Aktualisiert 31.08.2016 11:28

InnovationSchön Strom produzieren mit farbigen Solarpanels

Bunte Solarpanels sollen ästhetische Vorbehalte abbauen. Einen Nachteil haben die farbigen Module jedoch: Ihre Effizienz ist noch vergleichsweise gering.

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pam
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Mit farbigen Solarmodulen wollen Forscher an der Hochschule Luzern die Solarenergie massentauglich machen und vom Image der «Landverschandelung» wegkommen.

Mit farbigen Solarmodulen wollen Forscher an der Hochschule Luzern die Solarenergie massentauglich machen und vom Image der «Landverschandelung» wegkommen.

«Auch einige Architekten haben noch ästhetische Vorbehalte gegenüber den schwarzen Modulen», sagt Stephen Wittkopf, Leiter am Kompetenzzentrum Envelopes & Solar Energy an der Hochschule Luzern. Dies soll sich mit neuen Farben und Formen ändern.

«Auch einige Architekten haben noch ästhetische Vorbehalte gegenüber den schwarzen Modulen», sagt Stephen Wittkopf, Leiter am Kompetenzzentrum Envelopes & Solar Energy an der Hochschule Luzern. Dies soll sich mit neuen Farben und Formen ändern.

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Die Farbe wird auf eine Glasplatte gedruckt, die dann als äusserste Schicht des Moduls fungiert. In einer Ausstellungsbox demonstrieren die Forscher dies anhand der Schweizer Kantonswappen.

Die Farbe wird auf eine Glasplatte gedruckt, die dann als äusserste Schicht des Moduls fungiert. In einer Ausstellungsbox demonstrieren die Forscher dies anhand der Schweizer Kantonswappen.

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Das Potenzial für Solarenergie ist laut Experten hierzulande gross: Ingenieur und ETH-Professor Anton Gunzinger beispielsweise rechnet damit, dass 100 Quadratkilometer Solarpanels zusammen mit Windkraft und Biomasse eine Versorgung vollständig durch erneuerbare Energien garantieren könnten. Die gesamte Dachfläche der Schweiz beträgt 400 Quadratkilometer.

Doch heute ist es längst nicht auf all diesen Dächern möglich, Solarpanels zu installieren. Oft scheitern Projekte, weil die Ästhetik der schwarzen Zellen stört oder weil die Anforderungen des Denkmalschutzes nicht erfüllt werden können. «Auch einige Architekten haben noch ästhetische Vorbehalte gegenüber den schwarzen Modulen», sagt Stephen Wittkopf, Leiter am Kompetenzzentrum Envelopes & Solar Energy an der Hochschule Luzern.

Farbe wird auf Glasplatten gedruckt

Wittkopf will diese Konflikte lösen, damit in Zukunft «schön viel Strom produziert werden kann». Dies soll mit farbigen Panels, die sich kaum sichtbar in die Architektur einfügen, möglich werden. Dabei wird das Farbmuster auf Glasplatten gedruckt, die als äusserste Fassadenschicht auf die Panels montiert werden. Mit seiner Lösung soll laut Wittkopf die Akzeptanz für Solarenergie in der Bevölkerung wachsen. Dieses Ziel sei unumgänglich: «Bis 2050 soll der Anteil der Stromproduktion aus Solaranlagen schweizweit auf 25 Prozent steigen.» Dies sei nur möglich, wenn möglichst viele Dächer und Fassaden genutzt würden. Heute liegt der Anteil der Solarenergie am Strommix bei einem Prozent.

Wie sich farbige Solarzellen nahtlos in eine Gebäudestruktur einfügen, wollte Wittkopf bei einem Pilotprojekt in Hergiswil zeigen. Dort sollte das Dach eines Autounterstands mit Solarzellen ausgerüstet werden. Der Haken: Das Gebäude war Teil einer historischen Villa, deren Bild erhalten werden musste. Statt der traditionellen, orangebraunen Biberschwanz-Ziegeln kamen dann Solarzellen in der gleichen Form und Farbe zum Einsatz (siehe Bildstrecke).

«Solarmodule müssen massentauglich werden»

Einen Nachteil haben die farbigen Zellen jedoch: Im Gegensatz zu den schwarzen Modulen produzieren sie bis zu 50 Prozent weniger Strom. Die Verluste variieren je nach Farbe: Je dunkler das Modul, desto mehr Licht kann es absorbieren. «Das Ziel muss sein, die Verluste bei 20 Prozent zu limitieren», erklärt Stephen Wittkopf. Für ihn geht die Rechnung trotzdem auf: «Statt nur an der Effizienzschraube zu drehen, müssen wir Solarmodule massentauglich und zu einem alltäglichen Bauelement machen.» Die niedrigere Leistung der farbigen Panels würde dann durch die grössere Verbreitung kompensiert.

Dass in Zukunft mit dieser Technologie auch denkmalgeschützte Immobilien umgerüstet werden, glaubt Wittkopf jedoch nicht. «Zuerst müssen die Dächer und Fassaden möglichst vieler herkömmlicher Häuser mit Modulen ausgestattet werden.» Danach sehe man, wie viel zusätzliche Energie noch nötig sei, die man anderswo noch herausholen müsste. «Wenn wir das Potenzial mit ästhetischen Zellen auf Dächern und Fassaden ausnutzen, kann man stark geschützte Bauten wohl unangetastet lassen», sagt Wittkopf.

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