

Erst nach langem Zögern hatte Mugabe vergangene Woche den nationalen Notstand ausgerufen. Mehrere westliche Staaten werfen dem Staatschef Versagen vor und fordern dessen Rücktritt. Am Dienstag schloss sich auch US-Präsident George W. Bush der Forderung an.

AU greift nicht ein

Die Afrikanische Union (AU) hingegen lehnt einen Konfrontationskurs gegenüber Mugabe ab. Weder der Einsatz von Friedenstruppen noch die gewaltsame Entmachtung kämen infrage, liess der AU-Vorsitzende und Präsident Tansanias, Jakaya Kikwete, am Dienstag mitteilen.

Nur ein von regionalen Kräften unterstützter Dialog der simbabwischen Parteien könne wieder Frieden und Stabilität schaffen. «Glauben Sie, man kann die Cholera mit Gewehren bekämpfen?», fragte ein Sprecher Kikwetes. Auch Südafrika erteilte Forderungen nach Militäreinsätzen in Simbabwe eine klare Absage.

Die Zahl der nach Südafrika geflohenen Simbabwer wird auf rund zwei Millionen geschätzt. In dem Kap-Staat hatte es mehrfach Forderungen gegeben, die Grenzen zu schliessen und Mugabe damit in die Knie zu zwingen. Innenministerin Nosiviwe Mapisa-Nqakula wies eine solche Möglichkeit zurück.

Chaos und Personalmangel

Nach Angaben der Weltgesundhetsorganisation (WHO) sind an der Cholera in Simbabwe mittlerweile mindestens rund 14 000 Menschen erkrankt und knapp 600 gestorben. Immer mehr greift die Epidemie auch auf die Nachbarländer Südafrika, Mosambik und Botswana über.

Das tatsächliche Ausmass der im August ausgebrochenen Epidemie sei aber schwer zu beziffern, sagte eine Sprecherin der WHO. «Es herrscht völliges Chaos, drei Spitäler in Harare sind wegen Personalmangels geschlossen.» Die UNO prüfe nun, ob die Angestellten mit finanziellen Anreizen zur Rückkehr an ihre Arbeitsplätze bewegt werden könnten.

Hilfe aufgestockt

Über fünf Millionen Menschen, und damit fast die Hälfte der simbabwischen Bevölkerung, mittlerweile von internationaler Nahrungsmittelhilfe abhängig. Für weitere Hilfsmassnahmen zahlt die Humanitäre Hilfe der Schweiz nun zusätzliche Gelder in der Höhe von rund einer Million Franken an mehrere UNO-Organisationen. Auch das IKRK verstärkte am Dienstag seine Hilfe und sandte zwei zusätzliche Experten nach Simbabwe. (sda)

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