Als Mädchen getarnt: Schockierende Angebote im Kinderchat
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Als Mädchen getarntSchockierende Angebote im Kinderchat

Ein Journalist der «Zentralschweiz am Sonntag» hat sich in einem Chat als 14-jähriges Mädchen ausgegeben. Der Test zeigt: Im Netz wimmelt es nur so von Männern, die eindeutige Angebote machen.

von
bat
Innerhalb wenigen Minuten bekam ein Journalist, der sich in einem Chat als 14-jähriges Mädchen ausgab, anzügliche Angebote.

Innerhalb wenigen Minuten bekam ein Journalist, der sich in einem Chat als 14-jähriges Mädchen ausgab, anzügliche Angebote.

«Magst denn Sex ha mit mir?» oder «Töfsch bimiar ind Hosa inaluage went wetsch», sind zwei Aussagen aus Chatprotokollen, welche ein Journalist heute in der «Zentralschweiz am Sonntag» veröffentlichte. In den letzten Tagen hat er sich als 14-jähriges Mädchen unter den Pseudonymen «kittycat_98» und «Tanja_98» auf einer Chatplattform ausgegeben, auf denen Kinder und Teenager verkehren.

Gemäss der «Zentralschweiz am Sonntag» wurden dabei sämtliche Befürchtungen übertroffen. Ohne dass sich der Journalist im Chat in irgendeiner Form auffällig oder gar offensiv verhalten hätte, wurde er innert Sekunden von zahlreichen Usern angeklickt und zum Privatchat eingeladen. Stets waren unter den Chattern Männer zwischen 25 und 40 Jahren, die sogleich anfingen, zum Teil äusserst aggressiv zu flirten und die vermeintlich 14-Jährige Schreiberin zu bedrängen. Nach wenigen Minuten tauchten Fragen auf wie:« Bisch no Jungfrau?», «intim kahl?» oder «scho mol eine berührt?»

Medienpsychologe ist nicht überrascht

Rechtlich haben die Sex-Chatter wenig zu befürchten. «Eine Straftat liegt in der Regel erst dann vor, wenn es tatsächlich zu einer sexuellen Handlung kommt oder dies mindestens versucht wird», sagt Daniel Jositsch, SP-Nationalrat und Rechtsprofessor der Universität Zürich. Wenig überrascht über die Ergebnisse des Tests zeigt sich der Luzerner Medienpsychologe Stefan Caduff. «Kinder und Jugendliche müssen im Chat stets damit rechnen, sexuell bedrängt zu werden», so Caduff.

Der Test wurde auf der Chatplattform «chatmania.ch» durchgeführt. Der Anbieter der Plattform äusserst sich gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag»: Das Problem sei Chatmania bekannt. Strafbares Verhalten werde in den Chaträumen nicht toleriert und der öffentliche Chat wenn möglich von Moderatoren überwacht.

Keine persönlichen Angaben im Chat

Medienpsychologe Stefan Caduff gibt Tipps, auf was Eltern und Jugendliche in Chaträumen achten sollen:

Eltern sollen sich informieren, auf welche Chatplattformen sich ihre Kinder aufhalten.

Verbote sind nicht sinnvoll, die Kinder chatten sonst im Geheimen.

Keine persönlichen Daten kommunizieren - weder Name, Wohnort noch das echte Alter.

Im Grundsatz gilt: Keine Treffen mit Chatbekanntschaften. Falls doch ein Treffen vereinbart wird, sollten die Eltern dabei sein.

Mehr Informationen gibt es unter www.fit4chat.ch

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