Schöne, wahre und gute Gedichte
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Schöne, wahre und gute Gedichte

GEDICHTE – Ja, ich weiss, Gedichte, furchtbar, mussten wir in der Schule auch immer auswendig lernen. Langweiliges Zeug, das in Griechenland spielt oder hochgestochenes Geraune ist. Dass die Lehrer aber auch immer die falschen Gedichte in der Schulstunde bringen. Denn nichts irrlichtert gefährlicher zwischen Plattheit und Pathos herum wie Lyrik. Und nichts ist zugleich so schwierig und so einfach wie die Dichtkunst. Wie der Titel seines neuen Gedichtbandes verrät, ist Thomas Gsella lobenswerterweise ein Vertreter des sich reimenden Gedichts. Seine lyrischen Werke sind streng rhythmisiert und strukturiert, richtige Gedichte halt:

Am Morgen wie geschlagen / Der Teer, das

Bier im Magen / Puls schlägt in Augenränder / Die Lungenflügel wund / Der Atem nicht gesund / Ein Knacken in den Bändern / Die Kopf- und Rückenschmerzen / Die Liebste neigt zu Scherzen: «Du musst dein Leben ändern.»

Das ist doch schön, wenn man einen Zustand, den man durchaus kennt, so lyrisch aufgearbeitet vorgesetzt bekommt. Gsellas Gedichte haben reale Inhalte, die eher humoristischen Abteilungen zugeordnet sind: «Versunkenes, Beglücktes, Betrunkenes, Bedrücktes, Balltechnisches und Beklopptes.» Grundsätzlich kann Gsella eigentlich über alles ein wunderbares Gedicht schreiben und er schreckt auch vor keinem Thema zurück. Doch ganz besonders hochklassig sind seine Fussballgedichte.

Wolfgang Bortlik

Thomas Gsella «Generation Reim». Haffmans bei Zweitausendeins, 213 Seiten, 36.20 Franken.

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