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Sturm & RuheSchnipp, schnapp

Die Brüder Lanh und Phu schaffen ­Schönes: beide mit der Schere, jeder auf seine Weise.

Phu, (34), der Sturm

«Mein Bruder und ich haben viele gemeinsame Interessen. Aber dass wir heute beide etwas Gestreiftes anhaben, ist purer Zufall. Genauso wie die Tatsache, dass ich gleich neben dem Coiffeur-Salon von Lanh ein freies Lokal gefunden habe, wo ich jetzt meine Kleider verkaufe. Als wir als kleine Buben in die Schweiz kamen, guckten uns die Kinder im Dorf an, als wären wir Affen im Zoo. Das schweisst schon zusammen. Wir haben uns aber schnell angepasst und sprechen neben Vietnamesisch einen breiten Berner Dialekt. Auch die Geschäftstüchtigkeit von Lanh und mir war schon immer sehr schweizerisch. Als wir in der Schule Airbrush-Poster bestellen konnten, taten wir uns zusammen. Denn wenn man mehrere bestellte, waren zwei gratis. Lanh ist aber der bessere Geschäftsmann als ich. Er ist ein Organisationstalent und macht immer alles ganz genau. Die Haare lasse ich mir aber trotzdem nicht von ihm schneiden. Er hat ja nie Zeit.»

Lanh (36), die Ruhe

«Neben Phu habe ich noch zwei weitere Brüder und fünf Schwestern. Phu und ich haben immer das Zimmer geteilt. Das war toll, weil wir die ähnlichen Sachen mochten. Wir fuhren total auf die Kung-Fu-Filme von Bruce Lee ab. Stundenlang kämpften wir die Szenen in unserem Zimmer nach. Verletzt hat sich zum Glück nie jemand. Dann kam die Coca-Cola-Phase. Wir sammelten alles. Vom Cola-Abfallkübel bis zur Bettwäsche, Dosen und Flaschen aus aller Welt. Das Zimmer war voll bis unter die Decke. Wir spielten auch beide Volleyball im VBC Köniz. Weil Phu zwei Jahre jünger ist, spielten wir nie zusammen in einer Mannschaft. Schweizermeister wurden wir aber beide. Phu ist ein Wirbelwind und muss immer im Mittelpunkt stehen. Das geht mir manchmal auf die Nerven. Zum Glück ist Phu aber viel auf der ganzen Welt unterwegs, so hab ich meine Ruhe. Und sonst kann ich immer noch in meine Pariser Wohnung flüchten.»

Die Hin Trans

Hin Lanh Tran und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Hin Phu Tran kamen in Vietnam zur Welt. Ihre Eltern flüchteten in den Siebzigerjahren mit den neun Kindern in die Schweiz und lies­sen sich im winzigen Berner Dorf Niederscherli nieder. Seit sieben Jahren führt Lanh in Zürich den Coiffeur-Salon Kandis. Im Laden nebenan verkauft Phu seine Kleiderkreationen, mit ­denen er im Jahr 2001 den ­renommierten Swiss Textiles Award (damals noch Gwand genannt) gewann.

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