Ukraine: Schoggi-König tritt gegen Gasprinzessin an
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UkraineSchoggi-König tritt gegen Gasprinzessin an

Drei Monate, nachdem Präsident Janokowitsch aus dem Land geworfen wurde, wählt die Ukraine einen Nachfolger. Das sind die aussichtsreichsten Kandidaten.

von
kmo

Am Sonntag wählt die Ukraine einen neuen Präsidenten. Zumindest diejenigen Regionen des Landes, die nicht von den Separatisten besetzt sind. Chancen auf das Amt haben drei Männer und eine Frau.

Der Schokoladen-König und Maidan-Mäzen

Der Süsswaren-Fabrikant Petro Poroschenko steigt als Favorit ins Rennen. Einige Umfragen sagen ihm sogar einen Wahlsieg in der ersten Runde voraus.

Der 48-Jährige war der einzige Oligarch im Land, der sich von Janukowitsch distanzierte und klar hinter die proeuropäische Protestbewegung vom Maidan stellte. Sein Fernsehsender Kanal 5 bot den Demonstranten im Gegensatz zum Staatsfernsehen ein Forum.

Der Milliardär, der wegen seines Konfekt-Konzerns auch den Spitznamen «Schokoladen-König» trägt, ist ein erfahrener Politiker. So hatte er unter anderem bereits das Amt des Aussen- und später des Wirtschaftsministers inne.

Er wechselte wiederholt das politische Lager. Der Oligarch steht für eine Annäherung der Ukraine an die Europäische Union. Ihm wird zugetraut, in dem zerrissenen Land Brücken zwischen Ost und West bauen zu können.

Die Gasprinzessin

Die frühere Ministerpräsidentin Julia Timoschenko mit ihrem Markenzeichen, dem geflochtenen Haarkranz, liegt in den Umfragen auf Platz zwei – allerdings mit beträchtlichen Abstand zu Poroschenko. Die 53-Jährige, die im industriell-geprägten Osten des Landes geboren wurde, kehrte nach der Absetzung von Janukowitsch ins politische Rampenlicht zurück.

Als Ministerpräsidentin war ihr Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit Erdgasverträgen mit Russland vorgeworfen worden. Sie wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt und kam im Februar infolge des Umbruchs in der Ukraine vorzeitig frei.

Das Verfahren gegen sie wurde auch vom Westen als politisch motiviert kritisiert. Timoschenko gilt als Machtmensch und ist bekannt für ihre markigen Worte. Viele Ukrainer sind ernüchtert, dass die einstige Ikone der Orangen Revolution keinen wirklichen Wandel im Land herbeiführte.

Der ehemalige Janukowitsch-Anhänger

Der Banker und Parlamentsabgeordnete Serhij Tigipko hatte Ämter unter verschiedenen Regierungen inne. Der 54-Jährige war unter anderem Wirtschaftsminister und Präsident der Nationalbank. Das frühere Mitglied der Partei der Regionen, die einst von Janukowitsch geführt wurde, tritt als unabhängiger Kandidat an.

Seine Partei schloss ihn aus, weil er nicht auf eine Bewerbung verzichten wollte, nachdem sie Michailo Dobkin zu ihrem Präsidentschaftskandidaten erklärt hatte. In Umfragen liegt der 54-Jährige auf Platz drei.

Seine Wählerschaft hat er hauptsächlich im russisch-geprägten Osten der Ukraine. Er wirft der Übergangsregierung vor, nicht genug getan zu haben, um die tiefen Gräben zwischen Ost und West zu schliessen. So sei sie nicht auf die Sorgen der Bevölkerung im Osten eingegangen, wie etwa den Status der russischen Sprache.

Der Oligarchen-Zögling aus dem Osten

Der 44-jährige Geschäftsmann und frühere Gouverneur der ostukrainischen Stadt und Region Charkow, Michailo Dobkin, ist der Kandidat der Partei der Regionen. Er hat die Proteste auf dem Maidan in Kiew scharf kritisiert und stellt die Legitimität der Übergangsregierung in Frage.

Sein Wahlkampf wird vom reichsten Mann der Ukraine, dem Kohle- und Stahlmagnaten Rinat Achmetow, finanziert. Dieser verurteilte zuletzt auch die Aktionen prorussischer Separatisten und organisierte Proteste gegen sie. Dobkin gehört zu einer Gruppe von rund 30 Personen aus dem Umfeld Janukowitschs, deren Gelder auf Schweizer Konten gesperrt wurden.

Das sind die Spitzenkandidaten

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