Helg Sgarbi: Schon mit 17 der Traum aller Mütter
Aktualisiert

Helg SgarbiSchon mit 17 der Traum aller Mütter

Der Erpresser der reichsten Frau Deutschlands, der Schweizer Helg Sgarbi, war schon als Jugendlicher charmant und gewinnend: «Ein Typ, wie man ihn sonst nur in Romanen findet», erinnert sich eine ehemalige Schulkollegin. Das umfassende Geständnis von Sgarbi passe da ins Bild.

von
Annette Hirschberg

Der 44-jährige Betrüger Helg Sgarbi, der die BMW-Erbin Susanne Klatten erpresste, hat mit seinem Geständnis am Montag vor Gericht in München alle überrascht - fast alle. Denn für einige, die den Schweizer Gigolo schon in der Schule kennen lernten, kam das Geständnis nicht unerwartet. Es passte ins Bild des Mannes, der die Frauen schon früh bezirzte und einen bleibenden Eindruck hinterliess. «Er entschuldigte sich und ersparte den Frauen damit vor Gericht aussagen zu müssen», sagt Marian Schneider*. «Das passt zu ihm. Er ist ein Gentleman».

Die Mutter tief beeindruckt

Marian Schneider, die blonde Schönheit, lernte Helg Sgarbi, der damals noch Helg Russak hiess, in den 80er Jahren an der Kantonsschule im Lee in Winterthur kennen. Helg sei eine Klasse unter ihr gewesen, und habe offen um sie geworben. «Wir sind einige Male miteinander ausgegangen», erzählt sie. Er sei schon damals, mit 17, ein richtiger Kavalier gewesen. «Zum Beispiel ist er auf dem Trottoir immer auf der Strassenseite gelaufen, um mich zu beschützen», erzählt Schneider. Auch sonst seien seine Umgangsformen perfekt gewesen. «Er hielt mir immer die Tür auf oder half mir in den Mantel.» Wenn er sie nach einem Rendez-vous an den Bahnhof brachte, habe er ein Taxi ausgesucht und dem Taxifahrer genaue Anweisungen gegeben, wie sie nach Hause zu bringen sei. «Er war schon als Jugendlicher ein Typ, wie man ihn sonst nur in Romanen findet», sagt Schneider. Einmal sei er auch zu ihr nach Hause zum Essen gekommen «und hat dabei meine Mutter tief beeindruckt mit seinen Manieren».

Schliff in Brasilien geholt

Für Schneider ist klar: dieser Schliff wurde Helg Sgarbi in seiner Kindheit in Brasilien verpasst. Dort habe er eine sehr gute Erziehung genossen. «Er war in jeder Hinsicht charmant und weltgewandt und dabei nicht affig oder unangenehm.» Man habe sich einfach wohl gefühlt um ihn herum. Umso mehr verblüfft sie, dass der intelligente und sprachgewandte junge Mann, den sie kannte, kriminell wurde. «Er hatte alles, um ohne Betrug durchs Leben zu kommen.» Dass dahinter offenbar die Machenschaften einer Sekte stehen, kann sie noch weniger verstehen. «Ich hätte nie gedacht, dass er so einer Sache verfallen könnte.» Und das, obwohl sie einen Hinweis hatte: Helgs jüngere Schwester, das wusste sie, war schon früh sehr gläubig gewesen und einer religiösen Gruppe beigetreten. «Vielleicht gibt es da einen Zusammenhang.»

*Name geändert

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