Aktualisiert 08.02.2018 09:07

Schöne Grüsse von der «Drecksloch»-Insel

Der US-Präsident soll Länder wie Sambia oder Haiti als Shitholes bezeichnet haben. Dort nutzt man die Aufmerksamkeit für clevere Werbung.

von
sei
8.2.2018
«Sie bringen die Sonnencreme, wir bringen das Drecksloch» – mit solchen Plakaten soll Washington D.C. tapeziert werden.

«Sie bringen die Sonnencreme, wir bringen das Drecksloch» – mit solchen Plakaten soll Washington D.C. tapeziert werden.

Verdy Verna/Parkour Studio
Die Kampagne ist eine Reaktion auf Donald Trumps Aussage ...

Die Kampagne ist eine Reaktion auf Donald Trumps Aussage ...

Verdy Verna/Parkour Studio
... bei dem Karibikstaat handle es sich um ein «Drecksloch».

... bei dem Karibikstaat handle es sich um ein «Drecksloch».

Verdy Verna/Parkour Studio

Während einer Sitzung im Oval Office soll US-Präsident Donald Trump Haiti, El Salvador und afrikanische Länder als Shitholes, also frei übersetzt als Dreckslöcher, bezeichnet haben. Die betroffenen Staaten reagierten umgehend und forderten eine Entschuldigung.

Parallel dazu nutzten einige Werbefachleute die Gunst der Stunde und münzten Trumps unflätige Bemerkungen in knackige Slogans um. In Anlehnung an die US-Flagge schrieb zum Beispiel das sambische Verkehrsbüro: «Besuchen Sie das Drecksloch Sambia, wo die einzigen Sterne und Streifen, die Sie sehen, am Himmel und auf Zebras sind.»

«Botswana ist ein Wasserloch-Land», hiess es derweil aus dem für seinen Artenreichtum bekannten Land im Süden Afrikas. Dort nutzte man die Aufmerksamkeit mit dem Hashtag #mywaterholecountry gleich für eine kleine Social-Media-Kampagne.

Auch Airbnb-CEO Brian Chesky reagierte sofort auf Trumps Kommentar und pries diverse Traum-Unterkünfte in den vermeintlichen «Dreckslöchern» an.

In Haiti rief derweil Agenturinhaber Fabien Dodard eine Crowdfunding-Aktion ins Leben, um in Washington D.C. Plakate aufzuhängen, die die Schönheit seines Heimatlandes aufzeigen. Die Slogans dazu lauten: «Im Drecksloch-Land scheint immer die Sonne», «Unsere Drecksloch-Leute werden dich rühren» oder «Ein majestätisches Drecksloch wartet auf deinen Besuch».

Trumps Aussagen waren rufschädigend

So sehr verschiedene Bestrebungen darauf abzielen, Trumps Beleidigungen etwas Positives abzugewinnen: Manche Politiker gehen davon aus, dass der Imageschaden unvermeidbar ist. «Ich muss ehrlich sagen, dass diese Kommentare unserer Tourismusindustrie nicht geholfen haben», sagt der haitianische Präsident Jovenel Moise gegenüber ABC News. «Wir Haitianer sind stolz und arbeiten auf eine bessere Zukunft hin.» Der karibische Inselstaat ist gebeutelt von Naturkatastrophen, Armut und Kriminalität. Auch das EDA rät von Reisen in das Land ab.

In den Tourismus werden trotzdem grosse Hoffnungen gesetzt: In den letzten Jahren entstanden über 2000 neue Hotelzimmer. Erst im Dezember wurde ein neues Spa-Resort im Luxusbereich eröffnet. «Wir möchten die aktuelle Aufmerksamkeit nutzen, um zu zeigen, dass an Haiti nicht alles negativ ist», so Moise.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.