Aktualisiert 19.05.2016 12:53

Rauchstopp«Schockbilder sind effektiver als die Schrift»

Eklige Bilder auf Zigarettenpackungen sollen die Lust aufs Rauchen dämpfen. Ein guter Ansatz, findet eine deutsche Expertin. Doch ausreichend sei das nicht.

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Die Lust am Rauchen soll nun auch den Deutschen vergehen.

Die Lust am Rauchen soll nun auch den Deutschen vergehen.

Colourbox.com
Dies mithilfe von Schockfotos auf Zigarettenschachteln, ... (Im Bild: Schachteln aus Belgien)

Dies mithilfe von Schockfotos auf Zigarettenschachteln, ... (Im Bild: Schachteln aus Belgien)

AP/Yves Logghe
... die in der Schweiz schon seit Januar 2010 Pflicht sind.

... die in der Schweiz schon seit Januar 2010 Pflicht sind.

20 Minuten

Deutschland ist spät dran: Während Tabakprodukte in vielen Ländern bereits seit Jahren mit bildlichen Warnhinweisen versehen sind (in der Schweiz seit Januar 2010), werden unsere nördlichen Nachbarn erst ab Ende Mai mit den Schockbildern konfrontiert. Dann müssen zwei Drittel der Vorder- und Rückseite von Zigaretten- und Tabak-Verpackungen mit Warnbildern und aufklärenden Texten bedeckt sein.

Das Ziel ist das gleiche wie in allen anderen Ländern: Die Bilder sollen die Lust am Glimmstängel dämpfen. Ob das tatsächlich funktioniert, ist in der Bevölkerung umstritten: Während vor allem Raucher skeptisch reagieren, sind Tabakgegner vom Erfolg der Anstrengungen überzeugt.

Guter Ansatz, aber ...

Gesundheitswissenschaftler wie Friederike Störkel von der Fachhochschule Münster befürworten die drastischen Bilder: «Studien haben gezeigt, dass Raucher beim Anblick der Bilder häufiger damit aufhören als durch das blosse Lesen der Warnhinweise», sagt die Expertin. «Fotos sind deutlich effektiver als die Schrift.»

Für ausreichend hält Störkel die drastischen Abbildungen von Raucherbeinen, Krebsgeschwüren und schwarzen Zähnen jedoch nicht: «Sie sind kein Allheilmittel.» Denn damit werde nur eine Grundlage geschaffen, um den Entschluss zur Aufgabe des Rauchens zu fassen. Danach komme der weitaus schwierigere Teil, so die Forscherin: «Das gewohnte Verhalten muss geändert und das neue Verhalten aufrechterhalten werden.»

So sollte es mit dem Aufhören klappen

Dafür braucht es gemäss Störkel ein Konzept mit vielen verschiedenen Punkten: «Wichtig ist das Zusammenspiel von Wissen, gesetzlichen Rahmenbedingungen und deren konsequenter Umsetzung und natürlich auch der Stärkung der eigenen Lebenskompetenz.» So sei es wichtig, junge Menschen zu selbstbewussten Persönlichkeiten zu erziehen, damit sie nicht nachgäben, wenn im Freundeskreis plötzlich zu Zigaretten gegriffen werde.

Liegt das erste Mal schon lange zurück und entschliesst sich ein Raucher, sein Laster aufzugeben, sind laut Störkel ein guter Plan (siehe Box 2) und Unterstützung das A&O. Aufhörwilligen rät sie, nicht nur das private Umfeld in das Vorhaben einzubeziehen, sondern auch Beratungsstellen aufzusuchen: «Wenn jemand regelmässig über Jahre raucht, hat eine Gewöhnung eingesetzt. Bei Beendigung des Rauchens kommt es zu Entzugserscheinungen und Anpassungsvorgängen im Körper», so die Forscherin. Damit müsse man lernen umzugehen.

To-do-Liste für angehende Ex-Raucher

Wichtig ist laut Friederike Störkel ein guter Plan. Sie rät Aufhörwilligen zu folgenden Schritten:

- Ein genaues Datum für den Start festlegen.

- Rauchwaren entsorgen.

- Das Umfeld informieren und um Unterstützung bitten.

- Motivierende Aspekte formulieren, z.B. Sport.

- Plan B überlegen, falls es im ersten Anlauf nicht klappt.

Rund sechs Millionen Tote jährlich

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben pro Jahr rund sechs Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Damit stellt der Tabakkonsum die häufigste Ursache für vermeidbare Todesfälle dar.

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