Missbrauch des IKRK-Emblems: Schon James Bond stand am Pranger
Aktualisiert

Missbrauch des IKRK-EmblemsSchon James Bond stand am Pranger

Das Emblem des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) wird immer wieder missbraucht - in bewaffneten Konflikten, aber auch in innenpolitischen Auseinandersetzungen. Sogar ein James Bond-Film geriet einmal in die Kritik.

Das Rotkreuz- (respektive Halbmond- oder Kristall-) Symbol darf gemäss den Genfer Konventionen nur verwendet werden, um Opfer in bewaffneten Konflikten zu schützen. Sein Missbrauch (oder der eines anderen international anerkannten Schutzzeichens) ist ein schwerer Verstoss gegen das humanitäre Völkerrecht.

Werden solche Symbole zum Transport oder zur Tarnung von Soldaten oder militärischer Ausrüstung verwendet, ist dies ein Verstoss gegen die Zusatzbestimmungen von 1977 des Genfer Abkommens und gilt als Heimtücke. Es könne sogar laut IKRK als Kriegsverbrechen behandelt werden.

Missbrauch in Bürgerkriegen

Vor allem in Bürgerkriegen werden aber immer wieder Fahrzeuge oder Helikopter mit Rotkreuz-Emblem für Truppen- oder Waffentransporte missbraucht - so in den mittelamerikanischen Konflikten der Achtzigerjahre.

Auf Bildern des amerikanischen Magazins «Newsweek» waren 1987 drei Offiziere der rechten Contra-Rebellen zu sehen, die aus einem Helikopter mit dem Symbol des Roten Kreuzes stiegen. Dieser transportierte militärische Güter und elektronische Ausrüstungen zu den Contras in Nicaragua.

Auch im jugoslawischen Bürgerkrieg 1991/92 wurde das IKRK- Wahrzeichen mehrfach missbräuchlich verwendet. Die Konfliktparteien versahen Fahrzeuge und Helikopter damit.

Der Angriff auf einen IKRK-Konvoi im Mai 1992 bei Sarajevo, bei dem ein Delegierter ums Leben kam, ist womöglich darauf zurückzuführen, dass die Konfliktparteien nicht mehr zwischen «echten» und «falschen» Rotkreuzfahrzeugen unterschieden. 1998 sollen serbische Truppen von Helikoptern mit Rotkreuz-Zeichen auf Flüchtlinge geschossen haben.

Missbräuche gab es in den Neunzigerjahren auch in den Bürgerkriegen und Unruhen im Kaukasus und in den zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken. Milizen und Zivilisten missbrauchten hier das Emblem, um im Schutz des Roten Kreuzes in Ruhe ihrer Tätigkeit nachgehen zu können.

Auch im Bürgerkrieg im westafrikanischen Sierra Leone sollen Rebellen in einem Helikopter mit illegalem Rot-Kreuz-Emblem Waffen transportiert haben.

Das IKRK kann in solchen Fällen lediglich protestieren und die Konfliktparteien auf die Bestimmungen des humanitären Völkerrechts aufmerksam machen.

Missbrauch in Filmen und in der Politpropaganda

An die Genfer Konvention erinnerte das IKRK auch 1987, als im 15. Bond-Film «The Living Daylights» (Der Hauch des Todes) das Rotkreuz-Symbol missbraucht wurde. Darin wurden Rotkreuz-Pakete gezeigt, in denen Opium geschmuggelt wurde. Und ein «Agenten-Überläufer» wurde von einem Rotkreuz-Helikopter an Bord genommen.

2002 protestierten das IKRK und das Schweizerische Rote Kreuz gegen die Verwendung des Rotkreuz-Emblems für politische Propaganda: Im Abstimmungskampf um den UNO-Beitritt der Schweiz hatte das gegnerische Komitee Plakate mit dem Slogan «Ja zum Roten Kreuz - Nein zur UNO und zum Krieg», die einen Jeep des IKRK in Afghanistan zeigten, aufgehängt. (sda)

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