«Leben einblasen»: Schon die alten Ägypter praktizierten Oralsex

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«Leben einblasen»Schon die alten Ägypter praktizierten Oralsex

Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn: Oralsex, das Stimulieren der Geschlechtsorgane mit dem Mund, hat eine abwechslungsreiche Vergangenheit.

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Auch wenn er wohl niemals so angesagt war wie heute: Oralsex ist keine Erfindung der Moderne.

Auch wenn er wohl niemals so angesagt war wie heute: Oralsex ist keine Erfindung der Moderne.

Colourbox.com/Mauro Rodrigues
Die ersten Berichte stammen aus der alten ägyptischen Mythologie über die Auferstehung von Osiris. Diese war nur mithilfe von Fellatio durch Isis möglich.

Die ersten Berichte stammen aus der alten ägyptischen Mythologie über die Auferstehung von Osiris. Diese war nur mithilfe von Fellatio durch Isis möglich.

PD
Auch in Asien war die Befriedigung mit dem Mund nicht verpönt. Das zumindest legt das Kamasutra nahe, in dem ein ganzes Kapitel dem Oralverkehr gewidmet ist.

Auch in Asien war die Befriedigung mit dem Mund nicht verpönt. Das zumindest legt das Kamasutra nahe, in dem ein ganzes Kapitel dem Oralverkehr gewidmet ist.

PD

Seit wann wird Oralverkehr praktiziert?

Die ersten Hinweise auf diese Praktik liefern laut dem französischen Autor Thierry Leguay Überlieferungen aus dem alten Ägypten, wie zum Beispiel der Isis- und Osiriskult. Dieser geht aus Pyramidentexten und dem ägyptischen Totenbuch hervor: Ursprünglich Gottkönig von Ägypten, wurde Osiris von seinem Bruder Seth getötet und zerstückelt. Seine Schwester und Gattin Isis jedoch sammelte die über das ganze Land verstreuten Stücke des Leichnams ein und fügte sie wieder zusammen. Weil jedoch der Penis fehlte, formte sie einen Ersatz aus Ton, dem sie anschliessend neues Leben «einbliess» (siehe Bildstrecke). So zurückgeholt zeugte Osiris der Sage nach mit Isis einen Sohn, um dann für immer in die Unterwelt hinabzusteigen.

Welche anderen frühen Kulturen praktizierten Oralverkehr?

Auch im frühen China und Indien waren die Menschen diesbezüglich sehr aufgeschlossen. So stellt beispielsweise das indische Kamasutra (vermutlich zwischen 200 und 300 n. Chr. verfasst) eine Vielzahl aussergewöhnliche Sexstellungen vor. Ein ganzes Kapitel, das Auparishtaka, ist der oralen Befriedigung von Mann und Frau gewidmet. Darin wird unter anderem die «Lotus im Mondenschein»-Stellung beschrieben, bei der der Mann auf dem Rücken liegt und seine Partnerin über sein Gesicht hockt. Beim «Beissen der Seiten» hingegen wird der Mann verwöhnt. Dazu wird die Eichel mit den Fingern umfasst und die Seiten des Penis werden mit den Lippen und Zähnen liebkost.

Wie hielten es die alten Römer mit Oralsex?

Auch bei ihnen war der Blowjob bereits Thema. Allerdings war die Auffassung eine andere. Anders als heute galten damals diejenigen, die oral verwöhnt wurden, als aktiv. Die, die ihren Mund um die Geschlechtsteile eines anderen stülpten hingegen, waren die passiven. Der Grund: Oralverkehr wurde zu Zeiten der alten Römer als Bestrafung wahrgenommen, wobei der Bestrafte die Anordnung schlichtweg zu befolgen hatte.

Gab oder gibt es so eine Haltung auch anderswo?

Bei manchen Stämmen Neuguinea ist Fellatio auch heute noch fester Bestandteil von Initiationsriten, in denen Jungen durch Fellatio und das anschliessende Schlucken von Erwachsenensperma zu Männern werden.

Seit wann betreibt man Oralsex nur so zum Spass?

Das ist nicht gänzlich geklärt. Aber eine grosse Rolle spielte Forschern zufolge sicherlich der Pornofilm «Deep Throat» (1972), der nicht nur in Schmuddel-, sondern auch in Mainstream-Kinos lief und so das Genre aus seiner Randexistenz rausholte sowie eine breite Debatte in der Öffentlichkeit auslöste. Zudem war er namensgebend für die darin ausgiebig dargestellte Sexualpraktik Deepthroating.

Sind Menschen die einzigen Säugetiere, die Oralsex praktizieren?

Lange hielt man Oralsex für eine typisch menschliche Eigenschaft. Nur bei den sexuell sehr aktiven Bonobos hatte man dies bislang beobachtet. Allerdings deuteten Wissenschaftler dies bei den Affen als spielerisches Verhalten. Unklar ist auch die Motivation der Weibchen des indischen Kurznasenflughunds, die ebenfalls Fellatio betreiben, wie chinesische Forscher 2009 herausgefunden haben. Sie beobachteten die Tiere dabei, wie sich Weibchen bei der Kopulation vornüberbeugen und den Penisschaft der Männchen lecken. Die Eichel, die zuvor schon die Vagina penetriert hatte, liessen sie aussen vor.

Der Videobeweis: Auch indische Kurznasenflughunde haben Oralsex. (Video: Youtube/madbal/Tan et al (2009) Plos ONE)

Kleine Vokabelübersicht

Oralverkehr ist die Bezeichnung für alle Sexpraktiken, bei denen die Geschlechtsorgane mit Mund, Lippen, Zunge oder Zähnen stimuliert werden. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort os = Mund ab

Cunnilingus (lat. cunnus «weibliche Scham» und lingua «Zunge») bezeichnet man eine Form des Oralverkehrs in der Sexualität, bei dem der Sexualpartner (gleich welchen Geschlechts) die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane – die Klitoris, die Schamlippen oder den Scheideneingang – mit der Zunge, den Lippen oder den Zähnen erregt.

Fellatio (lat. fellare «saugen»)ist eine Form des Oralverkehrs, bei der der Penis durch Mund, Zunge und Lippen – beim sogenannten Deepthroating auch durch die Rachenregion – des Sexualpartners stimuliert wird; Lutschen, Blasen, Rauchen und Saugen am Penis sind ebenfalls möglich.

Anilingus (lat. anus «After» und lingere «lecken») stellt eine Sexualpraktik dar, bei welcher der Anus, meist inklusive Dammregion, mit Lippen und Zunge stimuliert wird, und kann sowohl oberflächlich als auch durch Penetration mit der Zunge erfolgen.

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