Machen sie happy?: «Schönheits-OPs sind Psychologie mit Messer»
Aktualisiert

Machen sie happy?«Schönheits-OPs sind Psychologie mit Messer»

Eine gerade Nase, weniger Fett oder grössere Brüste – wer sich einer Schönheitsoperation unterzieht, ist glücklicher. Patientenschützerin Margrit Kessler warnt trotzdem davor.

von
jep
Eine Studie bestätigt, dass Patienten nach einer Schönheitsoperation glücklicher sind als vor dem Eingriff.

Eine Studie bestätigt, dass Patienten nach einer Schönheitsoperation glücklicher sind als vor dem Eingriff.

So umstritten sie sind – Schönheitsoperationen machen Menschen gemäss einer neuen Studie glücklicher. Operierte Patienten zeigen demnach oft mehr Lebensfreude, Zufriedenheit und Selbstwert als solche, die auf OPs verzichten (siehe Box). «Ästhetische Chirurgie scheint bei Personen, die mit ihrem Aussehen unzufrieden sind, positive psychologische Veränderungen hervorzubringen», lautet das Fazit.

Den Bieler Schönheitschirurg Raphael Wirth erstaunen diese Ergebnisse nicht. «Man sagt nicht umsonst, dass plastische Chirurgie ‹Psychologie mit dem Messer› ist.» Wenn es zum Beispiel gelinge, einer Patientin nach einem starken Gewichtsverlust die Haut zu straffen, sei völlig klar, dass diese danach mehr Selbstbewusstsein entwickle.

«Eine Brust-OP löst keine Eheprobleme»

Skeptisch zeigt sich hingegen Margrit Kessler, Präsidentin der Stiftung für Patientenschutz. «Unsere Beratungsstelle kommt vor allem mit jenen Patienten in Kontakt, die nicht zufrieden sind mit einer Schönheitsoperation – und das sind einige.» Sie bezweifle nicht, dass jemand mit einer unförmigen Nase nach einer Operation glücklicher sei. «Allerdings ist eine Brust-OP sicher kein Rezept, um Probleme wie zum Beispiel eine unglückliche Ehe zu lösen.» In der Studie glaubten 12 Prozent der Befragten fälschlicherweise, der Eingriff würde alle ihre Probleme lösen.

Dass dies nicht geht, ist auch für Schönheitschirurg Wirth klar. «Patienten, die psychische Probleme haben oder gar krank sind, können wir mit dem Messer nicht glücklich machen.» Hier liege es aber in der Verantwortung des Arztes, vor einem Eingriff abzuklären, aus welchen Gründen sich jemand zu einer Operation entscheide.

Die Fakten zur Studie

Die Studie haben Psychologen von der Uni Basel und der Uni Bochum durchgeführt. Sie haben dafür rund 550 erstmals operierte Patientinnen und Patienten untersucht. Diese verglichen sie mit 264 Personen, die sich einmal eine Schönheits-OP gewünscht und sich dann aber dagegen entschieden hatten, sowie mit 1000 Menschen, die sich nie dafür interessiert haben. Diese Patienten befragten sie 3, 6 und 12 Monate nach der OP oder dem ersten Klinikbesuch. Frauen repräsentieren 87 Prozent aller Patienten, die sich für eine OP entschieden haben. (jep)

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