Aktualisiert 15.04.2019 05:27

Schöner, edler, bequemer, aber . . .

Seit Monaten kündigt die Autowelt einen «Tesla-Jäger» an. Jaguar hat ihn. Der I-Pace überzeugt von A bis K und von M bis Z. Aber leider (noch) nicht beim Laden.

von
Dieter Liechti
15.4.2019
Ein entscheidender Faktor trübt die sonst tadellose Bilanz des edlen Briten: Die Ladefähgkeit! Denn der I-Pace kann zur Zeit an normalen Ladesäulen nur 7 statt 22 kW ziehen.

Ein entscheidender Faktor trübt die sonst tadellose Bilanz des edlen Briten: Die Ladefähgkeit! Denn der I-Pace kann zur Zeit an normalen Ladesäulen nur 7 statt 22 kW ziehen.

Jaguar
Die Performance des Tesla-Jägers mag zwar nicht ganz mit Tesla mithalten, ist aber trotzdem beeindruckend.

Die Performance des Tesla-Jägers mag zwar nicht ganz mit Tesla mithalten, ist aber trotzdem beeindruckend.

Jaguar
Ionity will bis 2020 in Europa 400 «Supercharger» montieren – mit bis zu 350 kW. Und dann... lässt sich der I-Pace komplett in einer knappen Stunde laden.

Ionity will bis 2020 in Europa 400 «Supercharger» montieren – mit bis zu 350 kW. Und dann... lässt sich der I-Pace komplett in einer knappen Stunde laden.

Jaguar

Nach dem ich das Model 3 von Tesla gefahren bin, habe ich mir überlegt, den US-Stromer zu kaufen. Habe ich aber nicht, weil mir die karge, emotionslose Innenausstattung und die Touchscreen-Bedienung nicht gefallen. Über die Reichweite machte ich mir Null Gedanken. Dank den Superchargern ist das bei Tesla kein Thema.

Umso mehr freute ich mich auf den elektrischen Jaguar I-Pace. Zum einen, weil mir die traditionelle Marke sympathischer ist; zum andern, weil ich den I-Pace optisch viel spannender finde. Doch das ist Geschmacksache. Und das gilt auch für das Innenleben eines Autos. Und da punktet der Jaguar sowieso: Hier muss man handwerkliche Qualität nicht suchen, sie springt einem an: Vom wunderbar verarbeiteten Leder bis zu den schönen Instrumenten – der Jaguar hat auch als Stromer Stil. Etwas, das man bei Tesla (noch) vergebens sucht.

Im Alltag komfortabler und agiler als die US-Stromer

Macht nichts, denn Tesla – dessen Model 3 im März das bestverkaufte Auto der Schweiz war –, hat nicht weniger im Sinn, als «den Wandel der Welt zu nachhaltiger Mobilität zu beschleunigen». Dabei kann der I-Pace mithelfen: Denn wo Tesla konsequent mit der Vergangenheit bricht, suchen die Briten – Brexit lässt grüssen –, einen Kompromiss aus zukunftsträchtigem Antrieb und traditionellem Automobilbau. Dieser Mix könnte den Wechsel zum E-Auto vereinfachen, und mit Ausnahme der Bedienung funktioniert dieser Kompromiss sehr gut. Die Performance mag zwar nicht ganz mit Tesla mithalten, ist aber trotzdem beeindruckend. Vor allem, weil sich der Jaguar im Alltag komfortabler und agiler fährt als die US-Stromer.

Also habe ich mir einen I-Pace gekauft? Nein. Denn ein entscheidender Faktor trübt die Bilanz des Stromers: Die aktuelle Ladefähgkeit! Weil die effektive Reichweite des Jag eher bei 370 als 480 Kilometern liegt, wird das Laden zum Thema. Und da kann der Brite nicht mithalten. Jaguar hat kein Superchargernetz wie Tesla, und der I-Pace kann an normalen Ladesäulen nur 7 statt 22 kW ziehen. Wer keine Ladestation Zuhause hat, muss dem Auto lange Erholungsphasen gönnen – von der normalen Steckdose nicht zu reden. Aber Hilfe naht: Ionity will bis 2020 in Europa 400 «Supercharger» montieren – mit bis zu 350 kW. Dann lässt sich der I-Pace in einer Stunde laden, und ich mache mir wieder Gedanken.

Jaguar I-Pace Facts & Figures

5-türiges Elektro-SUV mit 5 Sitzen.

Masse:

Länge: 4682 mm, Breite: 2011 mm, Höhe: 1565 mm, Radstand: 2990 mm.

Kofferraumvolumen:

656 bis 1453 Liter.

Leergewicht:

ab 2208 kg.

Motor:

2 E-Motoren mit 400 PS (294 kW) und 696 Nm.

Antrieb:

1-Gang-Automatik.

Fahrleistungen:

0 bis 100 km/h in 4,8 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h.

Reichweite:

Bis 470 Kilometer.

CO2-Ausstoss:

0 Gramm pro Kilometer.

Markteinführung:

ab sofort.

Preis:

Ab 82'800 Franken.

Infos:

www.jaguar.ch

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