Sudan-Ebolavirus: Schon 23 Menschen in Uganda an gefährlicher Ebola-Variante gestorben 

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Sudan-EbolavirusSchon 23 Menschen in Uganda an gefährlicher Ebola-Variante gestorben 

18 Infektionen bestätigt, 18 Verdachtsfälle und erste Tote: Uganda sieht sich mit einem Ebolaausbruch unbekannten Ursprungs konfrontiert. Gegen den verantwortlichen Virustyp gibt es weder Medikamente noch Impfstoffe.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Uganda meldet einen Ebola-Ausbruch.

Uganda meldet einen Ebola-Ausbruch.

REUTERS
Der erste Fall wurde bei einem Mann aus einem Dorf im Unterbezirk Madudu (grün) registriert. Schon Anfang September waren in Madudu und Kiruma mehrere Todesfälle aufgrund einer unbekannten Krankheit gemeldet, die nun als wahrscheinliche Ebola-Fälle gelten (grün/rot). Mittlerweile traten auch  an zwei weiteren Orten (blau) Fälle auf.

Der erste Fall wurde bei einem Mann aus einem Dorf im Unterbezirk Madudu (grün) registriert. Schon Anfang September waren in Madudu und Kiruma mehrere Todesfälle aufgrund einer unbekannten Krankheit gemeldet, die nun als wahrscheinliche Ebola-Fälle gelten (grün/rot). Mittlerweile traten auch  an zwei weiteren Orten (blau) Fälle auf.

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Auslöser ist das sogenannte Sudan-Ebolavirus, eines der aggressivsten fünf Ebolavirus-Typen. (Im Bild: Elektronenmikroskop-Aufnahme von Ebola-Viren)

Auslöser ist das sogenannte Sudan-Ebolavirus, eines der aggressivsten fünf Ebolavirus-Typen. (Im Bild: Elektronenmikroskop-Aufnahme von Ebola-Viren)

Wikimedia Commons/CDC/Cynthia Goldsmith/PD

Darum gehts

Im ostafrikanischen Uganda wächst die Sorge vor einer erneuten Ebola-Epidemie. Mutmasslich mehrere Dutzend Menschen haben sich in wenigen Tagen mit dem Virus angesteckt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet von 18 bestätigten und 18 Verdachtsfällen. 23 Personen sind laut Angaben des ugandischen Gesundheitsministeriums im Zusammenhang mit dem Virus gestorben. Fünf davon waren nachweislich mit dem Virus infiziert. Gesundheitsfachleute befürchten, die Virusinfektion könnte sich auf weitere Bezirke ausweiten. Das ist bisher zu dem Ausbruch bekannt.

Was weiss man über den Ausbruch?

Das Zentrum lag in einem Dorf im Unterbezirk Madudu im Bezirk Mubende, dessen wichtigste Stadt an einer Schnellstrasse in die Hauptstadt Kampala liegt. Anfang der vergangenen Woche wurde bekannt, dass ein 24-jähriger Mann an den Folgen einer Ebola-Infektion gestorben war (siehe Box). Mittlerweile wurden an zwei weiteren Orten Fälle gemeldet. Laut dem Gesundheitsministerium des Landes sind auch Fälle in Kyegegwa, einer Stadt an einer vielbefahrenen Strasse westlich von Mubende, und in Kassanda, das östlich von Mubende liegt, bekannt. Aus der Hauptstadt gemeldete Verdachtsfälle haben sich – Stand 27. September – als negativ erwiesen.

Patient Zero

Was hat den Ausbruch ausgelöst?

Die Quelle ist noch unklar. Der ugandische Mediziner Innocent Nkonwa, der schon vor zehn Jahren mit Ebola-Patientinnen und -Patienten zu tun hatte, vermutet sie bei Fledermäusen: «Eine der grössten Herausforderungen in unserem Umfeld ist, dass wir jeden Tag mit Fledermäusen leben», zitiert ihn Dw.com. Die Tiere nisteten sich gerne in Häusern ein. Ob das Virus wirklich von ihnen auf den Menschen überging, ist offen. Doch auch wenn die Quelle nicht identifiziert werden könne, bleibt Nkonwa zuversichtlich: «Wir hatten bisher einige Epidemien, bei denen es uns nicht gelungen ist, die Schnittstelle zwischen dem Ausgangsfall und dem Ort, an dem sich dieser angesteckt hat, zu finden.» Auch sie gingen vorüber.

Was ist das Sudan-Ebolavirus?

Das SUDV tritt relativ selten auf und ist neben dem Zaire-Ebolavirus eine der aggressivsten Varianten, wie die WHO schreibt. Laut Matshidiso Moeti, Afrika-Direktor der WHO, ist es das erste Mal seit zehn Jahren, dass diese Variante in Uganda festgestellt wurde. Er kündigte an, Uganda mit Hilfsmitteln unterstützen zu wollen. Seit Mai 2019 wird bei einer Ebola-Infektion unterschieden, von welchem Ebola-Virus sie ausgelöst wurde. Davor wurden alle Viren in einer Gruppe zusammengefasst. Bekannt sind heute fünf verschiedene Ebola-Typen: das Zaire-, Sudan-, Taï-Forest-, Bundibugyo- und Reston-Virus. Einzig letzteres ist für den Menschen in der Regel nicht gefährlich. Der grosse Ausbruch 2014/2015 in Westafrika mit mehr als 11’000 Todesopfern wurde durch das Zaire-Ebolavirus verursacht, ebenso alle Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo in den letzten Jahren.

Was weiss man über das Sudan-Ebolavirus?

Die vom SUDV ausgelöste Krankheit verläuft schwer und ist oft tödlich.  Nachgewiesen wurde der Erreger-Typ erstmals im Juni 1976 im Südsudan. Seitdem ist das Virus in regelmässigen Abständen wieder aufgetreten. Bisher wurden sieben von ihm verursachte Ausbrüche gemeldet, vier in Uganda und drei im Sudan. Die geschätzte Sterblichkeitsrate bei SUDV schwankte bei früheren Ausbrüchen zwischen 41 und 100 Prozent, teilt die WHO mit.

Das Sudan-Ebolavirus gilt als problematisch. Warum?  

Zum einen ist seine Diagnose schwierig, da die frühen, unspezifischen Symptome der Krankheit anderen Infektionskrankheiten wie Malaria, Typhus und Meningitis ähneln. Zum anderen können nur die Symptome und nicht das Virus selbst bekämpft werden. Es gibt weder zugelassene Impfstoffe noch Therapeutika.

Aber gibt es nicht einen «fast 100-prozentig» wirksamen Ebola-Impfstoff?

Ja, aber der sogenannte Ervebo-Impfstoff ist gegen das Zaire-Ebolavirus hochwirksam. Die vorläufige geschätzte Impfwirksamkeit zehn Tage nach Impfung beträgt 97,5 bis 100 Prozent, schreibt das Robert-Koch-Institut. Der Impfstoff bietet aber keinen Schutz gegen das aktuell in Uganda grassierende Sudanvirus. Das erklärte die Chefin der WHO-Abteilung für Forschung und Entwicklung, Ana Maria Restrepo, am Dienstag in Genf. Es gebe aber mindestens sechs Impfstoffkandidaten gegen den Virustyp, die sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden.

Was bedeutet das für den weiteren Verlauf des Ausbruchs?

Das ist unklar: Das Risiko für eine weitere Ausbreitung des Virus ist aus Sicht der WHO gross: Weil es keinen Impfstoff gibt und weil der Ausbruch erst spät – drei Wochen nach dem wohl ersten Fall – entdeckt wurde. Das berge die Möglichkeit mehrerer unentdeckter Übertragungsketten. «Die früher verstorbenen Patienten wurden mit traditionellen Praktiken und Zeremonien unter Beteiligung vieler Menschen beerdigt», so die WHO. Hinzu komme, dass viele Infizierte in der Nähe einer aktiven Goldmine lebten. «Deren Mobilität ist wahrscheinlich hoch und der Ausbruch könnte einige bereits infizierte Bergleute zur Flucht veranlassen.»

Aber: Uganda habe in der Vergangenheit bewiesen, dass es in der Lage ist, auf Ebola-Ausbrüche zu reagieren, doch könnte das System überfordert sein, wenn die Zahl der Fälle dramatisch ansteigt und sich der Ausbruch weiter ausweitet, warnte die WHO.

Was wird jetzt unternommen?

Die Bevölkerung wird für das Thema sensibilisiert und über Massnahmen zur Eindämmung aufgeklärt. Das Gesundheitspersonal erhält persönliche Schutzausrüstung und wird im Umgang damit geschult. Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen (MSF) haben Fachleute entsandt und mit dem Aufbau eines Isolations- und Behandlungszentrums begonnen. Um zu verhindern, dass sich der Ausbruch zu einer Epidemie ausweitet, isoliere man alle Kontaktpersonen und versuche mit vereinten Kräften die Quelle des Virus zu erkunden, so Diana Atwine, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium gegenüber Dw.com.

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