«Costa Concordia»: Schon einmal fuhr sie diesen Kurs
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«Costa Concordia»Schon einmal fuhr sie diesen Kurs

Bereits früher fuhr die «Costa Concordia» nur um Haaresbreite an dem verheerenden Felsen vor Giglio vorbei. Neuen Gerüchten zufolge soll die Reederei die Evakuierung verzögert haben.

von
jam
In Rot der verhängnisvolle Kurs der «Costa Concordia» vom 13. Januar. Doch schon im August 2011 fuhr das Schiff praktisch an derselben Stelle vorbei, wie die blaue Linie zeigt. (Quelle: Lloyds List)

In Rot der verhängnisvolle Kurs der «Costa Concordia» vom 13. Januar. Doch schon im August 2011 fuhr das Schiff praktisch an derselben Stelle vorbei, wie die blaue Linie zeigt. (Quelle: Lloyds List)

Wie jetzt bekannt wird, fuhr die «Costa Concordia» bereits im August 2011 praktisch denselben Kurs vor der italienischen Insel Giglio, der ihr jetzt zum Verhängnis wurde (s. Grafik oben). Das hat das renommierte Schifffahrts-Magazin «Lloyds List» bekannt gemacht. Dabei war das Kreuzfahrtschiff nur 230 Meter vor der Insel vorbeigefahren – fast an der gleichen Stelle, an der sie am Freitag, den 13. Januar 2012 den Rumpf aufschlitzte.

Dass Kapitän Francesco Schettino eine Schwäche für die sogenannten Verneigungen vor Giglio hatte, war offenbar allseits bekannt. Kapitän Schettino selbst hatte vor Gericht Fehler eingeräumt, als er die Insel in einem ausserplanmässigen Schwenk ansteuerte. «Es ist etwas schiefgelaufen», zitierte ihn der «Corriere della Sera». «Ich bin auf Sicht gefahren, denn ich kannte den Meeresboden.» Er sei die Route «schon drei- oder viermal abgefahren, aber dieser Felsen hat mich überrascht», sagte Schettino.

Ausserdem sei bereits im Hafen von Civitavecchia beschlossen worden, das Manöver durchzuführen. Offenbar hatten die «Verneigungen» auch System. Laut der Zeitung «La Repubblica» soll die «Costa Concordia» jährlich 50 solche Regelverstösse begangen haben. Das sei vom internationalen marinen Kontrollsystem Ais so aufgezeichnet worden.

Gab es eine Anweisung der Reederei?

Dass das Schiff bereits im August so nah an Giglio vorbeifuhr, hatte das Unternehmen Costa Crociere zwar am Montag zugegeben. Allerdings hatten Sprecher betont, dass das Schiff sich nie näher als die zulässigen 500 Meter der Insel genähert hatte. Nicht nur deshalb gerät auch die Reederei jetzt unter Druck. Bereits die Tatsache, dass der Kapitän des Schiffes, Francesco Schettino, aus der U-Haft entlassen worden und unter Hausarrest gestellt worden war, deutete darauf hin, dass er an der Havarie nicht alleine die Schuld trägt. Italienische Medien berichteten, dass mindestens auch gegen den Zweiten und den Dritten Offizier ermittelt werden dürfte. Offiziell ins Visier genommen hat die Staatsanwaltschaft bereits den Ersten Offizier, Ciro Ambrosio.

Jetzt spekuliert der «Corriere della Sera», dass der Kapitän Anweisungen von der Reederei bekommen habe, mit der Evakuierung des Schiffes zuzuwarten – dies, um dem Unternehmen einen möglichen Imageschaden zu ersparen.

In der Zwischenzeit liegt der gestrandete Koloss wieder stabiler, nachdem die Suche nach Eingeschlossenen in dem havarierten Kreuzfahrtschiff ins Stocken geraten war, weil das Schiff in starkem Wellengang in tiefere Gewässer abzurutschen drohte. Deshalb sollen die Bergungsarbeiten wieder aufgenommen werden. Zurzeit werden nach Angaben der Regierung in Rom noch 22 Menschen verschiedener Nationalitäten vermisst. Bisher wurden 11 Leichen geborgen.

Taucher suchen nach Vermissten:$$VIDEO$$ So könnte die «Costa Concordia» geborgen werden:

(Video: Youtube/NMANewsdirect)

(Mit Material der Agentur SDA)

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