Netflix will Passwort-Sharing abschaffen

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Streaming-DienstSchon bald wirst du dein Netflix-Passwort nicht mehr teilen können

Account-Sharing ist Netflix schon längere Zeit ein Dorn im Auge. Nach einer erfolgreichen Testphase in Lateinamerika möchte Netflix nun weltweit gegen die Praktik vorgehen.

von
Reto Bollmann
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Netflix möchte die Nutzung von Accounts in mehreren Haushalten unterbinden.

Netflix möchte die Nutzung von Accounts in mehreren Haushalten unterbinden.

AFP
Das genaue Datum und der exakte Aufpreis sind noch unbekannt, doch möchte der Streaming-Dienst die Option bereits im kommenden Jahr abschaffen.

Das genaue Datum und der exakte Aufpreis sind noch unbekannt, doch möchte der Streaming-Dienst die Option bereits im kommenden Jahr abschaffen.

IMAGO/Addictive Stock
Netflix war nicht immer gegen das Teilen von Passwörtern, aber auch erfolgreiche Serien wie «Wednesday» ändern nichts daran, dass der Streaming-Dienst monatlich viel Geld durch die verbreitete Praktik verliert.

Netflix war nicht immer gegen das Teilen von Passwörtern, aber auch erfolgreiche Serien wie «Wednesday» ändern nichts daran, dass der Streaming-Dienst monatlich viel Geld durch die verbreitete Praktik verliert.

Netflix

Netflix: Darum gehts

  • Wegen geteilten Passwörtern entgeht Netflix Monat für Monat viel Geld.

  • Bereits im kommenden Jahr soll Netflix nun gegen Passwort-Sharing durchgreifen.

  • Dies, nachdem ein Testlauf für zusätzliche Abo-Gebühren bei geteilten Konten in Lateinamerika erfolgreich war.

Das genaue Datum und der exakte Aufpreis sind noch unbekannt, doch möchte Netflix die Option, Passwörter an Familienmitglieder und Freunde weiterzugeben, bereits im kommenden Jahr abschaffen. In den USA wird dies wohl bereits Anfang 2023 geschehen, wie das «Wall Street Journal» berichtet. Der mit abnehmenden Abozahlen kämpfende Streaming-Marktführer möchte damit eine Wende einleiten.

Vor knapp fünf Jahren tweetete das Unternehmen noch «Love is sharing a password» – «Liebe ist, ein Passwort zu teilen». Dass mehrere Personen den gleichen Account teilen, war dereinst sogar gemäss der Netflix-AGB vorgesehen – das Teilen sollte sich jedoch auf einzelne Haushalte beschränken, ist etwa für Paare und Familien vorgesehen.

Seither ist viel passiert. Der Streaming-Markt ist heute viel stärker umkämpft. Stiegen die Abozahlen 2017 noch stetig an, läuteten bei Netflix spätestens 2019 die Alarmglocken, als im zweiten Quartal ein Aborückgang in den USA verzeichnet wurde.

Teilst du dein Netflix-Konto?

Bald war Passwort-Sharing als grosse Verlustquelle des Streaming-Diensts identifiziert. Mit der Pandemie gab es wieder Aufwind für Netflix – allein im ersten Quartal verkaufte das Unternehmen fast 16 Millionen neue Abos – und das Problem der geteilten Passwörter wurde vorerst nochmals auf die Seite gelegt. Doch nun verlor Netflix im ersten Halbjahr 2022 wieder 1,2 Millionen Kundinnen und Kunden, wie die «Handelszeitung» berichtet.

Netflix ignorierte Problem

Auch Erfolgen wie «Stranger Things», «Wednesday» und «Dahmer: Monster» zum Trotz kehrte die Diskussion um die geteilten Konten zurück. Gemäss Co-CEO Reed Hastings befasste sich die Chefetage zu lange nicht mit dem Problem, weil der Pandemie-Boom dessen Ausmasse verschleiert habe.

In Lateinamerika startete Netflix bereits dieses Jahr einen Testlauf für geteilte Accounts, die über zusätzliche Gebühren funktionieren. Über einen erhöhten Preis können Userinnen und User hier bis zu zwei zusätzliche Personen ausserhalb des eigenen Haushalts in ihr Abo aufnehmen. Die Zusatzgebühr beläuft sich dabei auf umgerechnet zwischen 1.99 Franken und 3.30 Franken monatlich.

Erfolgreicher Testlauf in Lateinamerika

In Lateinamerika werden Personen, die nicht im gleichen Haushalt wohnen und sich ein Passwort teilen, bereits zur Kasse gebeten. Technisch funktioniert das Sharing-Verbot so, dass der primäre Abo-Besitzer innerhalb von 15 Minuten einen Code eingeben muss. Nach Eingabe des Codes können auch Passwort-Entleiher Netflix uneingeschränkt nutzen , werden jedoch per Mitteilung dazu aufgefordert, eine Gebühr für das Teilen zu bezahlen. Die Aufforderungen kommen so lange, bis der Abo-Inhaber die Sharing-Gebühr bezahlt.

Gemäss «Wall Street Journal» war der Südamerika-Test erfolgreich. Netflix wolle darum in den USA bald eine ähnliche Praktik durchsetzen. Dabei geht das Unternehmen wohl so vor, dass es das Verbot zunächst sanft umsetzt, um dann den Druck aufs Passwort-Sharing nach und nach zu erhöhen. Sonst könnte es seine Kundinnen und Kunden zu sehr verärgern.

Alternativen werden zahlreicher

Denn Alternativen gibt es immer mehr – beispielsweise startete erst vor einigen Tagen der Streaming-Dienst Paramount+ der US-Filmproduktionsfirma Paramount Pictures in der Schweiz. Bereits länger sind hierzulande Disney+ und HBO Max (indirekt über Sky) verfügbar.

Netflix ist der erste Streaming-Anbieter mit Bestrebungen, das Teilen von Passwörtern zu unterbinden. Doch könnte die Konkurrenz bald folgen, denn alle befinden sich unter finanziellem Druck. Wann genau die neuen Gebühren in der Schweiz eingeführt werden, ist derweil noch nicht bekannt.

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