Schnellstrasse durch Magadino-Ebene bachab geschickt

Aktualisiert

Schnellstrasse durch Magadino-Ebene bachab geschickt

Die umstrittene Schnellstrasse quer durch die Magadinoebene wird nicht gebaut: Die Tessiner Stimmbürger wollen nichts von einer Schnellstrasse quer durch die Magadino-Ebene wissen.

Bei einer Stimmbeteiligung von 44,0 Prozent lehnten die Stimmberechtigten im Kanton Tessin den Planungskredit von 4,66 Millionen Franken für die Schnellstrasse Bellinzona - Locarno mit 49 057 gegen 40 855 Stimmen ab, wie die Staatskanzlei bekannt gab. Damit kann die aus dem Jahr 1995 stammende so genannte «Variante 95» nicht gebaut werden. Diese hätte quer durch die Magadinoebene geführt, um eine direkte Verkehrsanbindung von Locarno an die Autobahn A2 bei Bellinzona und damit ans nationale Autbahnnetz zu ermöglichen.

Die Strasse wurde von einer breiten Koalition von SP, Grünen, SVP, Bauern und Umweltverbänden bekämpft. Umstritten war einzig die Linienführung der neuen Verbindung Bellinzona - Locarno. Laut dem Bauernverband hätte die «Variante 95» eine neun Kilometer lange und 40 Meter breite Schneise durch die Landwirtschaftszone und geschütztes Moorgebiet in der Magadinoebene geschnitten.

Eine Alternative der Gegner wäre die so genannte «Strada Panoramica», am Fuss des Monte Ceneri entlang, statt mitten durch «den Tessiner Gemüsegarten». Dieses Projekt wird getragen von 19 Umwelt- und Konsumentenschutz-Verbänden, dem Bauernverband TI, sowie der Vereinigung umweltbewusster Ärzte.

Die Befürworter der nun bachab geschickten «Variante 95» hatten diesen Vorschlag allerdings lediglich als Hypothese und nicht als konkretes Projekt bezeichnet. Die Planung der Superstrada muss nun also wieder von vorne beginnen.

Umweltschützer fordern neue Verkehrspolitik

Tessiner Umweltschützer bezeichnen die Abfuhr für die Schnellstrasse als historisches Resultat. Sie fordern nun vom Kanton eine radikale Änderung seiner Verkehrspolitik.

Vor der Abstimmung habe man gewusst, dass die Tessiner gerne mit dem Auto fahren würden. Jetzt wisse man, dass sie auch ein grünes Herz hätten, sagte Francesco Maggi, Grossrat der Grünen, auf Anfrage.

Er forderte den Staatsrat auf, sich fortan für den Erhalt der Magadino-Ebene, einer der letzten noch intakten Grünzonen des Kantons, stark zu machen.

Um die Verkehrsprobleme in den Griff zu bekommen, müsste das ÖV- Angebot im Tessin erweitert werden. Grüne und Umweltschützer fordern unter anderem einen Ausbau der Bahnlinie zwischen Locarno und Bellinzona.

(SDA/AP)

Deine Meinung