Aktualisiert 25.01.2017 11:27

Anzeige von TierschützernSchockvideo zeigt, wie Blausee-Fische litten

Ein Video zeigt, wie Amateurfischer am Berner Blausee Tiere unbeholfen behandeln: Aktivisten sprechen von Tierquälerei. Das Unternehmen erwägt nun, den Anlass zu streichen.

von
cho

Der Dachverband Berner Tierschutzorganisationen hat diese Szenen beim Blausee-Ausfischen 2016 festgehalten. (cho)

Ärger am idyllischen Blausee: Der Dachverband Berner Tierschutzorganisationen DBT erhebt heftige Vorwürfe gegen die Blausee AG. Konkret geht es um das Ausfischen, das jeweils Ende Oktober stattfindet. «Es war schockierend, was ich dort gesehen habe», sagt Rolf Frischknecht, Tierarzt und Präsident des DBT. Er fische selber seit 50 Jahren, aber: «Die Hälfte der Menschen, die dort fischen, haben schlicht keine Ahnung, wie man mit den Tieren umgehen muss.»

So hätten er und andere Vereinsmitglieder beobachtet, wie Laien und Kinder lebende Fische am Haken hängend herumreichten. Viele Angeltouristen hätten die Tiere schlecht betäubt oder den Kiemenschnitt völlig falsch gesetzt. Mit Zangen sei an noch lebenden Tieren herumgewerkelt worden: «Viele dieser Tiere litten Qualen», so Frischknecht. Auch seien viele Kinder ohne Begleitung am Fischen gewesen.

Auf Video festgehalten

Die Anzeige lautet auf Inkaufnahme von Tierquälerei. Frischknecht: «Wir haben Beweise. Mehrere Szenen sind auf Video festgehalten.» Die Organisation habe bewusst die Blausee AG und nicht einzelne Personen angezeigt. Die Veranstalter würden Amateure zum Fischen einladen, diese jedoch nicht entsprechend begleiten.

Das lässt Stefan Linder, VR-Präsident der Blausee AG, nicht gelten. Jedem Fischer werde ein Regelblatt mit den Vorschriften des Tierschutzes abgegeben. «Weiter patrouillieren zwei bis drei Aufseher um die Einhaltung der Regeln durchzusetzen und Hilfestellungen zu bieten», sagt er.

Warnung vor Tierschützern

Auf die Videoaufnahmen angesprochen sagt Linder: «Es tut uns leid, wenn einzelne Fischer die Regeln nicht korrekt eingehalten oder missachtet haben.» Das Ausfischen sei zudem unter dem neuen Verwaltungsrat, dem auch Ex-Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand angehört, nicht unumstritten: «Wir diskutierten bereits letztes Jahr darüber, ob wir den Anlass in dieser Form weiterführen wollen.» Ein Entscheid werde im Frühjahr gefällt. Für ihn ist jedoch klar: «Wenn Aufseher solche Szenen wie auf dem Video sehen, schreiten sie sofort ein.

DBT-Präsident Rolf Frischknecht hat andere Erfahrungen gemacht. Beim Ausfischen am 23. Oktober 2016 habe er keinen Aufseher gesehen, der aktiv auf Laien zuging. «Noch schlimmer war aber, dass mir die Frau an der Kasse sagte: ‹Tragen Sie Sorge zu den Fischen, manchmal hat es Tierschützer am See›»

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