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So stark wie seit 69 Jahren nichtSchon 12 Medaillen! Die Schweiz knackt an Olympia eine Uralt-Marke

Olympia ist noch nicht vorbei. Doch die Schweiz weist bereits eine herausragende Bilanz vor. Denn so erfolgreich war die Delegation letztmals 1952 in Helsinki. Wir zeigen dir nochmals alle Medaillen-Highlights.

von
Nils Hänggi

Eine emotionale Belinda Bencic wendet sich in einem TV-Interview an die Fans.

SRF

Darum gehts

  • Die Olympischen Spiele sind für die Schweiz bisher ein totaler Erfolg.

  • Bisher gewannen die Eidgenossen zwölf Medaillen.

  • Es könnten noch mehr dazukommen.

  • So stark war die Schweizer Olympia-Delegation nämlich seit 69 Jahren nicht mehr.

Was sind denn das für Spiele? Was ist das für ein Wahnsinn? Das Minimalziel von sieben Medaillen war bereits nach sieben Wettkampftagen erreicht. Und nun, nach Tag neun, steht die Schweiz bereits bei zwölf Medaillen! Das ist historisch. Ja, mehr noch. Die Zahl bedeutet, dass es für die Schweiz die erfolgreichsten Spiele seit langer, langer Zeit sind. So stark war die Schweizer Olympia-Delegation nämlich seit 69 Jahren nicht mehr. In Helsinki gab es damals am Ende der Spiele 14 Medaillen. Ob die Schweiz diesen Rekord noch bricht? Die zweite Olympia-Woche wird dies zeigen. Im Medaillenspiegel schnuppert die Schweiz bereits an den Top 10.

Absolut verständlich also ist Ralph Stöckli, der Chef de Mission von Swiss Olympic, überglücklich. In einer Videokonferenz zog er am Wochenende eine Zwischenbilanz aus den Olympischen Spielen. «Es gibt etwas zu feiern», so Stöckli. Und: «Wir kommen kaum nach mit dem Zählen der Medaillen. Das ist sicher das, was man sich wünscht, ist aber alles andere als selbstverständlich. Ich bin nach diesen ersten Tagen unglaublich stolz auf die Athletinnen und Athleten, auf das ganze Team, aber insbesondere auch auf die Betreuerinnen und Betreuer.»

Doch hast du noch alle Medaillen im Kopf? Kannst du dich an alle zwölf erinnern? Wir zeigen sie dir nochmals auf!

Die Olympischen Spiele im Vergleich

  1. Helsinki 1952: 14 Medaillen total

  2. Melbourne 1956: 1

  3. Rom 1960: 6

  4. Tokio 1964: 4

  5. Mexiko-Stadt 1968: 5

  6. München 1972: 3

  7. Montreal 1976: 4

  8. Moskau 1980: 2

  9. Los Angeles 1984: 8

  10. Seoul 1988: 4

  11. Barcelona 1992: 1

  12. Atlanta 1996: 7

  13. Sydney 2000: 9

  14. Athen 2004: 5

  15. Peking 2008: 7

  16. London 2012: 4

  17. Rio de Janeiro: 7

  18. Tokio 2021: 12 (bisher)

Nina Christen sorgt für das erste Highlight

Kaum haben die Olympischen Spiele in Tokio begonnen, durfte die Schweiz bereits zum ersten Mal jubeln. Sportschützin Nina Christen holte sich im Luftgewehr-Wettkampf über zehn Meter überraschend Bronze. Schon vor fünf Jahren in Rio sorgte mit Heidi Diethelm-Gerber eine Schützin für die erste Schweizer Medaille. Dieses Mal dauert das Warten aufs erste Edelmetall allerdings deutlich weniger lang . Gleich in der allerersten von 339 Medaillenentscheidungen landete die 27-Jährige einen Schweizer Volltreffer.

Mountainbiker Flückiger zuerst enttäuscht über Silber

Über Silber konnte sich Flückiger nicht gleich freuen.

SRF

Für die zweite Schweizer Olympia-Medaille sorgte Mathias Flückiger. Der Mountainbiker gewann im Cross Country Silber. Ein Grund zur Freude? Eigentlich schon. Doch Flückiger war unzufrieden. «So gross ist das Strahlen nicht», sagte der Mountainbiker im Interview mit SRF enttäuscht. «Ich wollte Gold gewinnen. Ich hätte die Form dafür gehabt.» Flückiger ärgerte sich insbesondere über seine zwei Fehler zur Mitte des Rennens. «Ich war zweimal kurz unkonzentriert, dann ging die Lücke auf», so der 32-Jährige. Immerhin: Ein kleines Strahlen war Mathias Flückiger nach dem Silber-Gewinn dann doch zu entlocken. Er gab zu: «Eine Silbermedaille an Olympischen Spielen ist etwas mega Schönes.» Und bei der Ankunft am letzten Mittwoch war er dann nur noch glücklich und zufrieden, dass er eine Medaille gewonnen hatte.

Schweizer Mountainbike-Frauen holen Gold, Silber und Bronze

Was war das für eine historische Leistung! Die Schweizer Mountainbike-Frauen holen an Olympia Gold, Silber und Bronze! Jolanda Neff gewann das Rennen vor Sina Frei und Linda Indergand. Der Erfolg? Absolut historisch. So gab es den letzten Schweizer Dreifachsieg vor 85 Jahren. 1936 war es, als in Berlin im Bodenturnen mit Georges Miez, Josef Walter und Eugen Mack letztmals drei Schweizer gemeinsam auf dem Podest standen. Das gleiche Bild gab es 1924. In Paris waren es ebenfalls die Turner gewesen, die durch Josef Wilhelm, Jean Gutweniger und Antoine Rebetez den Eidgenossen einen Dreifachsieg bescherten. Zu vergleichen sind diese Triumphe mit dem von Neff, Frei und Indergand aber nicht. Zu lange sind diese Siege her, zu sehr hat sich der Sport im Allgemeinen seither verändert.

So emotional war der Empfang für die Medaillen-Heldinnen.

20 Minuten

Marlen Reusser fährt trotz Helm-Problem zu Silber

Fünf Medaillen hatte die Schweiz zu diesem Zeitpunkt schon. Und dieser Regen, er sollte nicht weniger werden. Am Mittwochmorgen gab es die nächste Medaille. Keine 24 Stunden nach dem Total-Triumph im Mountainbike der Frauen legt Marlen Reusser auf der Strasse nach. Im Zeitfahren teilt sich die Schweizerin ihr Rennen perfekt ein und düst auf dem 22 Kilometer langen Olympia-Kurs zur Silbermedaille! Nach dem Rennen gab die 28-Jährige zu: «Ich habe es zum ersten Mal geschafft, meine Haare richtig im Helm zu versorgen und war megastolz auf mich.» Und: «Dadurch hat es mir dann aber den Helm ins Gesicht gedrückt. Ich konnte praktisch nichts sehen». Darum hätte sie das Visier weggeworfen.

Erste Schwimm-Medaille seit 1984

Es folgten die Schweizer Schwimm-Festspiele. Am frühen Freitagmorgen schwamm Jérémy Desplanches über 200 Meter Lagen mit Schweizer Rekord zu Bronze. Monatelang hatte sich der Genfer auf den 30. Juli 2021 vorbereitet – und schlug dann im Final eiskalt zu. Mit seiner Medaille bescherte der 26-Jährige der Schweiz die erste olympische Schwimm-Medaille seit 37 Jahren. «Das war das Rennen meines Lebens. Am Ende hab ich nicht mehr geatmet und nichts mehr gesehen», meinte er nach dem Rennen.

Hier schwimmt Desplanches zu einer Olympia-Medaille.

SRF

Ponti lässt Tessiner Kommentator total ausflippen

Rund 24 Stunden nach der sensationellen Bronzemedaille von Jérémy Desplanches gab es den nächsten Schwimm-Knüller. Der Tessiner Noè Ponti gewann über 100 Meter Delfin ebenfalls Bronze. «Es ist verrückt, was ich hier gerade erlebt habe», meinte der 20-Jährige nach seinem historischen Medaillengewinn. «Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, was ich heute zum Frühstück gegessen habe.» Freude an der Medaille hatte auch der RSI-Kommentator, der total ausflippte.

Bronze-Ponti lässt Tessiner Kommentator ausflippen.

RSI

Christen holt dank Olympia-Rekord Gold

Nach ihrer überraschenden Bronzemedaille zum Olympia-Start legte Schützin Nina Christen am Samstagmorgen nach. Im Dreistellungskampf schoss sich die Schweizerin mit Olympia-Rekord zu Gold. Am Ende standen bei der 27-Jährigen 463,9 Punkte auf der Anzeigetafel – olympischer Rekord. Christen verwies damit die beiden Russinnen Julia Zykowa und Julia Karimowa auf die Plätze. «Daran könnte ich mich gewöhnen», sagte Nina Christen nach der Medaillenübergabe und lachte.

«History» – Federer ist von Olympiasiegerin Bencic beeindruckt

Belinda Bencic war nach dem grössten Erfolg ihrer Karriere nahezu sprachlos. Die 24-Jährige schlug Marketa Vondrousova und holte damit die Goldmedaille und somit das nächste Edelmetall für die Schweiz. Nachher war sie sprachlos. «Ich kann es nicht glauben, ich weiss nicht, wie das möglich ist! Nach dem zweiten Satz dachte ich, es gehe nicht mehr. Ich bin gerade wie im Schock und muss das Ganze erst noch realisieren. Ich geniesse es unglaublich und es ist wahrscheinlich das Grösste in meiner Karriere bislang. Das kann mir niemand mehr wegnehmen.» Und ja, was soll man sagen? Bencic hat absolut recht. Auch Roger Federer erkannte dies. Der Tennis-Superstar postete auf Instagram einen Post mit dem Wort «History».

Bencic hängt sich die Goldmedaille selbst um den Hals.

SRF

Ducarroz trotzt den Angstzuständen und holt Bronze

Na, wer hat mitgezählt? Bei wie vielen Medaillen stand die Schweizer Delegation am Sonntagmorgen? Genau: zehn. Doch die Schweizer Festspiele gingen weiter. So trickste sich Nikita Ducarroz im BMX-Freestyle zu Olympia-Bronze – und somit zur Medaille Nummer elf. Besonders beachtlich: Die 24-Jährige leidet seit ihrer Kindheit an Angstzuständen. So erzählte sie vor dem Start: «Ich leider immer noch sehr stark unter diesen Angstzuständen. Vor allem kurz vor dem Lauf. Die Wartezeit bis zum Startsignal ist der Horror für mich. Aber sobald ich auf dem Bike sitze, fühle ich mich wohl.»

Mit diesem Lauf sichert sich die Schweizerin die Olympia-Medaille.

SRF

Bencic gehört nun zu einem erlauchten Kreis

Und Belinda Bencic hatte noch nicht genug! Im Doppel zusammen mit Viktorija Golubic wollte sie die nächste Goldmedaille holen. Das klappte aber leider nicht. Am Ende resultierte gegen die Tschechinnen Barbora Krejcikova und Katerina Siniakova eine klare 5:7- und 1:6-Niederlage, zufrieden waren die beiden dennoch. Bencic zeigte sich aber auch sehr selbstkritisch. Sie meinte: «Ich habe im Final sicherlich nicht mein bestes Doppel gezeigt. Ich hätte besser spielen können. Viktorija war einfach unglaublich. Sie hat zeitweise alleine gegen die beiden Tschechinnen gespielt. Tennis ist ja eigentlich eine Einzel-Sportart. Doch ich habe mich nie allein gefühlt.» Die 24-Jährige ist wie Christen nun in einem erlauchten Kreis. In der jüngeren Vergangenheit hatten nur Radrennfahrer Fabian Cancellara (2008, Gold und Silber) und Degenfechterin Gianna Hablützel-Bürki (2000, zweimal Silber) zwei Medaillen an denselben Sommerspielen gewonnen.

Süss! Bencic und Golubic freuen sich über ihre Silbermedaille.

Süss! Bencic und Golubic freuen sich über ihre Silbermedaille.

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